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10.02.2026 | 17:09:17 (dpa-AFX)
ROUNDUP 3: Regierungskrise in London abgewendet? - «Starmer ist Toast»

(neu: mehr Details und Hintergrund)

LONDON (dpa-AFX) - Nach einem turbulenten Tag in Westminster versucht der britische Premierminister Keir Starmer seine Regierung wieder auf Kurs zu bringen. Kurzzeitig schien sein Amt am seidenen Faden zu hängen, als der schottische Labour-Chef Anas Sarwar den Parteifreund öffentlich zum Rücktritt aufforderte. Doch das scheint zumindest vorerst abgewendet.

Hintergrund für die Regierungskrise ist Starmers Entscheidung vor mehr als einem Jahr, den Labour-Veteranen und notorischen Epstein-Vertrauten Peter Mandelson zum Botschafter in den USA zu ernennen. Wie eng dieser mit dem verstorbenen US-Multimillionär und Pädokriminellen verbandelt war, wurde durch die Veröffentlichung der Epstein-Akten deutlich.

Dank Loyalitätsbekundungen aus seinem Kabinett und Berichten zufolge kämpferischen Auftritt vor der Fraktion schaffte es Starmer, sich noch einmal Zeit zu kaufen. Der Premier habe die "Rede seines Lebens gehalten", zitierten britische Medien Teilnehmer des Treffens. Tags darauf ließ er sich bei einem leidenschaftlichen Plädoyer für ein Ende des innerparteilichen Zwists filmen. "Ich werde niemals von meinem Mandat, dieses Land zu verändern, davonlaufen", sagte er in einem Bürgerzentrum in der Grafschaft Hertfordshire, nördlich von London.

Starmer ist "letztlich Toast"

Doch britische Kommentatoren sind sich weitgehend einig, dass sich der wegen zahlreicher gescheiterter Reformprojekte und miserabler Umfragewerte schwer angeschlagene Starmer auf extrem dünnem Eis bewegt. "Es könnte jeden Moment einen neuen, frischen Skandal oder Aufreger geben, der das schlagartig ändert", sagte "Guardian"-Reporterin Jessica Elgot in einem Podcast zu dem Burgfrieden. Sie fügte hinzu: "Wenn sich die Herde in Bewegung setzt, setzt sie sich in Bewegung."

Ähnlich bewertete der Sky-News-Reporter Sam Coates die Situation. Starmer sei "letztlich Toast", also erledigt, sagte er, weil der Premier wieder und wieder bewiesen habe, dass es ihm trotz satter Regierungsmehrheit nicht gelinge, umstrittenen Vorhaben durchs Parlament zu bringen.

Tatsächlich musste Starmer in den 18 Monaten seit seinem Amtsantritt eine Kehrtwende nach der anderen vollziehen, weil ihm die eigene Fraktion die Gefolgschaft versagte. Etwa beim Plan, die Zahl der berechtigten Rentner für einen Heizkostenzuschuss einzuschränken oder die Kriterien für eine Sozialleistung für Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Einschränkungen anzuheben.

Über Starmers Zukunft wird schon seit Monaten spekuliert

Erfolge konnte der frühere Chef der Anklagebehörde Crown Prosecution Service lediglich auf dem internationalen Parkett verbuchen, etwa wenn es um die Gunst von US-Präsident Donald Trump ging. Doch auch das schien im Licht des Grönland-Streits, in dessen Verlauf der Republikaner auch Großbritannien mit neuen Zöllen drohte, zu verpuffen.

Schon seit Monaten wird spekuliert, dass die Labour-Fraktion Starmer aus dem Amt jagen könnte. Zudem wird befürchtet, dass Labour bei den Regionalwahlen in Schottland und Wales sowie bei den Kommunalwahlen in England im Mai auf empfindliche Niederlagen zusteuert. Spätestens dann rechnen viele mit einem Misstrauensantrag in der Fraktion. Größter Hemmschuh ist bisher jedoch das Fehlen einer geeigneten Herausforderin oder eines Herausforderers.

Gesundheitsminister Wes Streeting, der als einer der aussichtsreichsten innerparteilichen Rivalen Starmers gilt, veröffentlichte schon einmal vorsorglich seine eigene Korrespondenz mit Mandelson. Britische Medien spekulierten, er könne sich mit dem schottischen Labour-Chef zum politischen Königsmord verabredet haben und im letzten Moment abgesprungen sein.

Wichtigen Strippenzieher verloren

Von der Mandelson-Affäre droht Starmer weiter Gefahr: Der Premier hatte in der vergangenen Woche auf Druck der Opposition und aus den Reihen seiner eigenen Partei angekündigt, die Dokumente und Korrespondenz zum Auswahlverfahren vor der Ernennung Mandelsons als Botschafter zu veröffentlichen. Wann genau und in welchem Umfang das geschehen wird, ist unklar. Dabei dürften weitere unbequeme Details ans Licht kommen.

Zudem hat der Regierungschef mit dem kürzlichen Rücktritt seines Stabschefs Morgan McSweeney seinen wichtigsten Strippenzieher verloren. Ob er die Geschicke noch einmal herumreißen kann, ist ohne den engen Berater an seiner Seite noch ungewisser.

