LEIPZIG (dpa-AFX) - Der starke Ölpreisanstieg seit dem Beginn des Iran-Krieges treibt auch die Geschäfte des Biokraftstoffherstellers Verbio <DE000A0JL9W6> an. An den Tankstellen greifen Verbraucher eher zu E10, statt zum noch teurerem Superbenzin. Hinzu kommt ein für das Unternehmen günstigeres regulatorisches Umfeld. Die Unternehmensführung um Verbio-Chef Claus Sauter wurde kurz vor dem Ende des Geschäftsjahres 2025/26 optimistischer. Der Aktienkurs legte deutlich zu.
Bei einem Umsatzwachstum um gut 13 Prozent auf 447 Millionen Euro vervielfachte Verbio das operative Ergebnis (Ebitda) im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal im Jahresvergleich auf 60,2 Millionen Euro. Ein höherer Biomethanabsatz sowie eine fortgesetzte Markterholung in Kombination mit einer saisonbedingt hohen Nachfrage nach THG-Quoten spiegelten sich in den Resultaten wider, hieß es von Verbio am Mittwoch zur Zahlenvorlage. Verbio produziert u.a. Bioethanol. Dieser Alkohol wird dem herkömmlichen Benzin beigemischt, um E10 zu erzeugen.
Nach den ersten neun Monaten steht damit ein operativer Gewinn von 105,7 Millionen Euro in den Büchern. Verbio-Chef Sauter rechnet daher für das bis Ende Juni laufende Geschäftsjahr nun mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen am oberen Ende der im März genannten Spanne von 100 bis 140 Millionen Euro.
Die sogenannte Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ist ein Klimaschutzinstrument zur Reduktion von CO2-Emissionen. Schaffen Mineralölunternehmen ihre Emissionsziele nicht, kaufen sie THG-Quoten. Sauter sieht denn auch durch eine jüngst erfolgte gesetzliche Neuregelung in Deutschland Rückenwind für Verbio.
So steigt die THG-Quote von derzeit 12 Prozent auf 17,5 Prozent im Jahr 2027 und wird bis 2040 schrittweise auf 65 Prozent erhöht, erklärt das Unternehmen. Gleichzeitig entfalle die Doppelanrechnung fortschrittlicher Biokraftstoffe, die Kappungsgrenze für Anbaubiomasse werde bis 2032 auf 5,8 Prozent ausgeweitet und ab 2027 würden verbindliche Vor-Ort-Kontrollen zur Betrugsprävention eingeführt. Das Gesetz stärke damit die Biokraftstoffbranche und erweitere die Marktchancen konventioneller und fortschrittlicher Biokraftstoffe.
Für die im Nebenwerteindex SDax notierten Verbio-Aktien ging es zur Wochenmitte um fast 10 Prozent auf 36,72 Euro nach oben. Damit startet ein Erholungsversuch nach dem jüngsten Kursrutsch vom Anfang April erreichten Jahreshoch von gut 47 Euro. Um mit Blick auf den Aktienchart den kurzfristigen Abwärtstrend zu verlassen, müssten der Kurs aber wohl noch etwas weiter zulegen./mis/mne/stk