FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Daten vom US-Arbeitsmarkt haben am Mittwoch die Stimmung auch am deutschen Aktienmarkt gedämpft. Peter Graf, Chief Investment Officer von Amova Asset Management Americas, sagte über den Bericht, er sei gespickt gewesen mit positiven Überraschungen und "dürfte die jüngsten Bedenken hinsichtlich des Wachstums zerstreuen". Allerdings bringe er den designierten Vorsitzenden der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, in eine schwierige Lage. "Es wird noch schwieriger werden, die FOMC-Mitglieder davon zu überzeugen, dem Auftrag des US-Präsidenten zur Senkung der Zinsen zu folgen." Auch Analyst Ralf Umlauf von der Helaba sieht in den Daten einen "Dämpfer für die Zinssenkungserwartungen".
Der Dax <DE0008469008> ging mit minus 0,53 Prozent auf 24.856,15 Punkte aus dem Tag, nachdem er noch am Nachmittag kurz die Marke von 25.000 Punkten getestet hatte. Letztlich aber bleibt der Leitindex auf Abstand zu seiner im Januar erreichten Bestmarke von etwas über 25.500 Zählern. Besser schlägt sich dagegen der Leitindex der Euroregion, der EuroStoxx <EU0009658145>, der nach einem Rekordhoch am Dienstag um 0,19 Prozent auf 6.035,64 Punkten nachgab.
Für den MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Börsenwerte hierzulande ging es um 1,07 Prozent auf 31.618,89 Zähler bergab. Die Leitindizes in Großbritannien und der Schweiz legten zu. In den USA zeigten sich die wichtigsten Indizes nach einigem Auf und Ab zum europäischen Börsenschluss kaum verändert.
Unternehmensseitig war am deutschen Markt einiges los. Der Energietechnikkonzern Siemens Energy <DE000ENER6Y0> lieferte laut dem Bankhaus Metzler "robuste Ergebnisse", was die Aktie auf ein Rekordhoch trieb. Mit plus 8,4 Prozent ging sie an der Dax-Spitze aus dem Tag und hat seit Jahresbeginn als bester Wert im Leitindex um knapp 36 Prozent zugelegt.
Das Commerzbank <DE000CBK1001>-Papier fiel dagegen auf den tiefsten Stand seit Ende November, bevor es mit minus 2,0 Prozent schloss. "Die vorgelegten Quartalszahlen waren grundsätzlich gut, aber die Erwartungshaltung einiger großer Marktteilnehmer war tatsächlich noch höher", kommentierte Aktienexperte Andreas Lipkow.
Eine Berg- und Talfahrt erlebte die T-Aktie <DE0005557508> nach den Geschäftszahlen von T-Mobile US <US8725901040>. Die US-Mobilfunktochter übertraf im vierten Quartal beim Umsatz zwar die Erwartungen, das Ziel für den Barmittelzufluss 2026 blieb aber leicht dahinter. Nachdem sich T-Mobile US von ihrem sehr schwachen Start erholten und ins Plus drehten, zogen sie die Aktie der Deutschen Telekom mit. Sie gewann letztlich 0,6 Prozent.
Die Sorgen der Anleger, dass die Künstliche Intelligenz die Geschäftsmodelle in einigen Branchen gefährden könnte, erfasste erneut Aktien wie SAP <DE0007164600>, Scout24 <DE000A12DM80> und Zalando <DE000ZAL1111>. Neu erwischte es zudem Online-Broker. So verloren Flatexdegiro <DE000FTG1111> fast 11 Prozent..
Einen neuen Schock versetzte Gerresheimer <DE000A0LD6E6> seinen Anlegern. Der Kurs brach im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386> um etwas mehr als 31 Prozent ein, weil der Verpackungshersteller erneut seinen Geschäftsbericht verschiebt. DZ-Bank-Analyst Sven Kürten verwies neben schwachen Zahlen und einem schwachen Ausblick auf "neue, aufgedeckte Bilanzierungsprobleme". Das Vertrauen in die Bilanzqualität sei aufs Neue erheblich belastet, das Investorenvertrauen in die Aktie "völlig zerstört".
Gerresheimer-Konkurrent Schott Pharma <DE000A3ENQ51> dagegen startete überraschend stark in das neue Geschäftsjahr, was der Aktie ein Plus von 6,4 Prozent bescherte. Verbio <DE000A0JL9W6> legten als SDax-Spitzenwert nach einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank um fast 10 Prozent zu. Analyst Michael Kuhn rechnet damit, dass das Biokraftstoffunternehmen seine Ziele höher stecken wird. Die Anlagestory habe sich aufgrund eines günstigeren regulatorischen Umfelds und positiver Entwicklungen bei den Rohstoffkosten deutlich verbessert, schrieb er./ck/he
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---