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News

17.10.2026 | 19:05:34 (dpa-AFX)
ROUNDUP 3: Merz verspricht straffen Reformkurs - und warnt die SPD

BONN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat der Jungen Union einen strammen Reformkurs vor allem bei der Rente versprochen und der SPD Grenzen für die weitere Zusammenarbeit aufgezeigt. "Ich stelle den Erfolg der Koalition, oder anders ausgedrückt den Fortbestand der Koalition, nicht über jede denkbare politische Leistung, die wir zusammen erbringen müssen", sagte er vor den etwa 300 Delegierten in Bonn. "Es gibt auch für mich Grenzen."

Der Kanzler betonte in seiner 53-minütigen Rede, dass er die Handschrift der Union in der Koalition besser erkennbar machen wolle. "Es muss auch klar sein, wer in dieser Koalition der größere Koalitionspartner ist und wer der kleinere Koalitionspartner ist." Die Union stellt im Bundestag 208 Abgeordnete, die SPD nur 120.

Merz nennt Rentenreform "überfällig"

Den Delegierten der unabhängigen Nachwuchsorganisation von CDU und CSU versprach der CDU-Vorsitzende eine vollständige Umsetzung des Rentenkompromisses mit der SPD vom Juli - inklusive der umstrittenen Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.

Die Union wolle einen Kabinettsbeschluss zur Rentenreform noch in diesem Jahr, sagte Merz zum weiteren Fahrplan. Die erste Lesung im Bundestag solle noch vor dem Jahreswechsel erfolgen und die finale Abstimmung zu Beginn des nächsten Jahres. "Das ist überfällig", betonte der Kanzler.

Kanzler strafft den Zeitplan wieder ein wenig

Ursprünglich war ein Abschluss des parlamentarischen Verfahrens zum Jahreswechsel geplant, dann verschob Merz vergangene Woche die Zielmarke aufs Frühjahr. Mit Anfang des Jahres straffte er den Zeitplan jetzt wieder etwas.

Der wichtigste Satz für die Jungunionisten war aber: "Ich möchte, dass wir die Reformvorschläge der Rentenkommission so umsetzen, wie sie auf dem Tisch liegen." Damit stellte Merz sich gegen Änderungswünsche aus der SPD, aber auch der drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten, bei der sogenannten Rente mit 63.

Diesmal kein Rentenzoff - aber eine Rücktrittsforderung

Im vergangenen Jahr hatte Merz sich beim Deutschlandtag mit der Jungen Union noch heftig wegen der Rente gezofft. Diesmal verlief sein Auftritt harmonischer. Es gab aber einen heiklen Moment.

Ein Delegierter forderte ihn in der Fragerunde zum Rücktritt auf, weil aus seinen Ankündigungen keine Taten folgten. Außerdem seien seine Umfragewerte auf dem Niveau der früheren britischen Premierministerin Liz Truss angelangt, die sich 2022 nur sieben Wochen im Amt hielt. "Wenn (...) Ihnen Ihr Land, ihre Partei so am Herzen liegt, nehmen sie dann Ihren Dienstwagen, fahren sie zum Bundespräsidenten und bitten um ihre Entlassung", sagte der Jungunionist.

Winkel springt Merz zur Seite: Weglaufen keine Lösung

Merz ging in seiner Antwort darüber hinweg und betonte lediglich die Bedeutung einer stabilen Regierung. Aber der JU-Vorsitzende Johannes Winkel antwortete für Merz. "Das Vertrauen, das verloren gegangen ist, das kann man ganz bestimmt nicht wiederherstellen, indem man jetzt wegläuft, sondern vor allen Dingen, indem man jetzt Entscheidungen trifft." Darauf komme es jetzt an. Und wenn es um die Umsetzung von Entscheidungen gehe, "dann hast Du uns an Deiner Seite", sagte Winkel.

