FRANKFURT (dpa-AFX) - Der starke Kursrutsch an den US-Aktienmärkten im Zuge des Ausverkaufs im KI- und Halbleitersektor drückt am Freitag den am Vortag noch rekordhohen Dax <DE0008469008> wieder unter die 26.000-Punkte-Marke. Gegen Mittag verlor der deutsche Leitindex 2,2 Prozent auf 25.743 Punkte. Damit hat er ausgehend von seinem am Vortag erreichten Rekordhoch mit 26.692 Punkten binnen eines Tages fast 1.000 Punkte eingebüßt.
Nach dem klaren Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen war die Ungewissheit, die bis zum Wahlergebnis den Markt noch etwas gelähmt hatte, zunächst verflogen und der Ölpreis mit der Hoffnung auf ein schnelleres Ende des Irankriegs zeitweise deutlich zurückgegangen. Sorgen vor einer stärkeren Regulierung des KI-Bereichs angesichts der politisch wieder erstarkten Demokraten wurden erst einmal verdrängt, kehrten dann aber umso stärker aufs Parkett zurück. "Die Vorsicht nimmt zu, zumal der Dax mit einem Rekordstand gerade erst ein optimales Umfeld einpreiste, das nun nicht mehr vorherrscht", kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank.
In New York hatte der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 <US6311011026> am Donnerstag den stärksten Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020 verzeichnet. Letztlich verlor er 6,4 Prozent. Für den Halbleiterindex SOX ging es sogar um mehr als 12 Prozent abwärts. Auch für den marktbreiten S&P 500 <US78378X1072> und den US-Leitindex Dow Jones Industrial <US2605661048> war es ein schwarzer Tag. Die Verluste machten am Freitag an den asiatischen Handelsplätzen nicht halt und waren im japanischen Nikkei 225 <XC0009692440> <JP9010C00002> und im südkoreanischen Kospi <KRD020020008> besonders ausgeprägt.
Hierzulande ging es für den MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Unternehmen zuletzt um 1,1 Prozent auf 30.541 Zähler bergab, somit fielen die Abgaben etwas geringer aus als im Dax. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> verlor 1,5 Prozent.
"Anleger befinden sich derzeit in einem Wechselbad der Gefühle und sitzen zwischen zwei Stühlen", erläuterte Marktanalyst Timo Emden vom Broker CapTrader. Am Markt dominiere statt der Freude über politische Klarheit bei den US-Zwischenwahlen nun die Furcht, dass Washington in Zukunft den KI-Motor abwürgen könnte. Es sorge für Unbehagen, dass die Leitplanken des KI-Sektors neu justiert und die regulatorischen Daumenschrauben stärker angezogen werden könnten als bislang gedacht, so Emden.
Quartalszahlen gab es vor dem Wochenende von Daimler Truck <DE000DTR0CK8>. Die am Vortag starken Aktien des Lastwagenherstellers fielen um 3,8 Prozent. Der Auftragseingang im dritten Quartal sei wie erwartet schwach gewesen, hieß es von der Investmentbank Oddo BHF. Insgesamt sei das Quartal allerdings solide gelaufen. Die Analysten von JPMorgan lobten die Entwicklung in Nordamerika.
Munich Re <DE0008430026> und Hannover Rück <DE0008402215> verbuchten Kursverluste von jeweils mehr als dreieinhalb Prozent. JPMorgan hatte die Aktien der beiden Rückversicherer abgestuft und bremste deren jüngste Rally damit aus.
Rüstungswerte standen weiter unter Druck. Für die Papiere von Rheinmetall hagelte es Kurszielsenkungen nach der jüngsten Gewinnwarnung. Der Kurs rutschte zeitweise unter die 800-Euro-Marke und verlor zuletzt 4,4 Prozent. Vor 13 Monaten hatten Rheinmetall-Aktien noch mehr als 2.000 Euro gekostet.
Der Auto- und Industriezulieferer Stabilus <DE000STAB1L8> wird wegen gesenkter Erwartungen an das Geschäft in China und Nordamerika vorsichtiger. Für die Anteile ging es um 2,6 Prozent bergab. Die neuen mittelfristigen Ziele seien realistischer und auch besser als erwartet, Abschreibungen und eine niedrigere Dividende wirkten aber negativ, hieß es am Markt.
Zuversichtlicher blickt dagegen der Nutzfahrzeug-Zulieferer Jost <DE000JST4000> nach einem guten dritten Quartal auf das laufende Jahr. Die Titel verteuerten sich um 3,1 Prozent./ajx/stk