FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem starken Jahresstart am deutschen Aktienmarkt warten Anleger zum Wochenausklang weiter auf Impulse. Am Dienstag hatte der Dax <DE0008469008> mit 25.507 Punkten einen Höchststand erreicht und damit an den Schlussspurt 2025 angeknüpft. Seither fehlt aber die Kraft, die Zeichen stehen auf Konsolidierung.
Der deutsche Leitindex fiel gegen Freitagmittag um 0,1 Prozent auf 25.323,10 Punkte. Für den MDax <DE0008467416>, der Index der mittelgroßen Börsenwerte, ging es um 0,2 Prozent auf 31.879,86 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> sank um 0,3 Prozent auf 6.024,58 Punkte.
Wenngleich Investoren erst einmal Luft holen, bedeutet dies keinen Stimmungsumschwung. So trieb zuletzt vor allem die Aussicht auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft den heimischen Aktienmarkt an. Hinzu kommen der weiter ungebremste Ausbau von KI-Kapazitäten weltweit sowie die Rüstungsinvestitionen rund um den Globus. Zugleich nehmen noch Trends wie Robotik und perspektivisch auch die Weltraumwirtschaft Fahrt auf.
"Jetzt will jeder mitmischen - und es spricht sich erst langsam herum, dass das Gewinnwachstum 2026 im Dax mit 15 Prozent sogar über dem des S&P-500<US78378X1072>-Index liegen dürfte", erklärte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorsbank, in seinem Morgenkommentar. "Das Blatt hat sich gewendet: Internationale Investoren setzen - wie schon im Frühjahr 2025 - darauf, dass die deutsche Volkswirtschaft erwacht."
Für eine gewisse Vorsicht sorgt gleichzeitig weiterhin die unklare Lage im Iran. Die USA drohten dem Regime wegen der brutalen Niederschlagung der Massenproteste erneut mit einem militärischen Eingreifen. Eine Auseinandersetzung könnte die Ölpreise hochtreiben.
Auf der Unternehmensseite steht zum Wochenschluss der Stahlhändler Klöckner & Co <DE000KC01000> im Fokus. Der US-Konzern Worthington Steel <US9821041012> bietet 11 Euro je Aktie für die Düsseldorfer, deren Großaktionär Friedhelm Loh das Angebot unterstützt. Der KlöCo-Aktienkurs schnellte um gut ein Viertel auf 10,94 Euro nach oben. Bereits seit dem Bekanntwerden von Übernahmeverhandlungen Anfang Dezember 2025 war es steil nach oben gegangen.
Die Papiere von LEG <DE000LEG1110> Immobilien büßten nach einer Abstufung auf "Neutral" durch Oddo BHF gut ein Prozent ein. Auch die Aktien der Norma Group <DE000A1H8BV3> litten unter einem skeptischen Analystenkommentar und gaben mit einem Minus von fünfeinhalb Prozent einen Großteil ihre Jahresgewinne wieder ab. Die Anlagestory des Verbindungstechnik-Herstellers stehe auf dem Prüfstand, schrieb Pal Skirta vom Bankhaus Metzler in einer Studie. Er strich seine Kaufempfehlung und stuft die Papiere nun mit "Hold" ein.
Aus Branchensicht schwächelten insbesondere Chemiewerte, nachdem die Analysten von Barclays und JPMorgan wenig Hoffnung auf eine starke Belebung der schon lange schwächelnden Branche gemacht hatten. Im Dax verloren Brenntag <DE000A1DAHH0> und BASF <DE000BASF111> jeweils mehr als zwei Prozent, im MDax gerieten Evonik <DE000EVNK013>, Wacker Chemie <DE000WCH8881> und vor allem Lanxess <DE0005470405> unter Druck.
Gefragt waren auf der anderen Seite Aktien von Unternehmen, die von der Energiewende und dem KI-Ausbau profitieren. Die Aktien des Energietechnikkonzerns Siemens Energy <DE000ENER6Y0> gewannen vorne im Dax dreieinhalb Prozent, für das Versorgerpapier RWE <DE0007037129> ging es um rund ein halbes Prozent nach oben. Ihnen kam auch der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute./mis/stk