Andrew könnte ein noch tieferer Sturz drohen

Auch für die britischen Royals wird die Causa Epstein wegen der einst engen Beziehung zwischen dem New Yorker Finanzier und dem inzwischen in Ungnade gefallenen Ex-Prinzen Andrew zur immer größeren Belastung. Nachdem die Epstein-Akten neue Vorwürfe gegen Andrew zutage gefördert hatten, kündigte König Charles III. in einer Mitteilung des Palasts an, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen Bruder zu unterstützen.

Ähnlich wie bei Mandelson geht es auch bei Andrew um vertrauliche Informationen, die an den US-Investor Epstein weitergegeben worden sein sollen. Sollte es tatsächlich zu strafrechtlichen Ermittlungen kommen, droht dem Ex-Prinzen, der wegen seiner Verbindung mit Epstein bereits alle Titel und Ämter verloren hat, ein noch tieferer Sturz. Er selbst reagierte auf die Vorwürfe zunächst nicht./cmy/DP/jha

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ROUNDUP: Lichtkonzern ams Osram baut Stellen in Baden-Württemberg ab

MÜNCHEN/PREMSTÄTTEN (dpa-AFX) - Trotz besserer Zahlen will der deutsch-österreichische Lichtkonzern ams Osram <AT0000A3EPA4> weltweit Jobs abbauen

- betroffen ist davon auch ein Standort in Baden-Württemberg. Mehrere

hundert fallen an Standorten in Deutschland weg, wie das Unternehmen mitteilte. Insgesamt geht es um 2.000 Stellen, je etwa 1.000 in Europa und Asien - ein Teil der Maßnahmen ist allerdings bereits bekannt. Parallel dazu legte ams Osram am Morgen Zahlen vor, die einen klaren Aufwärtstrend zeigen: Der Verlust sinkt.

Am Standort Herbrechtingen (Kreis Heidenheim), wo Halogenlampen hergestellt werden, sollen auch Jobs gestrichen werden. Wie viele, sagte ein Sprecher auf Anfrage zunächst nicht. In Herbrechtingen seien rund 470 Personen beschäftigt, so der Sprecher.

Erheblicher Einschnitt geplant

Am Nachmittag machte der Geschäftsführer der Osram GmbH, Rainer Barthel, genauere Angaben. Demnach seien bis einschließlich 2029 ungefähr 250 Mitarbeiter von Maßnahmen betroffen. Das sei ein erheblicher Einschnitt, jedoch könne so langfristig die Beschäftigung am Standort garantiert werden. Vereinbarungen mit dem Betriebsrat sähen mehrere sozialverträgliche Maßnahmen vor. Betriebsbedingte Kündigungen könnten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Es werde aber versucht, diese zu vermeiden, so Barthel.

Schwerpunkt des Jobabbaus in Europa ist Deutschland. Hier fällt im Halbleitergeschäft in Regensburg eine niedrige bis mittlere dreistellige Zahl an Jobs weg, wie ams-Osram-Chef Aldo Kamper sagte. Es gehe vor allem um etablierte Produkte, die auch von asiatischen Wettbewerbern angeboten würden. Deren Produktion wird aus Kostengründen nach Asien verlagert. Dadurch entstehe in Regensburg aber Platz für hochautomatisierte Fertigungen.

Lampengeschäft schrumpft

Weitere Jobs werden im Lampengeschäft gestrichen. Hier geht es neben dem Standort in Baden-Württemberg vor allem um Schwabmünchen bei Augsburg. Die Schließung in Schwabmünchen ist bereits seit einiger Zeit bekannt, ams Osram rechnet sie in den aktuellen Zahlen allerdings mit. Die IG Metall hatte zuletzt den Abbau dort mit 270 Jobs beziffert. Das Geschäft mit klassischen Halogenlampen für Autos schrumpft langsam, weil die Produkte sukzessiv von LEDs verdrängt werden. Kamper betonte aber, dass es noch viele Jahre weitergehen werde.

Gut 1.000 Jobs sollen außerdem an den asiatischen Standorten wegfallen. Derzeit hat ams Osram weltweit gut 19.000 Mitarbeiter, 7.500 davon in Europa und 10.700 in Asien. Den Jobabbau nannte Kamper einen wichtigen, aber schmerzhaften Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Aufwärtstrend bei den Zahlen

Finanziell verbessert sich die Situation von ams Osram, wie die ebenfalls vorgelegten Geschäftszahlen zeigen. Im abgelaufenen Jahr hat das Unternehmen nach Steuern 129 Millionen Euro Verlust gemacht - das ist ein Sechstel des Wertes aus dem Vorjahr. Vor allem im operativen Bereich lief es sehr viel besser. Der Konzern litt dabei allerdings noch immer unter hohen Schulden. Für einen Teil davon hat er vor wenigen Tagen durch den Verkauf eines Geschäftsteils an Infineon <DE0006231004> eine Lösung gefunden./ruc/DP/jha

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