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News

12.09.2026 | 15:35:13 (dpa-AFX)
ROUNDUP 2/Pipeline stillgelegt: Saudische Ölexporte massiv unter Druck

RIAD/MOKKA/TEHERAN (dpa-AFX) - Der sich ausweitende Konflikt im Nahen Osten setzt den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien massiv unter Druck. Nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen muss das Königreich nach Drohnenangriffen auch noch eine wichtige Pipeline abschalten. Eine daraus folgende zusätzliche Reduzierung saudischer Exporte könnte den Ölpreis und damit die Benzinpreise auch in Deutschland noch weiter ansteigen lassen.

Die Ost-West-Pipeline, die unter Umgehung der faktisch blockierten Straße von Hormus große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer bringen kann, wurde nach Angriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina vorsorglich stillgelegt. Das saudische Außenministerium teilte in der Nacht auf der Plattform X mit, bei dem Drohnenangriff, der aus dem Irak gestartet worden sei, seien Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt worden.

Irak verurteilt Drohnenangriff von seinem Boden aus

Die irakische Regierung verurteilte den Drohnenangriff auf Saudi-Arabien, der vom eigenen Boden ausging. Der Ministerpräsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Ali al-Saidi, erklärte auf X, eine Untersuchung solle die Umstände der Anschläge und die dahinter stehenden Akteure herausfinden. Er ordnete rechtliche Maßnahmen gegen alle Beteiligten an.

Die proiranische Gruppierung "Islamischer Widerstand im Irak" bestritt jegliche Beteiligung an dem Drohnenanschlag und erklärte sich bereit, an den Ermittlungen mitzuwirken. Zugleich warnte sie davor, die Ereignisse auszunutzen, Spannungen in der Region zu schüren oder die Gruppierung in die Auseinandersetzungen hineinzuziehen.

Nach dem Angriff auf Saudi-Arabien schloss der Irak nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna die beiden wichtigsten offiziellen Grenzübergänge zum Nachbarland Iran, al-Schalamdscha (Persisch: Schalamtscheh) und al-Schaib (Persisch: Dschaisabeh) für unbestimmte Zeit. Offiziell wurde kein Grund dafür angegeben.

Zentrale Pipeline mit sehr hoher Kapazität

Die Angriffe auf die Pipeline treffen Saudi-Arabien an einer sehr empfindlichen Stelle: Über die mehr als 1.200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Liter) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden.

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und der darauffolgenden weitestgehenden Blockade der Straße von Hormus durch iranische Drohungen und Angriffe auf Schiffe versucht Saudi-Arabien mit Hilfe der Pipeline einen noch größeren Einbruch seiner Ölexporte zu verhindern.

US-Medien wie CNN und das "Wall Street Journal" berichteten, bei den Angriffen seien wohl Pumpstationen der Pipeline getroffen worden. Sie beriefen sich dabei auf Satellitenbilder, die zeigen sollen, dass es dort zu Bränden gekommen ist. Wie groß der Schaden ist, und bis wann er behoben werden kann, blieb zunächst unklar. Die Pipeline-Infrastruktur war bereits im April angegriffen worden, woraufhin die Kapazität der Röhren kurzzeitig gedrosselt werden musste.

Saudi-Arabien war vor dem Krieg hinter den USA der zweitgrößte Ölproduzent und der weltweit wichtigste Exporteur des Rohstoffs, der für die gesamte Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.

Huthi-Rebellen greifen nach Meerenge Bab al-Mandab

Inzwischen ist auch Saudi-Arabiens wichtigste Routenalternative zur Straße von Hormus, die Verschiffung über das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab in Richtung Asien, zunehmend gefährdet. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen nahmen jemenitischen Regierungsquellen zufolge die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen und strategisch wichtige Inseln ein. Damit haben die Huthi nun deutlich mehr Zugriff auf Bab al-Mandab. Ein Huthi-Sprecher versicherte am Freitag zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet - das gelte jedoch nicht für saudische Schiffe.

Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Beide sind Teil einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, die vom Mittelmeer über den Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt und somit den kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Europa und Asien darstellt. Die Huthi-Miliz hat dort auch in der Vergangenheit schon immer wieder Schiffe angegriffen.

Ölpreis legt deutlich zu

Der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben, sagte der Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics dem "Wall Street Journal". Letztlich hänge das auch vom Ausmaß der Schäden an der Pipeline ab. Manche Analysten halten bei einem längeren Andauern des Konflikts auch einen noch höheren Ölpreis für möglich. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde.

