(neu: Kurs aktualisiert)
SEATTLE (dpa-AFX) - Amazon <US0231351067> wird in diesem Jahr wegen stark gestiegener Speicherchip-Preise noch 20 Milliarden Dollar mehr in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur stecken. Konzernchef Andy Jassy schraubte am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss die Prognose für Kapitalausgaben von 200 auf 220 Milliarden Dollar (derzeit rund 191 Mrd Euro) hoch. Selbst damit werde man immer noch nicht genug Kapazitäten haben, um die Nachfrage der Kunden nach Rechenleistung zu erfüllen, sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Das werde sich wohl auch 2027 nicht ändern.
Der Handels- und Technologiekonzern profitiert vom aktuellen KI-Boom vor allem über die Cloud-Sparte AWS, die der weltgrößte Anbieter von Rechenleistung aus dem Netz ist. Im vergangenen Quartal stieg der AWS-Umsatz im Jahresvergleich um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit Erlösen von rund 40,5 Milliarden Dollar gerechnet.
Jassy sprach davon, dass sich selbst für 2028 bereits eine "bemerkenswerte" Nachfrage abzeichne. Amazon glaube inzwischen, dass AWS beim jährlichen Umsatz mit der Zeit auch die Billionen-Marke überschreiten könne. An der Börse kamen die Zahlen und solcher Optimismus gut an: Die Aktie stieg im frühen US-Handel am Freitag um 15 Prozent. Damit baute Amazon seine Marktkapitalisierung von gut 2,5 Billionen Dollar zum Handelsschluss am Donnerstag um etwa 400 Milliarden Dollar aus.
Beim Facebook-Konzern Meta <US30303M1027> hatten die Anleger dagegen KI-Visionen von Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Donnerstag mit einem deutlichen Kursminus von 8 Prozent quittiert.
Amazon habe starke Quartalszahlen vorgelegt, schrieb Analyst Brent Thill von der US-Investmentbank Jefferies. Der Auftragsbestand in der Cloud-Sparte AWS habe sich um 132 Milliarden US-Dollar erhöht. Dies sorge für eine hohe Absehbarkeit bis 2028 und darüber hinaus, so der Experte. Dass die Investitionsausgaben noch größer ausfallen dürften, sei angesichts der Nachfrageentwicklung gerechtfertigt.
Insgesamt stieg der Amazon-Quartalsumsatz im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar. Unter dem Strich sprang der Gewinn von 18,1 Milliarden Dollar im Vorjahr auf knapp 62,65 Milliarden Dollar hoch. Allerdings schließt das auch zusätzliche Buchgewinne etwa durch die Neubewertung der Beteiligung an der KI-Firma Anthropic ein. Sie lagen vor Steuern bei 53,4 Milliarden Dollar.
Jassy verwies auch darauf, dass die Infrastruktur-Ausgaben derzeit besonders hoch seien, weil Amazon Rechenzentren von Grund auf neu baue. Wenn sie erst einmal fertig seien, würden die Gebäude mehr als 30 Jahre halten, während man nur alle 5 bis 6 Jahre die Computertechnik in ihnen erneuern werde./so/DP/zb/men/nas/mis/he