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News

20.10.2026 | 21:33:05 (dpa-AFX)
ROUNDUP 3: Neue Hoffnung für Kiew? US-Unterhändler reist nach Russland

(Nach dem Treffen wurden Überschrift sowie die Absätze 1-3, 5 und 10-12 aktualisiert)

OSLO/WASHINGTON/KIEW (dpa-AFX) - In die diplomatischen Bemühungen um Frieden in der Ukraine kommt offenbar Bewegung: Nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Oslo reist US-Unterhändler Steve Witkoff weiter nach Russland. "Steve Witkoff wird morgen nach Sankt Petersburg fliegen, um dort Gespräche mit der russischen Führung zu führen", sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre, der mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb Gastgeber der Gespräche in Norwegen war, am Dienstagabend. Dabei sollen laut Støre "die Vorschläge, die europäische und amerikanische Kollegen erarbeitet haben", vorgelegt werden.

Die norwegische Hauptstadt ist ein neuer Schauplatz in den bislang erfolglosen Friedensbemühungen für das von Russland seit viereinhalb Jahren mit einem verheerenden Angriffskrieg überzogene Land. Auch das Format ist neu. An dem Treffen nahmen Selenskyj, Witkoff, Støre und Stubb vor Ort teil. Außerdem waren neben US-Unterhändler Jared Kushner nach Angaben norwegischer Medien auch Vertreter mehrerer europäischer Länder, darunter Deutschland sowie der EU und der Nato per Video zugeschaltet. Europa müsse mit den Konsequenzen des Kriegs in der Ukraine leben, sagte Støre. Deshalb sei es angebracht, dass die europäischen Staaten eine zentralere Rolle in den Verhandlungen spielten als bisher.

Bei den Gesprächen hätten die Parteien etwa Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen sowie die europäische Sicherheit nach dem Krieg diskutiert, sagte der norwegische Ministerpräsident. Ziel war laut der norwegischen Regierung, "die diplomatischen Bemühungen wieder in konstruktivere Bahnen zu lenken". "Wir sind bereit für Verhandlungen", betonte Selenskyj nach dem Treffen. "Wir verlieren den Krieg nicht, aber wir verlieren Menschenleben. Und weil Russland angreift, verlieren wir Menschenleben und Zeit."

Das Treffen gehört zu der von US-Präsident Donald Trump dieser Tage vorangetriebenen Diplomatie. Diese setzt indes stark auf eine Verständigung mit Moskau, während der Druck auf die Ukraine wächst. Trump griff in Washington erneut Selenskyj an und beklagte, dieser sei bei den Friedensbemühungen "keine echte Hilfe". Witkoff und Kushner waren in den Bemühungen der USA um ein Ende des Ukraine-Kriegs schon mehrfach nach Russland gereist. Anfang September waren die beiden Unterhändler dafür auch erstmals in Kiew.

Trump für Dreiertreffen mit Putin und Xi

Trump zeigte sich auch offen für ein mögliches Dreiertreffen mit Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping. "Wir würden das machen, um über Atomwaffen und nukleare Abrüstung zu sprechen", sagte Trump am Montag (Ortszeit) in Washington. Ein Treffen der drei größten Atommächte zur nuklearen Abrüstung sei "eine sehr gute Sache für die Welt", die er jederzeit angehen würde. Er würde bei einer solchen Gelegenheit auch weitere Themen "wie die Ukraine" ansprechen, sagte Trump weiter. Selenskyj betonte dagegen in Oslo, bei Verhandlungen über die Ukraine müsse sein Land mit am Tisch sitzen.

US-Medienberichten zufolge könnte ein Treffen mit Putin und Xi im November beim Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im chinesischen Shenzhen stattfinden. Der Kreml erklärte sich einverstanden, weil Putin seit längerem auf Gespräche zur nuklearen Abrüstung dringt.

Moskau für Atomgespräche

Nach dem Ausstieg der beiden größten Atommächte Russland und USA aus Abrüstungsabkommen "steht die Welt ohne diese vertragliche Rechtsgrundlage da", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Das ist äußerst gefährlich, und wir müssen rechtzeitig mit den Verhandlungen beginnen." Es handle sich um einen langwierigen Verhandlungsprozess. In Sachen Ukraine verwies Peskow dagegen auf den Gesprächsfaden mit Witkoff.