Der Rohöl-Preis legte zuletzt wieder deutlich zu. Der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November erreichte am Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar. Vor dem Iran-Krieg lag der Ölpreis im Februar bei um die 70 Dollar pro Barrel. Damals lief noch etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Straße von Hormus.

Zange schließt sich um Saudi-Arabien

Im Osten Saudi-Arabiens ist die Passage aus dem Persischen Golf über die Straße von Hormus weitestgehend blockiert, im Westen schließt sich Bab al-Mandab - damit werden die möglichen Exportrouten massiv eingeschränkt. Offen bleibt weiterhin die Passage durch das Nadelöhr des Suez-Kanals. Der Transport zu den Kunden in Asien dauert von der saudischen Westküste über den Kanal und das Mittelmeer sowie um Afrika herum jedoch mehrere Wochen länger und ist entsprechend teurer. Und auch diese Exportroute setzt zum Teil eine funktionierende Ost-West-Pipeline voraus, denn die größten saudischen Ölfelder liegen im Osten näher am Persischen Golf.

Die Meerenge Bab al-Mandab ist noch enger als die Straße von Hormus, an der schmalsten Stelle ist sie nur etwa 20 Kilometer breit. Deswegen dürfte es kaum möglich sein, dort einen vor Angriffen relativ sicheren Korridor zu etablieren - anders als in der Straße von Hormus entlang der omanischen Küste, wie das Institut für Kriegsstudien (ISW) in einer Analyse schreibt.

Die Fähigkeit der Huthi, "die Schifffahrt im Bab al-Mandab zu bedrohen, bietet dem Iran eine Alternative zur Störung des globalen Energiemarktes", schreibt das Institut. Dank ihrer neuen Positionen entlang der Küste und auf einer Insel direkt in der Meerenge könnten die Huthi die Schifffahrt auch mit Drohnen bedrohen, die vergleichsweise geringe Reichweiten haben, aber Sprengstoff transportieren können, so das ISW. Dafür kämen zum Beispiel Hexacopter infrage, also kleine Drohnen mit sechs Propellern.

Huthi gehören zu Teherans "Achse des Widerstands"

Im Jemen ist ein seit Jahren andauernder Konflikt erneut aufgeflammt. Die Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete. Sie gehören zur iranischen "Achse des Widerstands", einem regionalen Netzwerk aus vom Iran unterstützten Milizen. Teheran unterstützt die Huthi ähnlich wie die Hisbollah im Libanon mit Waffen, Technologie, Fachwissen und Geld. Auf der anderen Seite stehen die jemenitische Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, sowie regierungstreue Kräfte./jbz/DP/zb

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ROUNDUP 2: Arbeitnehmer drängen VW-Vorstand zu Gesprächen

HANNOVER (dpa-AFX) - Nach der Einigung im VW-Aufsichtsrat <DE0007664039> auf einen schärferen Sparkurs drängt die Arbeitnehmerseite auf Gespräche mit dem Management. Dazu beschloss die Tarifkommission der IG Metall einstimmig, eine Klausel aus dem Zukunftstarifvertrag von Ende 2024 in Anspruch zu nehmen. Das teilte die Gewerkschaft in Hannover mit. Volkswagen <DE0007664039> begrüßte den Schritt wenig später und erklärte, für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

In dem Gespräch will die Gewerkschaft die Einhaltung der Zukunftszusagen überprüfen. Im Zentrum stehen sollen demnach Investitionen in neue Modelle, Zukunftsprodukte und moderne Produktionsverfahren. "Vertragstreue ist keine Einbahnstraße", sagte der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger. "Wir akzeptieren keine Politik des Aufschiebens, Relativierens oder Verwischens verbindlicher Zusagen. Wer von den Beschäftigten Verzicht verlangt, muss selbst verlässlich liefern."

VW dürfe seine Seite des Pakets nicht nachträglich zur Disposition stellen. "Es geht hier nicht um neue Forderungen der IG Metall, sondern schlicht um die Einhaltung eines bestehenden Tarifvertrages", sagte Gröger. Dafür sei das Überprüfungsgespräch vorgesehen. Die Erwartung sei, dass die Gespräche noch in diesem Quartal stattfinden

- also bis Monatsende.

Das Verfahren ändert der Gewerkschaft zufolge nichts an den Bestimmungen des Tarifvertrages und löst keine Kündigung desselben aus. Auch die vereinbarte Beschäftigungssicherung werde dadurch nicht angetastet. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2030.