Kürzerer Applaus als Wüst

Der stehende Applaus nach der Merz-Rede war nicht einmal eine Minute lang - kürzer als der für Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Hendrik Wüst am Vortag - und auch von der Lautstärke her eher mau. Unter den Delegierten hieß es anschließend, es sei zwar nicht der große Wurf gewesen, aber immerhin habe es wieder eine Annäherung an die JU nach dem tiefen Zerwürfnis aus dem letzten Jahr gegeben.

Merz muss sich nun aber an seinem Versprechen messen lassen, die Rentenreform ohne Abstriche umzusetzen. Sonst droht ihm im Bundestag wie im vergangenen Jahr beim Rentenpaket der Widerstand der Jungen Union, der 20 Bundestagsabgeordnete angehören. Diese Junge Gruppe hat damit genug Stimmen, um Bundestagsbeschlüsse zu blockieren. Die Koalition verfügt nur über eine Mehrheit von zwölf Stimmen.

Stärkster Applaus für Abgrenzung gegen Linke und AfD

Den stärksten Applaus erhielt Merz für seine Abgrenzung gegen die AfD und die Linke. Beiden Parteien warf er vor, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu verharmlosen: "Es ist mir unbegreiflich, wie man davor die Augen verschließen kann."

Der Kanzler warnte SPD und Grüne eindringlich vor einer Zusammenarbeit mit der Linken in Berlin. "Wer die politische Mitte stärken will, darf mit Linksradikalen keine Gespräche führen", rief er. "Hört auf damit, diesen Weg zu gehen."

Die Mitglieder seiner eigenen Partei warnte er davor, in Sachsen-Anhalt als Steigbügelhalter der AfD zu fungieren. Wer das tue, "der hat in der CDU Deutschlands nichts, aber auch gar nichts zu suchen."

"Freiheit statt Extremismus"

Es gelte: "Freiheit statt Extremismus", sagte Merz. Auch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann verwendete den Slogan in Anlehnung an den Wahlkampfspruch "Freiheit statt Sozialismus" aus den 1970er Jahren. Damals ging es um die Ablehnung der von der SPD betriebene Annäherungspolitik an die DDR und andere Staaten.

Eine klare Absage erteilte Merz einer Minderheitsregierung. Das Gerede darüber gefährde nicht nur die Zukunft des Landes, sondern auch "die Existenz unserer Partei", betonte Merz. "Deshalb hören wir bitte damit auf, darüber zu sprechen."

Der Deutschlandtag findet einmal im Jahr statt. Der Jungen Union gehören etwa 90.000 Mitglieder an./hrz/DP/zb

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ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax schüttelt Zins- und KI-Sorgen ab

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Zins- und KI-Sorgen haben am deutschen Aktienmarkt vor dem Wochenende spürbar nachgelassen. Der Dax <DE0008469008> stieg am Freitag um 0,95 Prozent auf 25.622,61 Punkte. Damit baute er sein Wochenplus auf gut zwei Prozent aus. Außerdem ließ der deutsche Leitindex die 100-Tage-Linie als Indikator für den mittel- bis langfristigen Trend hinter sich, die an den Vortagen noch eine zu hohe Hürde war. Der MDax <DE0008467416> mit den mittelgroßen Börsenkonzernen gewann am Freitag 1,46 Prozent auf 30.656,65 Punkte.

Im Wochenverlauf hatte eine überraschend hohe Inflation in den USA Bedenken genährt, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins bereits im Oktober ein weiteres Mal anheben und somit Finanzierungen verteuern könnte. Hinzu kamen Ängste mancher Anleger, dass sich die milliardenschweren Investitionen der KI-Konzerne womöglich nicht auszahlen könnten.

