PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Europas Börsen sind am Montag schwach in die neue Woche gestartet. In den letzten Handelsminuten erholten sich die meisten Leitindizes allerdings von ihren zuvor noch weitaus deutlicheren Verlusten. Daran dürfte nicht zuletzt die deutliche Stabilisierung der US-Technologiebörse Nasdaq einen Anteil haben.
Insgesamt jedoch belasteten erneut steigende Anleiherenditen die Stimmung der Anleger an den Aktienmärkten. Zudem verringerten die Ölpreise ihre Verluste im Tagesverlauf. Und trotz der Erholung der Techbranche weltweit sind die Sorgen rund um KI und deren Finanzierungsbedarf längst nicht ausgestanden.
Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> setzte sein Auf und Ab der vergangenen Wochen fort. Mit einem Abschlag von 0,96 Prozent auf 6.144,81 Punkte ging der Leitindex der Eurozone letztlich aus dem Tag. Schwach schlossen zudem auch die Börsen in Frankreich, Spanien und Italien. Außerhalb der Euroregion ging der britische FTSE 100 <GB0001383545> mit minus 1,08 Prozent auf 10.764,69 Punkte aus dem Tag. Der Schweizer Leitindex SMI <CH0009980894> schloss mit 0,16 Prozent auf 14.368,78 Zähler nur moderat in der Verlustzone.
Die Experten von Index-Radar sehen aktuell die Sorgen um die Finanzierung des KI-Booms als wesentlichen Belastungsfaktor für die Börsen. Diese überlagerten inzwischen sogar die Inflationsängste, schrieben sie und verwiesen darauf, dass Anleger derzeit Kapital aus risikoreichen Technologieaktien in angeblich sichere Staatsanleihen umschichteten. "Hier wächst die Erwartung, dass nicht alle geplanten KI-Projekte realisiert werden. Das würde den künftigen Kapitalbedarf verringern und könnte auch das Wirtschaftswachstum stärker bremsen als bislang erwartet."
Die kommenden Tage werden ihnen zufolge daher spannend, denn mit den US-Größen Tesla <US88160R1014>, Meta <US30303M1027> und SpaceX <US84615Q1031> kämen die ersten Schwergewichte der Technologiesaison mit ihren Quartalsberichten auf den Prüfstand.
Auf den Ölpreis verwies obendrein Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Bislang seien die Preisanstiege gut weggesteckt worden, doch sie blieben ein wichtiges Thema, da die Spuren, die sie hinterließen, tiefer würden. Der Ölpreis bleibe "eine der großen Bedrohungen für die globale Konjunktur", betonte er.
Im marktbreiten Stoxx Europe 600 <EU0009658202> zeigte sich nur die Tech-Branche <EU0009658921> im Plus, die allerdings auch fast zwei Wochen lang nachgegeben hatte.
Anleger griffen nach dem Ausverkauf wieder zu, sagte Marktanalyst Maximilian Wienke vom Broker Etoro. "Die Erholung bleibt jedoch anfällig", da zunehmend hinterfragt werde, ob die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur ausreichend Rendite brächten. ASML <NL0010273215> gewannen als einer der besten Werte im EuroStoxx 1,3 Prozent. In Amsterdam stiegen ASM <NL0000334118> um 1,0 Prozent und BE Semiconductor <NL0012866412> gewannen 3,4 Prozent. Logitech <CH0025751329> legten an der SMI-Spitze um 2,5 Prozent zu.
Mit am stärksten unter Druck standen der Banken- <EU0009658806> und der Rohstoffsektor <EU0009658624>. Unter den Banken gaben ING <NL0011821202>, BBVA <ES0113211835>, Unicredit <IT0005239360>, Intesa, Santander <ES0113900J37> und BNP Paribas <FR0000131104> jeweils um die zwei Prozent nach. Im SMI verloren UBS <CH0244767585> 1,4 Prozent und in London HSBC <GB0005405286> 2,2 Prozent und Barclays <GB0031348658> 3,5 Prozent. Außerdem gab dort die Aktie des Minenbetreibers Anglo American <GB00BTK05J60> um 4,1 Prozent nach und die des Bergbauunternehmens und Rohstoffhändlers Glencore <JE00B4T3BW64> um 3,3 Prozent.
Außerhalb der großen Indizes verloren die Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli <CH0010570759> um 0,8 Prozent zu. Damit hielt sich die Kursreaktion auf den Rauswurf von Unternehmenschef Adalbert Lechner nach zwei Umsatzwarnungen binnen eines Jahres in Grenzen. Vor zwei Wochen war die Aktie des Schokoladenherstellers auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen.
Umstufungen bewegten zudem die Anteilscheine des Börsenbetreibers Euronext <NL0006294274> und die des britischen Tabak- und Konsumgüterunternehmen Imperial Brands <GB0004544929>. Euronext gewannen angesichts einer Hochstufung durch Citigroup auf "Buy" 1,3 Prozent. Imperial Brands büßten nach einer Abstufung des Analysehauses Jefferies auf "Hold" dagegen 1,8 Prozent ein./ck/he