FRANKFURT (dpa-AFX) - Im Spannungsfeld zwischen gut aufgenommenen Quartalszahlen von Unternehmen und neuen geopolitischen Sorgen hat sich der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch richtungslos entwickelt. Der Dax <DE0008469008> schloss mit einem knappen Minus von 0,01 Prozent bei 25.460,48 Punkten. Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Unternehmen sank letztlich um 0,47 Prozent auf 32.243,82 Zähler. Dagegen ging es für den SDax <DE0009653386> um 1,16 Prozent nach oben.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> verlor 0,7 Prozent. Außerhalb des Euroraums gab der schweizerische SMI <CH0009980894> um 0,6 Prozent nach, während der britische FTSE 100 <GB0001383545> um 0,3 Prozent anzog. In New York gab das Leitbarometer Dow Jones Industrial <US2605661048> zum europäischen Börsenschluss um 1,6 Prozent nach. Der technologielastige Nasdaq 100 <US6311011026> fiel um 1,3 Prozent.
Neuerliche Angriffe des Iran im Krieg mit den USA ließen die Preise für Öl und Gas wieder steigen und drückten deshalb etwas auf die Stimmung. Hinzu kamen am frühen Nachmittag wieder Drohungen von US-Präsident Donald Trump in Richtung Iran. Vorsicht herrschte außerdem vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank am Abend und den nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen großer US-Technologieunternehmen, darunter Microsoft <US5949181045> und Meta <US30303M1027>.
Bei der zweiten Zinsentscheidung der Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh rechnen die meisten Beobachter erneut nicht mit einer Änderung beim Leitzins, sodass dieser zum fünften Mal in Folge in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bleiben dürfte. Die Diskussion über eine mögliche Zinserhöhung hat zuletzt aber wieder zugenommen, denn der Iran-Krieg sorgt weiter für große Verunsicherung.
Quartalszahlen von Rheinmetall <DE0007030009> begeisterten die Anleger. Die Düsseldorfer steigerten Umsatz und operativen Gewinn dank des Rüstungsbooms deutlich. Der Aktienkurs zog an der Dax-Spitze um 6,1 Prozent an.
Die Deutsche Bank erzielte im zweiten Quartal dank eines starken Investmentbanking-Geschäfts überraschend einen Gewinn auf Rekordniveau. Anleger zeigten sich erfreut: Die Aktien stiegen um 1,1 Prozent.
Der Energiekonzern RWE <DE0007037129> blickt nach einem unerwartet gut verlaufenen Halbjahr positiver auf 2026 und 2027. Die Aktien gewannen zunächst deutlich, bröckelten aber später ab und schlossen mit plus 0,1 Prozent.
BASF <DE000BASF111> legten nach detaillierten Quartalszahlen um 3,9 Prozent zu. Der Chemiekonzern startet zudem ein neues Aktienrückkaufprogramm.
Die Anteile des Medizintechnik-Unternehmens Siemens Healthineers <DE000SHL1006> reagierten mit plus 4,5 Prozent auf besser als erwartet ausgefallene Zahlen des US-Konkurrenten GE Healthcare <US36266G1076>.
Ein Festhalten an den Jahreszielen schien im MDax die Anleger von Auto1 <DE000A2LQ884> zu irritieren. Die Papiere des Internet-Gebrauchtwagenhändlers fielen um 3,6 Prozent. Die Eckdaten für das zweite Quartal seien gut, so die Analysten von Jefferies. Deshalb dürfte man sich fragen, warum das Management an den Zielen für 2026 nichts geändert habe.
Der Windturbinen-Hersteller Nordex <DE000A0D6554> verdiente im zweiten Quartal überraschend viel und bestätigte den Jahresausblick. Die Aktien legten um 2,8 Prozent zu.
Im SDax schnellten Shelly Group <BG1100003166> um 11 Prozent hoch. Grund ist ein Interesse des Elektrotechnikkonzerns Schneider Electric <FR0000121972> an dem Unternehmen. Es liefen vorläufige Gespräche mit den Franzosen über ein mögliches Kaufangebot, teilte Shelly mit.
Um 9,3 Prozent abwärts ging es in dem Nebenwerteindex für die Titel des Spezialpharma-Unternehmens Medios <DE000A1MMCC8>, das nach einem durchwachsenen Halbjahr mit weniger Gewinn im laufenden Jahr rechnet.
Gute Halbjahreszahlen und ein aufgehellter Jahresausblick der Indus Holding <DE0006200108> bescherten den Papieren der Beteiligungsgesellschaft den höchsten Stand seit Anfang Juni. Am Ende gewannen die Aktien 7,6 Prozent.
Die Aktien von Ströer <DE0007493991> reagierten mit einem Kursplus von 6,6 Prozent auf einen Medienbericht über einen möglichen Einstieg von Finanzinvestoren bei dem Spezialisten für Außenwerbung. Wie das "Manager Magazin" unter Berufung auf Insider berichtet, wollen I Squared Capital und InfraVia Capital Partners die Kontrolle über den Digitalvermarkter übernehmen./edh/he
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---