Tarifabschluss mit weitreichenden Zugeständnissen

Der Tarifabschluss war 2024 hart erkämpft worden. Erst nach Warnstreiks und einem einwöchigen Verhandlungsmarathon kurz vor Weihnachten gab es eine Einigung. Der Kompromiss sieht den Abbau von 35.000 Jobs in Deutschland bis 2030 vor. Außerdem wurden diverse Bonuszahlungen und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen auf Eis gelegt. Im Gegenzug verzichtet der Autokonzern auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen - und sagte Investitionen und neue Produkte für die deutschen Standorte zu.

Die Arbeitnehmer haben nun aber erhebliche Zweifel daran, ob Volkswagen an den vereinbarten Investitions- und Produktzusagen uneingeschränkt festhalten will. "Die Zugeständnisse der Belegschaft aus der Auseinandersetzung 2024 gab es nicht zum Nulltarif, sie wurden im Vertrauen auf die Zusagen gemacht", sagte VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Deshalb erwarte sie, dass diese Vereinbarungen Bestand haben.

VW: Maßnahmen reichen nicht aus

Volkswagen kündigte an, sich dem Revisionsverfahren anzuschließen. Dieses Recht zum Gespräch stehe der IG Metall ebenso zu wie dem Unternehmen, sagte der Personalvorstand der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, in einem internen Interview. Der Zukunftstarifvertrag sehe ein solches Verfahren bei wesentlichen Änderungen der Grundannahmen oder der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor. "Und genau das ist ja seit Ende 2024 passiert".

Volkswagen verwies darauf, dass sich das Wirtschaftsumfeld für die Branche in den vergangenen eineinhalb Jahren grundlegend verändert hat: Geopolitische Spannungen belasteten Lieferketten und Märkte, Handelsbarrieren drückten auf Absatz und Ergebnisse. Außerdem erhöhten neue chinesische Marken und Hersteller den Preisdruck in Europa und anderen Regionen. Hinzu komme, dass sich Technologien schneller und regional unterschiedlich entwickelten, was unter anderem mehr Flexibilität und hohe Investitionen erfordere.

Das Gespräch sei notwendig, um sich den zusätzlichen Herausforderungen der Branche zu stellen. "Vorstand und Aufsichtsrat sind übereinstimmend der Überzeugung, dass die Ende 2024 vereinbarten Maßnahmen nicht ausreichen, um die gemeinsam vereinbarte operative Umsatzrendite von neun Prozent zu erwirtschaften", hieß es in einer Mitteilung.

Den Vorwurf, Volkswagen verletze bestehende Verträge mit den Tarifparteien, wies Meiswinkel aber zurück. "Das ist schlichtweg falsch", sagte der Manager. Im Zukunftstarifvertrag sei festgeschrieben worden, dass man ins Gespräch kommen könne, wenn sich die Lage grundlegend verändert habe. "Ich denke, jeder spürt angesichts der Nachrichten aus der gesamten Automobilindustrie, dass das jetzt nötig ist".

Konzern steht vor historischem Umbau

Der Aufsichtsrat des Autobauers hatte sich vergangene Woche einstimmig auf einen "Zukunftsplan" des Vorstands geeinigt. Das finanzielle Kernziel: Von 100 Euro Umsatz sollen bis 2030 neun Euro operativer Gewinn übrig bleiben. Zum Halbjahr waren es 3,80 Euro.

Das Management um VW-Chef Oliver Blume will daher unter anderem im gesamten Konzern rund 50.000 Stellen weltweit streichen - zusätzlich zu den bisherigen Plänen. "An die Marken und Gesellschaften ergeht der Auftrag, diese im Detail auszuplanen", hieß es von VW. Die Hälfte davon könnte auf deutsche Standorte entfallen. Konkrete Abbauprogramme müssen noch mit Arbeitnehmervertretern ausgehandelt werden.

Zukunft von vier Werken ungewiss

Außerdem sieht der Vorstand derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung für die VW-Werke in Emden, Zwickau, Hannover sowie den Audi-Standort in Neckarsulm. Das hat der Aufsichtsrat zur Kenntnis genommen. Schließungen wurden aber nicht beschlossen. Bis Mitte 2027 soll nun vielmehr ein Konzept für eine wettbewerbsfähige europäische Produktionsstruktur vorliegen. Für die vier bedrohten Standorte werden "parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft", hieß es./jwe/DP/zb

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