MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Chemiekonzern Wacker <DE000WCH8881> hat im ersten Quartal infolge des Iran-Kriegs im Tagesgeschäft voraussichtlich mehr verdient als gedacht. Kunden hätten Bestellungen wegen des Kriegs vorgezogen, teilte Wacker Chemie <DE000WCH8881> am Freitagabend in München mit. Daher dürfte der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nach vorläufigen Zahlen mit 173 Millionen Euro deutlich höher liegen als vom Unternehmen und von Branchenexperten prognostiziert. Der Umsatz lag zum Jahresauftakt bei gut 1,4 Milliarden Euro nach knapp 1,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. An der Börse kamen die Nachrichten gut an.
Für die im Mittelwerteindex MDax <DE0008467416> gelistete Aktie ging es am Montagmorgen in einem schwachen Gesamtmarkt zuletzt um zwei Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn hat sie etwas mehr als ein Drittel an Wert gewonnen, in den vergangenen zwölf Monaten sogar 48 Prozent.
Analyst Marcus Dunford-Castro von Jefferies hob hervor, dass das operative Quartalsergebnis deutlich über der Mitte der vom Konzern angegebenen Prognosespanne und auch deutlich über der Konsensschätzung liege. Ein Händler verwies darauf, dass höhere Rohstoff- und Energiepreise an die Kunden hätten weitergegeben werden können.
Für das Gesamtjahr hob Wacker Chemie nun die Umsatzprognose etwas an. So sollen die Erlöse den Vorjahreswert von knapp 5,5 Milliarden Euro jetzt um einen hohen einstelligen Prozentsatz übertreffen. Bisher hatte der Vorstand nur eine Steigerung um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz in Aussicht gestellt. Der operative Gewinn soll aber wie geplant 550 bis 700 Millionen Euro erreichen. Im Vorjahr wurden hier 427 Millionen Euro verbucht.
Wacker Chemie hat 2025 unter dem Strich wegen Abschreibungen sowie Aufwendungen im Zusammenhang mit einem Sparprogramm einen Verlust von 805 Millionen Euro eingefahren. Deshalb sollen die Aktionäre für 2025 keine Dividende erhalten. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch 2,50 Euro je Aktie an die Aktionäre ausgeschüttet.
Im Herbst 2025 hat das Management ein Programm zur Kostensenkung aufgelegt, mit dem am Ende jährlich mehr als 300 Millionen Euro eingespart werden sollen. Dazu zählt auch ein Abbau von mehr als 1.500 Stellen vor allem in Deutschland. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende 2025 knapp 16.500 Menschen, davon etwa 10.750 in Deutschland. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Im Zuge der Einsparungen will sich Unternehmenschef Christian Hartel auch in den Chemiebereichen stärker auf die margenträchtigeren Spezialitäten fokussieren, im Polysilizum-Geschäft auf den Halbleitermarkt und in der Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen.
Der Konzern bekommt unter anderem schon länger die Folgen einer trägen Bauwirtschaft zu spüren. Darunter leidet die Polymer-Sparte des Unternehmens, die Basis- und Zusatzmaterialien für Klebstoffe, Bodenbeläge, Farben und Beton herstellt. Und auch die Silikon-Sparte leidet, die vielfältige Hochleistungskunststoffe etwa für die Autoindustrie, Elektro- und Medizintechnik, aber auch die Bauwirtschaft und die Textilindustrie produziert./err/stk