FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein Fünkchen Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Krieges hat dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag eine schwungvolle Erholung beschert. Aussagen von US-Präsident Donald Trump sorgten dafür, dass sich der Dax <DE0008469008> von seinem Tief seit Mai 2025 erholen konnte. Der Leitindex bewegte sich dabei auch im Fahrwasser deutlich gesunkener Ölpreise.
Zeitig mit dem US-Handelsstart legte der Leitindex am Nachmittag 2,4 Prozent auf 23.963 Punkte zu. Zweimal schaffte er es im Laufe des Tages sogar zurück über die 24.000-Punkte-Marke, wo die Risikobereitschaft der Anleger dann aber jeweils an ihre Grenzen stieß. Für den MDax <DE0008467416> ging es zuletzt um 3,1 Prozent auf 29.758 Zähler nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx <EU0009658145> gewann 2,3 Prozent an Wert.
"Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet. Sie haben keine Marine, keine Kommunikationssysteme, sie haben keine Luftwaffe", wurde Trump vom US-Sender CBS News nach einem Telefoninterview zitiert. Der Krieg verlaufe "weit vor dem Zeitplan". Der US-Präsident legte sich aber nicht auf einen konkreten Zeitpunkt fest.
Der Schock, den am Vortag im frühen Handel die erneut hochspringenden Öl- und Erdgaspreise ausgelöst hatten, wirkt am Dienstag erst einmal verdaut. Vom Vortagstief bei 22.927 Punkten hat der Dax nun wieder etwa 1.000 Punkte zugelegt. "Wenn geopolitische Risiken plötzlich geringer erscheinen, kehrt an den Märkten oft sehr schnell Risikobereitschaft zurück", schrieb der Marktbeobachter Timo Emden.
Wie sich der Iran-Konflikt weiterentwickelt, bleibt nach Einschätzung der Experten von Oddo BHF jedoch offen. Laurent Denize von der Investmentbank betont aber, dass die historische Erfahrung dafür spreche, dass der Einfluss militärischer Auseinandersetzungen auf die Aktienmärkte oft nur von begrenzter Dauer sei. Langfristig orientierte Anleger könnten Chancen nutzen, die sich aus volatilen Marktbewegungen wie am Vortag ergeben.
In der Breite erholten sich Aktien aus vielen Industriezweigen, die zuletzt unter Inflations- und Konjunktursorgen gelitten hatten. Dazu zählten zum Beispiel Banken. Die am stärksten erholten Dax-Werte waren jedoch die Aktien von Infineon <DE0006231004> mit fast sechs Prozent Plus. Hier meldete sich der Citigroup-Experte Andrew Gardiner mit einer positiven Einschätzung für die kommenden 90 Tage zu Wort.
Im MDax gehörte die Spitze den 7,5 Prozent höheren Titeln der Lufthansa <DE0008232125>, die zuletzt stark unter der Sorge vor hohen Treibstoffpreisen gelitten hatten. Die Fluggesellschaft könne eine vorerst reduzierte Nachfrage auf Nahost-Strecken besonders gut auf den Asien-Strecken ausgleichen, glaubt am Dienstag der JPMorgan-Experte Harry Gowers.
Gewinne, die bis zu 2,6 Prozent groß waren, gab es auch bei den drei Autobauern im Dax. Nach durchwachsenen Jahreszahlen gehörte da auch Volkswagen <DE0007664039> dazu. Analyst Christian Frenes von Goldman Sachs sah in den wichtigsten Kennziffern zum Schlussquartal der Wolfsburger Licht und Schatten. In den Aussagen zum Ausblick sah er eher eine Enttäuschung.
Bei Hugo Boss <DE000A1PHFF7> ließ die Kursreaktion auf ein Plus von 1,1 Prozent nach. Am Vortag hatten sich die Anleger schon schwer damit getan, Aussagen zur Ausschüttungspolitik des Modekonzerns einzuordnen. Der Rückenwind von den nun vorgelegten Jahreszahlen flachte auch wieder ab, denn in der Spitze hatten die Aktien bis zu 7,6 Prozent gewonnen.
Die auffälligste negative Erscheinung waren am deutschen Aktienmarkt die Evotec<DE0005664809>-Aktien, die um 14 Prozent absackten. Mit Kostensenkungen als Ziel stellte der Wirkstoffforscher ein Umbauprogramm vor. Negativ an kam aber vor allem der Ausblick auf das laufende Jahr, den Analyst Charles Weston von RBC als Enttäuschung wertete.
Zum größten SDax-Gewinner mauserten sich zuletzt die Aktien von Dermapharm <DE000A2GS5D8>. Nach der Mitteilung, dass der Arzneimittelhersteller in größerem Stil eigene Aktien zurückkaufen will, ging es für den Kurs um 8,7 Prozent nach oben. Dies überlagerte maue Eckdaten zum vergangenen Jahr./tih/stk