FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach kräftigen Verlusten in den vergangenen zwei Handelstagen hat sich der Dax <DE0008469008> am Donnerstag stabilisiert. Am Ende stand für den deutschen Leitindex ein Aufschlag von 0,89 Prozent auf 25.118,27 Punkte zu Buche. Am Montag noch hatte er mit 25.900 Punkten einen weiteren Rekord erreicht, bis zur Wochenmitte aber bereits wieder mehr als 1.000 Punkte eingebüßt. Der MDax <DE0008467416>, der Index der mittelgroßen Werte, erholte sich am Donnerstag mit plus 1,02 Prozent auf 31.837,35 Zähler.
Der deutsche Aktienmarkt könne die jüngsten Sorgen aus dem Nahen Osten damit zunächst abschütteln, schrieb Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Anleger zeigten sich trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten optimistisch und gingen offenbar davon aus, dass deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte begrenzt blieben.
Die Märkte unterstellen Emden zufolge derzeit, dass geopolitische Risiken zwar kurzfristig für Schwankungen sorgen, ihre wirtschaftlichen Folgen aber überschaubar bleiben und die Belastungen für die Kurse nur kurze Beine haben. Die jüngsten Entwicklungen aber seien ein mahnendes Beispiel und zugleich ein Denkzettel für all jene Anleger, die geglaubt hätten, die Nahostrisiken seien vom Tisch.
In Asien stabilisierten sich die Aktienmärkte ebenfalls erst einmal. Dem südkoreanische Kospi <KRD020020008>, der besonders unter dem vorläufigen Ende der KI-Rally gelitten hatte und zurück auf Mai-Niveau ist, war am Ende des Handelstages der Dreh ins Plus gelungen. Hierzulande half dies Infineon <DE0006231004> mit plus 4,3 Prozent im Dax. Im MDax erholten sich Elmos <DE0005677108>, Jenoptik <DE000A2NB601>, Aixtron <DE000A0WMPJ6> und Suss Microtec <DE000A1K0235> etwas mit Gewinnen zwischen 5,5 und 7,3 Prozent.
Übernahmespekulationen trieben die Aktien von Qiagen <NL0015002SN0> an der Dax-Spitze um 10,6 Prozent an. Der Diagnostikspezialist und Laborzulieferer wecke das Interesse von Finanzinvestoren, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.
Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) <DE0007664039> weiteren ihre jüngsten Verluste aus und büßten letztlich mehr als ein Prozent ein. Der Aufsichtsrat berät über neue Sparpläne des Konzernvorstands, während IG Metall und Betriebsrat mit einem bundesweiten Aktionstag dagegen halten. Die Pläne des Autobauers mit Stellenstreichungen und möglichen Werksschließungen könnten laut UBS zu Umbaukosten in Milliardenhöhe führen. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs aus China sieht die schweizerische Bank zudem das Risiko einer Gewinnwarnung.
Die Siltronic-Aktien <DE000WAF3001> profitierten im MDax ebenfalls von der guten Branchenstimmung. Ihr Kursplus an der Index-Spitze von 13,4 Prozent auf 90,85 Euro verdankten sie aber auch einem positiven Analystenurteil. Martin Jungfleisch von Exane BNP hatte das Kursziel kräftig auf 108 Euro angehoben und die Papiere hochgestuft. Er sieht die KI-Nachfrage als Katalysator für den Absatz von Wafern mit Durchmessern bis 300 Millimeter und hält daher massive Preissteigerungen für möglich.
Die Anteilscheine von Nordex <DE000A0D6554> machten mit einem Aufschlag von fast fünf Prozent einen kleinen Teil der Verluste der vergangenen Handelstage wett. Der Windkraftanlagenbauer hatte für das zweite Quartal deutlich mehr Bestellungen als im Vorjahr und auch im ersten Quartal gemeldet. Die Papiere des Motorenherstellers Deutz <DE0006305006> profitierten mit plus sechs Prozent von einem angekündigten Kauf im Bereich Rüstung.
Der Pharmazulieferer Schott <DE000A3ENQ51> hatte nach einem starken Quartal seine Jahresprognosen angehoben. Die Anteilscheine gewannen an der Spitze des Nebenwerteindex SDax <DE0009653386> 13,5 Prozent.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> zog um 1,28 Prozent auf 6.284,27 Punkte an. Außerhalb der Eurozone gab der britische Leitindex <GB0001383545> leicht nach, während der Züricher <CH0009980894> etwas zulegte. In New York stieg der Dow Jones Industrial <US2605661048> zum europäischen Handelsschluss ebenfalls moderat./la/he
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---