(neu: Reaktionen von Trump und Irak ergänzt)
WASHINGTON (dpa-AFX) - Neue Angriffe im Nahen Osten überschatten die laufenden diplomatischen Bemühungen und treiben die Ölpreise erneut in die Höhe. Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf Ziele im Iran haben Teherans Streitkräfte US-Ziele in der Region angegriffen. In einer neuen Stufe der Konfrontation attackierten zugleich die USA und Saudi-Arabien gemeinsam Ziele im Irak. US-Präsident Donald Trump kündigte zudem Vergeltung für den jüngsten iranischen Angriff an.
"Wir werden sie hart treffen. Sie werden ordentlich Prügel kriegen", zitierte der Sender Fox News Trump nach einem Gespräch. Trump hat dem Iran im Zuge des monatelangen Kriegs immer wieder mit schweren Angriffen gedroht, wobei auf seine teils martialischen Worte nicht immer Taten folgten.
Iran greift erstmals seit Stopp der US-Angriffe an
Das US-Militär wehrte in der Nacht nach eigenen Angaben einen iranischen Angriff mit mehreren ballistischen Raketen auf US-Truppen im Nahen Osten ab. Alle Raketen seien erfolgreich abgefangen worden, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Welches Ziel der Angriff hatte, wurde nicht genannt.
Der iranische Rundfunk verbreitete eine Stellungnahme der Revolutionsgarden, nach der der Angriff einer US-Militärbasis in Jordanien gegolten habe. Jordaniens Streitkräfte erklärten am Morgen, es seien fünf Raketen aus dem Iran abgefangen worden. Iran-Experte Hamidreza Azizi schrieb auf der Plattform X, es sei das erste Mal, dass der Iran angegriffen habe, ohne zuvor von den USA oder Israel selbst attackiert worden zu sein.
Es könne ein Signal im Kontext des Besuches des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus am Dienstag gewesen sein, schrieb der Experte. Der Angriff dürfte demnach als Warnung an die USA gedacht gewesen sein, sich keiner neuen militärischen Kampagne gegen den Iran anzuschließen oder eine solche selbst einzuleiten, hieß es.
US-Militär greift gemeinsam mit Saudi-Arabien im Irak an
Derweil griffen US-Streitkräfte nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Verbündeten Saudi-Arabien im Irak "Terroristen" an, die dem Iran nahestünden. Amerikanische und saudi-arabische Kampfflugzeuge attackierten mehrere Logistik- und Waffenlager einer nicht näher genannten Gruppierung im Osten des Iraks, wie Centcom mitteilte. Als Begründung hieß es, dies sei eine Reaktion auf angeblich mehr als 30 Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden, die die iranischen Revolutionsgarden angeordnet hätten.
Die Revolutionsgarden sollen zu den Angriffen auf in Saudi-Arabien stationierte US-Truppen und Energieinfrastruktur in dem Land angestiftet haben. Die Angriffe auf US-Streitkräfte seien "erfolglos" gewesen.
Das saudische Verteidigungsministerium teilte mit, die Angriffe an Seite des US-Militärs hätten Zielen von Milizen im Irak gegolten, von denen zuvor Angriffe auf saudische Ölanlagen ausgegangen seien.
Die sogenannten Volksmobilisierungskräfte (PMF), ein Bündnis aus vorwiegend schiitischen und Iran-treuen Milizen im Irak, meldeten, dass 20 ihrer Kämpfer bei den nächtlichen Angriffen getötet und 32 weitere verletzt worden seien. Die US-saudischen Luftangriffe hätten in mehreren Teilen des Landes unter anderem Ziele im Raum Bagdad sowie im südlichen Basra und Ninive im Norden getroffen. Dabei seien Gebäude, Fahrzeuge und Militärausrüstung beschädigt worden.
Trump erklärte laut Fox News, dass die Angriffe mit der irakischen Regierung abgestimmt gewesen seien. Die irakische Präsidentschaft verurteilte die Angriffe auf Iran-treue Milizen im Land unterdessen scharf. Die Bombardierungen seien ein inakzeptabler Angriff und ein eklatanter Verstoß gegen die Souveränität des Irak, erklärte das Präsidialamt auf X. Das Land lehne jegliche Angriffe auf irakisches Staatsgebiet ab.
Krisensitzung in Bagdad
Nach einer von Ministerpräsident Ali al-Saidi einberufenen Krisensitzung des Sicherheitsrats teilte die Regierung mit, der Angriff sei erfolgt, während Bagdad noch mit den zuständigen Parteien über die von Saudi-Arabien und den USA geäußerten Bedenken wegen Angriffen auf saudisches Gebiet im Austausch gestanden habe. Weiter hieß es, bei dem Angriff seien "mehrere unschuldige" Menschen getötet oder verletzt worden. Die Regierung rief alle Seiten dazu auf, Handlungen zu unterlassen, die die Region weiter destabilisieren.
Im Iran-Krieg stehen die Golfstaaten - etwa Saudi-Arabien und auch Kuwait - parallel zu den iranischen Angriffen teilweise auch unter Beschuss aus dem Irak, wo die mit Teheran verbündeten Milizen weiterhin großen Einfluss haben. Die Regierung al-Saidis strebt eine Entwaffnung der Milizen an, realistisch scheint dies derzeit aber nicht.
USA setzten Angriffe auf den Iran davor aus
Die USA hatten Ende vergangener Woche auf Angriffe im Iran verzichtet, um nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump den laufenden Verhandlungen mit Teheran eine weitere Chance zu geben. Davor hatte das US-Militär fast zwei Wochen lang jede Nacht Ziele im Iran angegriffen. Medienberichten zufolge könnten auch schwindende Munitionsreserven der USA der Grund dafür sein. Der "New York Times" zufolge geht es dabei vor allem um Luftabwehr-Munition wie Patriot-Raketen.
Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat der Iran jedoch einen neuen Verhandlungsvorschlag des weiteren Anrainerstaates der Straße von Hormus, dem Oman, zurückgewiesen. Vertreter der beiden Länder sprechen seit Wochen über eine gemeinsame Kontrolle der wichtigen Meerenge. Nun habe der Oman eine zeitweilige Lösung vorgeschlagen, hieß es in dem Bericht. Teheran beanspruche jedoch einen größeren Anteil der Routen durch die wichtige Passage und lehne daher den omanischen Vorschlag ab, berichtete das Blatt.
Trump empfing Netanjahu
Am Dienstag hatte Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus empfangen. Für Netanjahu war es der erste US-Besuch seit Beginn des Iran-Kriegs. Der Besuch war auch deshalb mit Spannung erwartet worden, weil unterschiedliche Interessen im Ende Februar gemeinsam von Israel und den USA begonnenen Krieg zuletzt Risse in der Beziehung der engen Verbündeten offenbarten.
Das Treffen war nicht öffentlich, konkrete Gesprächsinhalte blieben unter Verschluss. Im Interview des Senders Fox News erklärte Netanjahu nach dem Gespräch: "Es war eines der besten Treffen, die wir je hatten." Netanjahu nahm in Washington auch an der Trauerfeier für den gestorbenen US-Senator Lindsey Graham teil./mar/DP/jha