DUISBURG (dpa-AFX) - Im Kampf um den Bundesvorsitz der FDP hat der nordrhein-westfälische Landeschef Henning Hönig eine wichtige Hürde genommen. Er geht mit dem Rückhalt des größten FDP-Landesverbandes in die Auseinandersetzung mit Parteivize Wolfgang Kubicki Ende Mai. Der 39-Jährige wurde von einem Parteitag in Duisburg mit knapp 84,5 Prozent zum dritten Mal als Landeschef gewählt. Er erzielte sein bisher bestes Ergebnis.
Ein Jahr vor der Landtagswahl im bevölkerungsstärksten Bundesland NRW stärkten die knapp 400 Delegierten Höne mit dem Votum auch den Rücken für einen schwierigen Wahlkampf. Die bundesweit in ihrer Existenz bedrohte FDP muss auch in Nordrhein-Westfalen um die Rückkehr in den Landtag bangen.
Höne betonte, dass für ein Comeback der FDP im Bund die Wahl in NRW im April 2027 von entscheidender Bedeutung sei. Der Landesverband NRW hat in der Bundespartei großes Gewicht. Er ist mit rund 16.500 Mitgliedern der stärkste Landesverband der Liberalen und stellt beim Bundesparteitag knapp ein Viertel der Delegierten.
Kubicki will die FDP wieder zweistellig machen
Auch in der NRW setzen allerdings einige auf den wortgewaltigen und prominenten Kubicki als künftigen Bundeschef. So war unter den Delegierten zu hören, dass die FDP in der aktuellen außerparlamentarischen Opposition ein bekanntes Gesicht an der Spitze brauche, um bundesweit wieder wahrgenommen zu werden. Höne erhielt denn auch nicht die volle Unterstützung der Delegierten: Er bekam 326 Ja-Stimmen bei 50 Nein-Stimmen und 10 Enthaltungen.
Kubicki strebt im Fall seiner Wahl zum Vorsitzenden beim Bundesparteitag am letzten Mai-Wochenende wieder Bundestagswahlergebnisse über zehn Prozent der Stimmen für die Liberalen an. "Zunächst schwebt mir vor, die FDP nach einem Jahr bitterböser Bedeutungslosigkeit wieder in die Nähe von fünf Prozent zu heben" - und dann darüber, sagte Kubicki der "Welt am Sonntag". "Der Kubicki-Effekt beginnt bei sechs Prozent. Dann ist die Hürde überwunden." Der 74-Jährige fügte hinzu: "Wenn wir im Mai nächsten Jahres in Umfragen immer noch bei zwei Prozent stehen, dann kann auch Wolfgang Kubicki nicht mehr helfen."
Nach dem Rücktritt von Parteichef Christian Lindner und fast aller führenden Liberalen infolge des Scheiterns bei der Bundestagswahl 2025 an der Fünf-Prozent-Hürde ist der frühere Bundestagsvizepräsident eines er wenigen verbliebenen prominenten Gesichter der FDP. Der amtierende Vorsitzende Christian Dürr hatte seinen Plan, erneut zu kandidieren, aufgegeben, als Kubicki seinen Hut in den Ring warf.
Höne fordert Einigkeit der FDP
Höne warnte beim Landesparteitag die FDP vor einem innerparteilichen Machtkampf. "Wolfgang kandidiert nicht gegen mich, und ich kandidiere nicht gegen Wolfgang", rief er unter dem Applaus der Delegierten. Es gebe zwischen ihnen zwar Unterschiede im Stil, Ton und in manchen Sachfragen. "Aber uns eint mehr, als uns trennt." Unabhängig vom Ausgang der Wahl würden sowohl er als auch Kubicki weiter eine Rolle in der Partei spielen. Der Wettbewerb zwischen ihnen helfe der FDP sogar, weil er die Partei so wieder spannend mache.
Panne bei Wahl eines neuen FDP-Chefs in Bayern
Bei einem Parteitag der bayerischen FDP wurde am Wochenende der frühere Landtagsabgeordnete Matthias Fischbach zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses gab es eine kuriose Panne: Zum Sieger der Kampfabstimmung wurde zunächst der stellvertretende Vorsitzende der Münchner FDP, Moritz Fingerle, ausgerufen. Dieser nahm die Wahl an und erhielt bereits zahlreiche Glückwünsche. Erst dann stellte sich heraus, dass nicht er, sondern Fischbach gewählt worden war./sk/DP/zb