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12.07.2026 | 17:50:13 (dpa-AFX)
WOCHENAUSBLICK 2: Banger Blick auf Hormus - Behält Dax Rekordhoch im Blick?

(Aktualisierung: Ereignisse vom Wochenende eingearbeitet (1. und 2. Absatz), Überschrift geändert)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der zuletzt wieder etwas entspannte Blick der Anleger auf die Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran könnte sich vor dem Hintergrund jüngster Ereignisse eintrüben. Am Wochenende hatte sich der Konflikt um die Straße von Hormus nach gegenseitigen Angriffen der Vereinigten Staaten und des Iran erneut gefährlich zugespitzt.

Bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche bombardierte das US-Militär Ziele entlang der iranischen Südküste. Als Reaktion attackierten Irans Streitkräfte US-Ziele in Jordanien und den Golfstaaten und erklärten die Meerenge erneut für gesperrt. US-Präsident Donald Trump widersprach am Sonntag und sagte mit Blick auf die Straße von Hormus in der NBC-Sendung "Meet the Press": "Sie ist offen". Gespräche über eine diplomatische Lösung für die künftige Verwaltung der Meerenge endeten am Samstag ohne Durchbruch.

Am Freitag hatte es Hoffnungen gegeben, dass der Dax <DE0008469008> in der neuen Woche wieder Kurs auf sein Rekordhoch nehmen könnte. Denn der Ölpreis als Gradmesser für die Inflationssorgen am Markt war zuletzt trotz zunehmender Spannungen zwischen Washington und Teheran nur leicht gestiegen.

Das Wohl und Wehe des deutschen Leitindex in der neuen Woche hängt aber auch davon ab, ob wichtige Preisdaten aus den USA nicht doch wieder die Furcht vor einer anziehenden Teuerung schüren. Zudem könnten enttäuschende Geschäftszahlen von US-Großbanken den Optimisten am Aktienmarkt einen Strich durch die Rechnung machen.

Aktuell ist Analyst Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) noch recht zuversichtlich gestimmt. Denn nach dem jüngsten Kursrutsch des Dax als Reaktion auf die wieder aufgenommenen kriegerischen Handlungen zwischen dem Iran und den USA hat sich der Leitindex zuletzt wieder stabilisiert. Anleger könnten dem Experten zufolge auf ein bekanntes Muster setzen: Mit dem erratischen Führungsstil des US-Präsidenten ist auch eine "Beruhigung" der Lage jederzeit möglich.

Für Unruhe aber könnten aus den USA die Verbraucherpreise am Dienstag und die Erzeugerpreise am Mittwoch sorgen, denn es ist wohl bereits viel Zinshoffnung im Leitindex eingepreist. "Je höher der Turm, desto empfindlicher reagiert er auf Wind, und der Dax ist gerade ein hoher Turm", sagte Roland Schmack, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Meine Werte. Die größte Gefahr für das Börsenbarometer seien deshalb in der neuen Woche die Preisdaten aus den Vereinigten Staaten. Sollten diese höher als erwartet ausfallen, wackele sofort die Aussicht auf ein günstigeres Zinsumfeld, auf die ein guter Teil der jahrelangen Dax-Rally basiere.

Zweitens bleibt Schmack zufolge die Bewertung im Technologiesektor ein latentes Risiko, denn die Stimmung hänge an der Nervosität rund um KI-Investitionen und Kapitalkosten der sogenannten Hyperscaler. Damit sind große Cloud-Computing-Dienstleister gemeint, die weltweit viel Speicherplatz und Rechenleistung anbieten.

Drittens sind geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten dem Experten zufolge weiterhin ein Belastungsfaktor, insbesondere der Nahostkonflikt, die US-Handelspolitik und die Diskussion über die Unabhängigkeit der US-Notenbank. "Wer nach diesem Lauf noch auf der Kaufseite bleibt, sollte die Stoppkurse enger ziehen als sonst", mahnte Schmack.

In den USA nimmt zudem die Berichtssaison der Unternehmen zum zweiten Quartal Fahrt auf. Der Zahlenreigen startet traditionell mit den großen Banken. So berichten am Dienstag JPMorgan <US46625H1005>, Goldman Sachs <US38141G1040>, Citigroup <US1729674242>, Bank of America <US0605051046> und Wells Fargo <US9497461015> über ihre Geschäfte. Am Mittwoch folgen Morgan Stanley <US6174464486>, Bank of New York Mellon <US0640581007> und PNC Financial Services <US6934751057>.

Mit den Resultaten der US-Banken entscheide sich, ob die Rekordlaune der Anleger auf Substanz gebaut sei oder nur auf Zinsfantasie, sagte Vermögensverwalter Ortay Gelen von Axia Asset Management. Lieferten die Finanzhäuser, dürfte kaum etwas den Dax von seinem Kurs gen historischen Höchststand abhalten.

Hierzulande ist die Berichtssaison noch kein großes Thema. Am Dienstag veröffentlicht der Verpackungshersteller Gerresheimer <DE000A0LD6E6> seine Quartalszahlen. An diesem Tag informieren auch der Autobauer Mercedes-Benz Group <DE0007100000> (vor Börseneröffnung) und der Zulieferer Schaeffler <DE000SHA0100> (nach Börsenschluss) Analysten, um deren Schätzungen mit denen der Unternehmen abzugleichen (sogenannte Pre-Close-Calls vor den anstehenden Quartalszahlen).