China bestätigte die Pläne für ein Dreiertreffen nicht. Angesprochen auf Trumps Äußerungen sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking, sie habe derzeit keine Informationen dazu.

Verschärfter Tonfall zwischen Washington und Kiew

Trumps Vorstellung zu Amtsantritt, er könne den Ukraine-Krieg rasch beenden, hat sich nicht bewahrheitet. Unter ihm sehen sich die USA nicht mehr als Verbündeter Kiews, sondern eher als Vermittler. Der US-Präsident spricht auch immer wieder vom angeblichen Friedenswillen Putins, während er den Widerstand der Ukraine gegen einen übermächtigen Gegner abwertet.

In den vergangenen Tagen hatte Trump Vereinbarungen mit Moskau getroffen, unter anderem Dieselkäufe in Russland vereinbart. Zugleich stocken wichtige militärische Hilfsleistungen für die Ukraine. Kiew hatte zuletzt mehrfach fehlende Warnungen vor dem Start ballistischer Raketen und Probleme beim Satelliteninternet-Dienst Starlink beklagt. Die Frühwarnsysteme funktionierten nun wieder, sagte Selenskyj. "Dafür sind wir der amerikanischen Seite dankbar." Auch in Bezug auf Starlink sei er nach dem Treffen in Oslo optimistisch.

Zuvor hatte Selenskyj Trump offen kritisiert. Der US-Präsident stehe mit seinem kremlfreundlichen Kurs auf der falschen Seite der Geschichte. Trump entgegnete: "Selenskyj weiß nicht, wovon er spricht." Er warf der Ukraine fehlende Gegenleistungen für die Unterstützung der USA vor. "Wir haben der Ukraine viel gegeben - sie hat uns nichts gegeben. Vergessen Sie das nicht", sagte er in Washington.

Der scharfe öffentliche Ton stehe im Kontrast zu den Gesprächen "auf technischer Ebene", sagte der finnische Präsident Alexander Stubb in Oslo: "Ich habe das Gefühl, wir ziehen an einem Strang." Hinter verschlossenen Türen seien in der vergangenen Woche Fortschritte erzielt worden. "Heute war ein Erfolg und morgen ist ein neuer Tag."

Witkoffs Termin in Russland könne nun "möglicherweise den Weg für ein Treffen auf höchster politischer Ebene ebnen" - zwischen der Ukraine, Russland und den USA, sagte Norwegens Regierungschef Støre.

Mindestens neun Tote in der Ukraine

Russische Luftangriffe auf die Ukraine gingen unterdessen mit großer Härte weiter, dabei kamen am Dienstag mindestens neun Zivilisten ums Leben. Drei Leichen wurden gefunden, als Rettungskräfte den Brand in einer Produktions- und Lagerhalle im Kreis Obuchiw südlich der ukrainischen Hauptstadt löschten. Das teilte der Militärgouverneur des Kiewer Gebiets, Tymur Tkatschenko, auf Telegram mit. Sechs Menschen seien verletzt worden.

Weniger später traf eine russische Drohne eine Autobahn am Stadtrand von Kiew. Dabei gab es drei Tote. Drohnentreffer wurden auch aus den Gebieten Charkiw, Sumy, Odessa, Dnipro bis nach Chmelnyzkyj, Ternopil und Lwiw weit im Westen der Ukraine gemeldet. Weitere drei Menschen wurden durch russischen Beschuss auf die frontnahe Stadt Kramatorsk in der Ostukraine getötet.

Russisches Treibstofflager angegriffen

Nach ukrainischen Gegenangriffen kam es zu einem Brand an einer Industrieanlage in Mitschurinsk im Gebiet Tambow, wie Gouverneur Jewgeni Perwuschow mitteilte. Nach inoffiziellen Berichten wurde in dem Ort 300 Kilometer südöstlich von Moskau die Pumpstation einer Pipeline getroffen. Russland überzieht die Ukraine seit Februar 2022 mit einem Angriffskrieg. Kiews Gegenangriffe richten sich vor allem gegen Industrie- und Militärziele im russischen Hinterland./wbj/DP/he

20.10.2026 | 21:26:59 (dpa-AFX)
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