FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax <DE0008469008> hat am Freitag eine durchwachsene Börsenwoche mit Gewinnen beendet. Zum Handelsschluss behauptete der deutsche Leitindex dank leicht sinkender Ölpreise einen Kursanstieg von 0,56 Prozent auf 25.408,64 Punkte. Auf Wochensicht schaffte er damit nur ein Plus von 0,4 Prozent, stoppte aber immerhin eine dreiwöchige Verlustserie. Für den MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Unternehmen ging es am Freitag letztlich um 0,81 Prozent auf 31.031,35 Punkte hoch.
"Bei den Anlegern regiert die Vorsicht", kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst beim Broker CMC Markets. "Die Sorge vor weiter steigenden Zinsen und Anleiherenditen ist omnipräsent und erschwert eine nachhaltige Erholung am Aktienmarkt. Gleichzeitig bleiben die Energiepreise hoch und entwickeln sich zunehmend zum Bremsklotz für Konjunktur und Börse."
Positive Impulse könnten laut Lipkow von der bald beginnenden Berichtssaison kommen. Aber "dann müssen die Unternehmen zeigen, wie gut sie mit hohen Finanzierungskosten, Energiepreisen und einem zurückhaltenden Konsum tatsächlich zurechtkommen", warnte er vor zu hohen Erwartungen.
Nach dem Dax-Rekord Ende August hatten stark gestiegene Ölpreise und Anleiherenditen die Anlegerstimmung getrübt. Zuletzt entspannte sich hier mit wieder aufgekommenen Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahostkonflikt die Lage etwas. Der Iran hat laut Medienberichten einen neuen Vorschlag zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges präsentiert.
Über Vermittler sei der US-Regierung ein Plan vorgelegt worden, wonach die Straße von Hormus nach sieben Tagen wieder geöffnet werden könne, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi laut der "New York Times" und der "Financial Times" am Rande der UN-Woche in New York. Auf Nachfrage zu dem angeblichen Verhandlungsangebot der Iraner hieß es aus dem Weißen Haus: "Wir führen über die Vermittler positive und konstruktive Gespräche."
Am deutschen Aktienmarkt standen Evonik <DE000EVNK013> und Hellofresh <DE000A161408> mit zwischenzeitlich prozentual zweistelligen Kursausschlägen im Fokus.
Die Aktien von Evonik sprangen um bis zu zwölf Prozent hoch und gingen rund sieben Prozent fester ins Wochenende. Der Spezialchemiekonzern bestätigte das zuvor kolportierte Interesse des Branchenrivalen BASF <DE000BASF111> an einer möglichen Übernahme ebenso wie die Ludwigshafener und die RAG-Stiftung als Evonik-Großaktionär. Die BASF-Aktien verloren knapp vier Prozent. Evonik ist an der Börse rund neun Milliarden Euro wert; BASF kommt auf eine Marktkapitalisierung von 45 Milliarden Euro.
Hellofresh kommt derweil nicht aus der Krise. Der Kochboxenversender informierte über ein schwaches drittes Quartal und senkte seine Jahresziele. Die Aktien sackten um bis zu knapp 15 Prozent auf ein weiteres Rekordtief ab. Sie gingen mit einem Minus von fast zehn Prozent als abgeschlagenes Schlusslicht im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386> aus dem Handel.
Gefragt waren die als konjunktursensibel geltenden Bankaktien. So stiegen die Papiere der Deutschen Bank <DE0005140008> und der Commerzbank <DE000CBK1001> um jeweils 2,7 Prozent. Sollte sich die Situation im Nahen Osten tatsächlich nachhaltig entspannen, würde dies die Ölpreise deutlich sinken lassen und damit der Weltwirtschaft einen Schub geben. Banken könnten davon über eine höhere Kreditnachfrage oder eine geringere Risikovorsorge profitieren, so die Hoffnung.
Der Flugzeugbauer Airbus <NL0000235190> kämpft indes mit einem Qualitätsproblem beim Kassenschlager A321neo. Nach Angaben eines Sprechers hat der Konzern bei einigen Jets an den Längsversteifungen im vorderen unteren Bereich des Rumpfes "Abweichungen" beim Oberflächenschutz festgestellt. Es handele sich jedoch nicht um ein Sicherheitsproblem. Airbus habe bereits eine Lösung entwickelt. Die Anteilsscheine von Airbus büßten am Ende noch knapp ein Prozent ein.
Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> ging es am Freitag um 0,5 Prozent bergauf. Moderater fielen die Gewinne in London und Zürich aus. Auch in New York legten die Aktienkurse zum europäischen Handelsende etwas zu./gl/zb
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---