FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger setzen am Freitag im Dax <DE0008469008> auf ausbleibende Kampfhandlungen im Iran. Mit einem Anstieg um 0,6 Prozent auf 24.753 Punkte würde der Leitindex eine sehr starke Woche besiegeln, in der er aktuell mehr als drei Prozent an Wert gewonnen hat. Er machte einen erneuten Gehversuch hin zur Marke von 25.000 Punkten, blieb aber unter seinen Spitzen der vergangenen beiden Handelstage.
"Offenbar glauben die Börsen nicht mehr an eine erneute Eskalation der Kampfhandlungen am Persischen Golf", schrieb LBBW-Stratege Berndt Fernow. Es zeichne sich zwar keine nachhaltige Friedenslösung ab, aber eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen werde auch unwahrscheinlicher. "In den USA ist der Krieg gegen den Iran denkbar unpopulär, und die Zwischenwahlen rücken unerbittlich näher", gab der Experte zu bedenken.
Fernow sieht das weitere Überraschungspotenzial nach oben aber begrenzt, und so tut sich der Dax schwer damit, erneut die 25.000-Punkte-Marke zu testen. Selbst wenn der Konflikt tatsächlich auf konstruktive Art gelöst würde, könne der Effekt davon dann schnell verpuffen und einer Betrachtung der entstandenen ökonomischen Schäden weichen, warnte Fernow. Im Dax sei deshalb "der Kampf zwischen Bullen und Bären noch nicht entschieden".
Andere Indizes folgten dem Dax nach oben. Der MDax <DE0008467416> mit den mittelgroßen deutschen Werten zeigte sich zur Mittagszeit 0,7 Prozent höher bei 32.023 Punkten, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx <EU0009658145> auch mit 0,7 Prozent im Plus lag. Die US-Börsen wurden zu diesem Zeitpunkt etwas höher erwartet. Kursgewinne hatte es zuvor auch in Asien gegeben.
Die Tech-Rally, die sich neuerdings mehr in Fernost und Europa ausprägt, während die Kurse an der US-Börse Nasdaq zuletzt ausgereizt wirkten, sorgte in Deutschland bei Infineon <DE0006231004> für den ersten Sprung des Kurses über die 70-Euro-Marke seit dem Jahr 2000. Ein Plus von 4,3 Prozent hievte die Titel des Chipkonzerns einmal mehr an die Dax-Spitze.
Infineon auf den Fersen waren die DHL-Aktien <DE0005552004>, die von der Deutschen Bank zum Kauf empfohlen wurden. Harishankar Ramamoorthy betonte dabei die Stärke im Express-Geschäft. In einem unsicheren konjunkturellen und geopolitischen Umfeld profitiere der Logistiker von Selbsthilfemaßnahmen, einem guten Netzwerk und herausragender Preissetzungsmacht. Der Analyst sieht den Zyklus für sinkende Gewinnschätzungen vor seinem Ende.
Verluste gab es umgekehrt bei einigen Chemiewerten, die zuletzt von Anlegern als Profiteur der Verwerfungen im Zuge des Nahost-Kriegs gegolten hatten. Daraufhin mehren sich neuerdings die Abstufungen. Gleich zwei davon gab es vor dem Wochenende von JPMorgan und Goldman Sachs für Lanxess <DE0005470405>. Die Aktien sackten ab, auch wenn man den Kurs um die Auszahlung der Dividende bereinigt. Am Freitag wurden viele Werte ex Dividende gehandelt, darunter auch die Dax-Werte Fresenius Medical Care (FMC) <DE0005785802> und Vonovia <DE000A1ML7J1>.
Mit einer fortgesetzten Kursrally machten die Anteile von Delivery Hero <DE000A2E4K43> auf sich aufmerksam. Die Gewinnserie bei dem Essenslieferdienst dehnt sich bereits auf zehn Tage aus, auch wenn das Plus am letzten Handelstag der Woche zuletzt etwas auf 1,2 Prozent schrumpfte. Seit dem Rekordtief im März hat sich der Kurs schon mehr als verdoppelt. Getragen ist dies von der Hoffnung auf eine strategische Wende./tih/men