BERLIN (dpa-AFX) - Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie hat den August mit einem deutlichen Auftragsplus abgeschlossen. "Mit einem Plus von 17 Prozent stieg der Auftragseingang im August stärker als im Durchschnitt der ersten sieben Monate des Jahres", sagte der Chefvolkswirt des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), Andreas Gontermann, der "Augsburger Allgemeinen". Im ersten Halbjahr des Jahres hatte die Branche noch 9,5 Prozent mehr Bestellungen als im Vorjahr verzeichnet.
Gontermann begründet den Wachstumsschub auch mit der zunehmenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI). "Bei einem Rechenzentrum kommen bis auf die Gebäudehülle beinahe alle Bestandteile aus unserer Branche."
Exportplus und mehr Neuaufträge
Auch der Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe sieht positive Aussichten für die Branche mit rund 865.000 Beschäftigten in Deutschland. "Die Unternehmen verbuchten deutlich mehr Neuaufträge und sind erstmals seit längerer Zeit wieder zufrieden mit ihrem Auftragsbestand", sagte Wohlrabe. "Dahinter stehen die großen Trends Digitalisierung und Automatisierung, dazu der Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur sowie Rüstungsaufträge." Anders als in anderen Branchen stiegen in der Elektro- und Digitalindustrie auch die Exporterwartungen.
Von Januar bis Juli stiegen die Ausfuhren in der Elektroindustrie nach Angaben des Branchenverbands um 9,7 Prozent auf 162,9 Milliarden Euro. Laut Wohlrabe werden sich die positiven Trends allerdings erst später auf dem Arbeitsmarkt zeigen. "Die gute Auftragslage dürfte zunächst den Stellenabbau stoppen und Kurzarbeit zurückführen; Neueinstellungen kommen erst, wenn der Aufschwung trägt."
Die Tarifverhandlungen für die größte deutsche Industriebranche - die Metall- und Elektroindustrie - beginnen heute mit regionalen Runden in den Bezirken Nordrhein-Westfalen und Südwesten./vrb/DP/zb