SINSHEIM (dpa-AFX) - Das Thema deutsche Meisterschaft war für die Profis von Borussia Dortmund <DE0005493092> überhaupt keines mehr. Kein Spieler und auch nicht Niko Kovac thematisierte nach der bitteren 1:2 (0:1)-Schlappe bei der TSG Hoffenheim groß die anstehende Titelkrönung, die der FC Bayern nach der BVB-Schlappe bereits am Sonntag vier Spieltage vor Bundesliga-Schluss vollenden kann.
"Mit dem zweiten Elfmeter verlierst du. Schade für uns, aber ich denke nicht unverdient", sagte Kovac nach der zweiten Niederlage in Serie. Die Borussia schleppt sich dem zweiten Platz entgegen, auch in den Pokal-Wettbewerben gibt es für das Team um Kapitän Nico Schlotterbeck nichts mehr zu holen.
Zuvor hatte der BVB in den ersten 28 Liga-Partien nur zweimal gegen den Primus aus München verloren. Diesmal sorgte Andrej Kramaric mit zwei verwandelten Handelfmetern nach Videobeweis für die Entscheidung zugunsten der Gastgeber.
Schicker: Kramaric "absolute Legende"
"Er ist nicht nur vom Punkt sehr, sehr wichtig. Es würde mich sehr freuen, wenn wir zusammenbleiben", sagte Hoffenheims Sportchef Andreas Schicker über den kroatischen Doppeltorschützen bei Sky. "Ich weiß, dass er ein guter Spieler ist, sonst hätten wir ihm auch kein Angebot gemacht. Die Richtung stimmt. Er ist eine absolute Legende", fügte Schicker an.
Die Bayern können am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart schon mit einem Unentschieden die 35. Meisterschaft der Vereinsgeschichte perfekt machen. Für die TSG-Treffer hatte Kramaric (42./90.+8) vor 30.150 Zuschauern gesorgt. Der eingewechselte Stürmer Serhou Guirassy (87.) erzielte zwischenzeitlich für den BVB das 1:1. "Ich will in die Champions League", sagte Kramaric nach seinen beiden Treffern.
Süle verursacht Elfmeter und muss raus
Den zuvor in vier Spielen sieglosen Hoffenheimern wäre fast ein Traumstart gelungen. Nach gerade mal 16 Sekunden schoss Fisnik Asllani aus spitzem Winkel wuchtig aufs Tor, Niklas Süle klärte grätschend zur Ecke. Der 30 Jahre alte Abwehrmann stand nach über zwei Monaten mal wieder in der BVB-Startelf - und wurde trotz solider Leistung zur tragischen Figur.
Bei einem Hoffenheimer Angriff kurz vor der Pause blieb Süle im Rasen hängen, stürzte und verletzte sich dabei offenbar am Knie. Pech für ihn und seinen BVB war auch, dass der fallende Verteidiger den Ball nach einem Kramaric-Schuss im Strafraum noch an den Arm bekam.
Kramaric beendet Torflaute
Schiedsrichter Daniel Siebert entschied nach Videobeweis auf Handelfmeter, den Kramaric rechts halbhoch verwandelte. Es war das elfte Saisontor des kroatischen Offensivstars, der in den vorherigen sechs Partien nicht getroffen hatte.
Die Pausenführung ging in Ordnung, weil die hoch pressenden Gastgeber mehr Spielanteile und Chancen hatten als die auf Konter lauernden Dortmunder. Tim Lemperle traf in der Anfangsphase die Latte, eine Kramaric-Direktabnahme parierte BVB-Torwart Gregor Kobel.
Von den mit viel Fan-Unterstützung angereisten Gästen kam wenig. Maximilian Beiers Versuch per Kopf war die einzige halbwegs brauchbare Möglichkeit in Hälfte eins, in der die Dortmunder lediglich zwei Torschüsse abgaben, die Hoffenheimer deren zehn.
Guirassy kommt nach einer Stunde
BVB-Coach Niko Kovac verzichtete zunächst dennoch auf personelle Veränderungen. Einzig Rami Bensebaini kam nach Süles Aus in die Partie, er rückte in der defensiven Dreierkette auf links. Waldemar Anton übernahm den Süle-Part auf rechts, Kapitän Nico Schlotterbeck rotierte ins Zentrum.
Aus der Pause kamen die Dortmunder etwas schwungvoller, blieben offensiv aber harmlos. Kovac reagierte nun doch, nach einer Stunde Spielzeit durfte in Guirassy der torgefährlichste BVB-Stürmer für Fábio Silva ran.
Schlusspunkt durch Kramaric
Je näher es Richtung Ende ging, desto stärker drückte der BVB auf den Ausgleich, allerdings fehlten den Schwarz-Gelben gegen defensiv disziplinierte Hoffenheimer die Ideen. Den einen besonderen Moment hatte dann Guirassy, der aus 17 Metern flach ins linke untere Eck zu seinem 14. Saisontor vollendete. Nationaltorwart Oliver Baumann war machtlos.
Den Schlusspunkt setzte Kramaric, nachdem Julian Ryerson den Ball mit der Hand minimal berührt und Siebert erneut nach Videobeweis auf Elfmeter entschieden hatte.
Während Dortmund der Vizemeisterschaft entgegen trudelt, sind die Kraichgauer, die nun bei 54 Punkten stehen, wieder voll dabei im Rennen um einen Champions-League-Platz./dj/DP/zb