Dass sich der Chef der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, nun in einer Rede aber nicht spezifisch zur Geldpolitik äußerte, ließ die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch im Oktober aus Marktsicht wieder deutlich sinken. Zum Thema Künstliche Intelligenz sagte er, dass Investitionen in diesen Bereich die US-Wirtschaft stark unterstützten. "Kevin Warsh gibt den Börsen den Optimismus zurück", schrieb Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Ob aus dem rhetorischen Rückenwind durch Warsh "ein tragfähiges Grundgerüst für eine Jahresendrallye entsteht, bleibt fraglich", gab Marktanalyst Timo Emden vom Broker Captrader zu bedenken. "Die aktuelle Schaukelbörse unterstreicht nach wie vor die undurchsichtige Gemengelage. Zwischen Zinsfragen, KI-Zweifeln und Krisenherden fehlt den Anlegern weiterhin der entscheidende rote Faden."

Für Sören Hettler von der DZ Bank ist die jüngste Korrektur bei Halbleiter- und einigen KI-Aktien gleichwohl lediglich eine selektive Neubewertung durch Investoren. Eine breite Abkehr vom KI-Thema sieht er nicht. "Unter Druck stehen vor allem hoch bewertete und stark fremdfinanzierte Teile des KI-Ökosystems. Unternehmen mit hoher Profitabilität, auch aus anderen Geschäftsbereichen, und starken Cashflows sind dagegen deutlich weniger anfällig für steigende Finanzierungskosten." Der nächste Härtetest sei nun die laufende Berichtssaison zum dritten Quartal.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> stieg am Freitag um 0,58 Prozent auf 6.204,23 Punkte. Außerhalb des Euroraums legten der Schweizer SMI <CH0009980894> und der britische FTSE 100 <GB0001383545> ebenfalls moderat zu. An der Wall Street stieg der Dow Jones Industrial <US2605661048> zum europäischen Handelsschluss um gut 0,2 Prozent. Der technologielastige Nasdaq 100 <US6311011026> brach um rund 1,3 Prozent ein.

Am deutschen Aktienmarkt setzte sich der Erholungsversuch der Rüstungsaktien fort. Rheinmetall <DE0007030009> legte als Spitzenreiter im Dax um 6,3 Prozent zu. Im MDax gewannen TKMS <DE000TKMS001>, Renk <DE000RENK730> und Hensoldt <DE000HAG0005> zwischen 4,4 und 6,0 Prozent. Die Papiere des Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB <DE0005936124> schafften es im Kleinwerte-Index SDax <DE0009653386> mit 13 Prozent ins Plus.

Auch der Autosektor zeigte sich erholt. Im Dax belegten Volkswagen <DE0007664039>, Mercedes-Benz <DE0007100000> und BMW <DE0005190003> mit Kursgewinnen zwischen 2,8 und 3,5 Prozent die vorderen Plätze. Angesichts der vorigen Tech-Schwäche waren klassische Industriebranchen generell gefragt. Außerdem stützte die Einigung zwischen Deutschland und Frankreich auf ein gemeinsames Auto-Paket.

Der Chipindustrie-Ausrüster Aixtron <DE000A0WMPJ6> übertraf im dritten Quartal sowohl beim Auftragseingang als auch bei der operativen Profitabilität die Analystenerwartungen. Mit einem Kursplus von 6,2 Prozent machten die Aktien einen Teil ihrer Vortagesverluste von fast 13 Prozent wegen der schlechten Tech-Stimmung wett.

Ganz vorn im MDax aber schnellte der Aktienkurs von Nordex <DE000A0D6554> um 12,3 Prozent nach oben. Der Windkraftanlagenbauer überzeugte die Anleger mit einem überraschend guten dritten Quartal und einem optimistischeren Gewinnausblick.

Für die Anteilscheine von Verbio <DE000A0JL9W6> ging es an der SDax-Spitze um 16,6 Prozent auf 29,84 Euro nach oben. Constantin Hesse vom Analysehaus Jefferies blickt nun deutlich optimistischer auf die Gewinnperspektiven des Biospritherstellers. Er hob das Kursziel auf 42 Euro an und stufte die Papiere auf "Buy" hoch./niw/he

--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---

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ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Gewinne - KI- und Zinssorgen gemildert
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Aktien Frankfurt Eröffnung: Gewinne - KI- und Zinssorgen gemildert