Bereits am Montag steht der Abschluss des fünften klassischen Börsengangs in Deutschland im laufenden Jahr auf der Agenda. Der Mastsysteme-Hersteller Smag Mobile Antenna Masts <BBG009DFTY51> geht auf das Parkett./la/jsl/he

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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ROUNDUP: VW-Krise ohne Schließungen? Blume: 'Intelligentere Lösungen'

WOLFSBURG (dpa-AFX) - Nach den Medienberichten über die Streichung von mehr als 100.000 Stellen geht in der Belegschaft von Volkswagen <DE0007664039> die Angst vor der Schließung von ganzen Standorten um. Nun meldete sich Konzernchef Oliver Blume im Ringen um die Zukunft von Deutschlands größtem Automobilhersteller zu Wort: Er sieht Alternativen zu Fabrikschließungen. "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen", sagte Blume der "Bild am Sonntag".

Ein Sparprogramm an den deutschen Produktionsstandorten zeige bereits Wirkung: "Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt", sagte er.

Die Äußerungen kommen wenige Tage nach der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, bei der Blume einem Medienbericht zufolge mit einem weitergehenden Sparpaket gescheitert sein soll.

Vorstand will weiter umbauen

Was konkret im abgelehnten Sparpaket steht, ist bisher nur aus Medienberichten bekannt. Laut "Manager Magazin" könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut "Bild" könnten es sogar 120.000 sein. Vier Werke des VW <DE0007664039>-Konzerns in Deutschland sind zudem von Schließung bedroht: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.

VW äußerte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat. Blume betonte aber, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran. "Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf."

Zukunft Elektroflotte, aber schlechte Weltlage

Hoffnung mache die neue Elektroflotte, sagte Blume der "Bild am Sonntag": "Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50.000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft. Wir sind klarer Marktführer in Europa - bei Verbrennern und vollelektrischen Fahrzeugen." Sorgen bereitet dem VW-Chef die Weltlage: "Unser Umfeld war noch nie so anspruchsvoll und risikobehaftet wie heute. Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, Regulatorik, Marktumbrüche und intensive Konkurrenz."

Blume fordert weitere Einschnitte und eine Verkleinerung der Produktpalette des Konzerns: "Unsere Produkte sind sehr beliebt - wir verdienen nur zu wenig Geld damit. Deshalb müssen wir unsere Kosten weiter reduzieren. In allen Kostenarten." Zukünftig wolle man den Absatz pro Modell steigern. "Dafür straffen wir konsequent unser Produkt-Portfolio." Gleichzeitig nimmt er die Politik in die Pflicht: "Uns geht es dabei immer auch um den Industriestandort Deutschland. Alle müssen anpacken." Transformation sei eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe.

Vertrauensverlust bei Beschäftigten

Einen großen Vertrauensverlust in der Belegschaft hat unterdessen der Betriebsrat nach dem Verstreichen eines Ultimatums an die Konzernspitze ausgemacht. Man habe registrieren müssen, dass Blume am Freitag das Management über Details sowohl zum wahrscheinlichen Aus für deutsche Fabriken als auch zu einem massiv ausgeweiteten Stellenabbauziel informiert habe. "Wir verurteilen scharf, dass er gleichzeitig den zehntausenden betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält", hieß es am Samstag.

Der Betriebsrat hatte Blume ein Ultimatum bis Freitag gestellt, Stellung gegenüber der Belegschaft zu beziehen. In der Konsequenz werde der Konzernchef nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Stammwerk Rede und Antwort stehen müssen. "Dabei wird das Hauptaugenmerk der Belegschaft darauf liegen, ob der Vorstand diese Krise mit notwendigen Maßnahmen überhaupt gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie", hieß es weiter. Schon am Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Sparpaket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, "die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt".

Die jüngsten Äußerungen des VW-Chefs habe man zur Kenntnis genommen, hieß es von einem Sprecher des Betriebsrates am Sonntag. Für Beschäftigte, Zulieferer, Dienstleister und ganze Standortregionen, die am größten Industriekonzern Deutschlands hingen, sei inzwischen eine schwer erträgliche Situation entstanden: "Insbesondere für unsere mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr auszuhalten".

Schlechtere Verkaufszahlen - Sorge um Absatz in China

Die Absatzzahlen des Konzerns zeigen, wie schwer es der Konzern derzeit hat. Weltweit verkaufte der Konzern aus Wolfsburg im zweiten Quartal 2,08 Millionen Autos. Das waren fast 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang beschleunigt sich damit: Von Januar bis März stand noch ein Minus von 4 Prozent. Vor allem in China lief es schlecht: Dort brachen die Verkäufe um mehr als ein Drittel ein - auf nur noch 424.300 Fahrzeuge.

Zudem sorgt sich die deutsche Autoindustrie, dass die Chinesen auch bald auf dem europäischen Markt Wirbel machen. Angesichts des derzeit schwachen Marktumfelds in der Volksrepublik versuchen die dortigen Hersteller, ihre Autos verstärkt im Ausland abzusetzen - zuletzt hatten sie sich schon in Märkten wie Italien, Spanien und Großbritannien mit Plug-in-Hybriden zunehmend breitgemacht./koe/DP/he

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