(neu: Kurs aktualisiert, Aussagen Finanzchefin aus Gespräch)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Autozulieferer Aumovio <DE000AUM0V10> hat im ersten Quartal trotz eines schwachen Marktumfelds seinen Gewinn im Tagesgeschäft ausgebaut. Dabei profitierte der ehemalige Geschäftsbereich von Continental <DE0005439004> von einem größeren Anteil profitabler Produkte und seinen Sparprogrammen. Das konnte den Gegenwind von Währungseffekten sowie Werksschließungen und -verkäufen im Ergebnis mehr als wettmachen. Sonderkosten für Abfindungen und den Konzernumbau zogen die Frankfurter aber dennoch in die roten Zahlen.
Die im MDax <DE0008467416> notierte Aktie verlor nach dem Mittag 2,6 Prozent auf 37,95 Euro. Seit Ende 2025 sank der Kurs um fast 12 Prozent, liegt aber immer noch etwas über den Kursen des ersten Handelstags nach der Abspaltung von Conti.
Der Autozulieferer habe einen guten Start ins Jahr hingelegt, schrieb Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan. Der Sparkurs bei Forschung und Entwicklung sowie in anderen Bereichen funktioniere, der Konzern habe damit im gegenwärtigen Marktumfeld Verbesserungen selbst in der Hand, schrieb Experte Harry Martin vom US-Analysehaus Bernstein. Für ihn bleibe jedoch langfristig die Frage, wie stark Forschungs- und Investitionsausgaben weiter gesenkt werden könnten, ohne das Wachstum zu hemmen. Der Auftragseingang sei im ersten Quartal schließlich gegenüber dem Niveau des Jahres 2025 gesunken.
Der Auftragseingang insgesamt sackte um fast ein Drittel auf 3,9 Milliarden Euro ab. Finanzchefin Jutta Dönges sprach im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX von verzögerten Entscheidungen bei den Kunden. "Die Pipeline ist gut gefüllt", sagte sie. Im ersten Quartal seien insbesondere Timingeffekte für den Rückgang der Bestellungen verantwortlich gewesen, zudem habe es etwa in der Sparte für Fahrassistenzsysteme im Vorjahr einen großen Einzelauftrag gegeben.
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um gut 14 Prozent auf 106 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Damit schnitt Aumovio etwas besser ab als von Analysten erwartet. Der Umsatz fiel um knapp 8 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Dazu trug auch bei, dass Aumovio sein Produktionsnetzwerk derzeit strafft.
Der Sparkurs kam unter dem Strich erneut teuer. 156 Millionen Euro Sonderkosten für den Konzernumbau und Abfindungen fielen an, weitere Belastungen kamen hinzu. Der Nettoverlust betrug 157 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor war es noch ein Verlust von 217 Millionen Euro gewesen, als noch höhere Umbaukosten angefallen waren. Daran, dass 2026 insgesamt ein Nettogewinn erzielt werden soll, hielt Managerin Dönges fest.
Aumovio bestätigte die Jahresprognose. Effekte aus dem Nahost-Krieg im Iran sind bisher nicht einkalkuliert. Einen nennenswerten Einfluss spüre das Unternehmen bisher nicht und gehe auch davon aus, keine größeren Bremsspuren verdauen zu müssen, sagte Finanzchefin Dönges. Zwar stiegen die Preise von Aluminium, Kupfer und Gold. Vielfach gehe das Unternehmen aber nun in Verhandlungen mit den Kunden, da gebe es Standardklauseln für Anpassungen in den Verträgen. Die Anpassungen kämen Aumovio allerdings erst mit Verzögerung zugute.
Das Management hat den Blick wegen des schwachen Abschneidens in den Vorjahren vor allem aufs Sparen gerichtet. Noch unter Conti wurden 5.400 Verwaltungsjobs und 1.750 Stellen in der Forschung und Entwicklung gestrichen. Weitere 3.000 Jobs in Forschung und Entwicklung entfielen zum Großteil schon bis Ende 2025, im Januar wurde der Abbau von weiteren 4.000 Stellen in dem Bereich angekündigt. Bei den noch laufenden Sparrunden gehen erneut Arbeitsplätze in Deutschland verloren, der Schwerpunkt liegt aber auf dem Ausland.
Auch in der Produktion hat Aumovio den Rotstift angesetzt. Von weltweit 55 Produktionsstätten Ende 2025 sollen bis Ende 2028 zehn wegfallen. So kündigte das Unternehmen im März an, ein Werk in China dichtzumachen, 1.500 Stellen in der Produktion fallen damit zusätzlich weg. Zwei weitere Fabriken, darunter eine im hessischen Babenhausen, sollen dieses Jahr zusätzlich die Arbeit einstellen. Zwei weitere Standorte in Rheinböllen in Rheinland-Pfalz und Mechelen in Belgien werden verkauft./men/mne/nas/zb/mis