BDI drängt Regierung zur Umsetzung von Reformen / Gönner: "Bedingung
für stabiles Wachstum" - "Beunruhigende Zahl von Betriebsschließungen"
Osnabrück (ots) - Die Industrie hat Union und SPD zum Festhalten an den Reformen
bei Rente, Gesundheit und Pflege aufgerufen. "Die Reformen sind Bedingung dafür,
dass Deutschland wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad kommt. Deswegen
würde es ein bitteres Ende nehmen, wenn die Reformen gestoppt oder verwässert
werden sollten", sagte Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin vom Bundesverband
der Deutschen Industrie (BDI), im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"
(noz).
Mit Blick auf den wachsenden Unmut in der Bevölkerung sagte Gönner: "Der
Einzelne nimmt die eigene Belastung wahr und sieht nicht, dass durch die
Änderungen erhebliche künftige Belastungen für alle verhindert werden. Bei
Gesundheit und Pflege musste wirklich schnell gehandelt werden, um
Beitragssprünge abzuwenden." Halte die Regierung nicht den Kurs, dann drohe ein
Teufelskreis: "Steigende Kosten für Rente, Pflege und Gesundheit schwächen die
Wettbewerbsfähigkeit. Gibt es mehr Arbeitslose, wird der Sozialstaat noch
teurer. Darum ist Wachstumspolitik nicht nur für Unternehmer wichtig, sondern
für alle."
Die deutlich nach oben korrigierten Wachstumsprognosen sind für den BDI noch
kein Grund zum Aufatmen. "Wir sehen nicht, dass die Talsohle erreicht wäre. Es
gibt sogar eine andere Entwicklung: Eine Vielzahl von mittelständischen
Unternehmen schließt einfach den Betrieb zu", sagte Gönner zu noz. "Da wird
keine Insolvenz angemeldet. Da geht es direkt in die Liquidation. Das kannten
wir bislang nicht. Und das ist wirklich beunruhigend, denn da geht industrielle
Substanz verloren, für immer."
+++tob
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