PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Europas Aktienmärkte haben am Donnerstag viel Rückenwind von der Berichtssaison bekommen. Auf beiden Seiten des Atlantiks gab es zahlreiche Unternehmenszahlen auszuwerten. Für die globalen Aktienmärkte am bedeutendsten waren die gut aufgenommenen Nachrichten vom US-Softwarekonzern Microsoft <US5949181045>.
Der Softwareriese sorgte an der Nasdaq für eine rasante Erholung, die am Nachmittag auch hierzulande einige Werte und Indizes stärker ins Plus hievte. Die zuletzt abgestraften Aktien mit KI-Fantasie eroberten wieder die Spitze des EuroStoxx <EU0009658145>, der am Ende 1,53 Prozent auf 6.344,40 Zähler zulegte. Der Leitindex der Eurozone kehrte damit nach einem schwachen Vortag wieder um in Richtung Rekordhoch, das Anfang Juli bei 6.431 Zählern erreicht worden war.
Außerhalb des Euroraums gingen die jüngsten Gewinnmitnahmen in der Schweiz weiter. Nach seiner Rekordjagd knüpfte der SMI <CH0009980894> mit einem Abschlag von 0,65 Prozent auf 14.392,49 Punkte an seine Vortagsverluste an. Der britische FTSE 100 <GB0001383545> verlor 0,10 Prozent auf 10.897,27 Zähler. Im Verlauf war er auf ein Rekordhoch gestiegen. Nahe der 11.000-Punkte-Marke ging ihm aber die Luft aus.
Nicht mehr steigende Ölpreise brachten am Donnerstag auch etwas Erleichterung und außerdem blieb nach dem Zinsentscheid vom Vorabend die Debatte über die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed im Fokus. In Europa gab es positive Konjunktursignale: Die Wirtschaft der Eurozone war im Frühjahr stärker gewachsen als erwartet. Zudem verbesserte sich die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone im Juli weiter. Die Stärke des Euroraums könnte unterschätzt werden, merkten die Volkswirte der ING dazu an.
Microsoft sorgte bei dem US-Tech-Index Nasdaq 100 <US6311011026> für eine etwa dreiprozentige Erholung, die sich vor allem bei den zuletzt abgestraften Werten mit KI-Bezug zeigte. Dies erstreckte sich dann auch nach Europa, wo die Titel von ASML <NL0010273215>, Siemens Energy <DE000ENER6Y0> und Infineon <DE0006231004> zu den größten Gewinnern gehörten.
Die Nase vorn im EuroStoxx hatte aber Schneider Electric <FR0000121972> mit mehr als zehn Prozent Plus. Die Franzosen sind auch ein bedeutender Profiteur der KI-Bewegung. Als zusätzlicher Kurstreiber fungierten bei den Papieren die wegen des Rechenzentren-Booms erhöhten Jahresziele.
In der europäischen Sektorwertung setzten sich allerdings einige noch vor die Tech-Werte. Bauwerte profitierten von den Gewinnen des Schwergewichts Vinci <FR0000125486>. Besonders begehrt waren aber Banken <EU0009658806> und Minenwerte <EU0009658624>, deren Teilindizes um bis zu 2,7 Prozent zulegten.
Im Bankensektor überzeugte einerseits die französische Großbank Societe Generale <FR0000130809> mit erhöhten Spar- und Renditezielen. Auch bei der spanischen BBVA <ES0113211835> und der niederländischen ING <NL0011821202> honorierten Anleger die Resultate mit jeweils etwa fünf Prozent Kursgewinn.
Im eigentlich schwächeren Konsumgüterbereich fiel L'Oreal <FR0000120321> mit einem Anstieg um 2,7 Prozent positiv auf. Der französische Kosmetikkonzern war dank einer starken Nachfrage nach Haarpflegeprodukten im zweiten Quartal kräftig gewachsen.
Es gab aber auch herbe Enttäuschungen. Aktien von Sanofi <FR0000120578> fielen trotz überraschend starker Quartalszahlen und erhöhter Ziele um etwa neun Prozent. Der erste Bericht der neuen Konzernchefin Belén Garijo verdeutliche den Bedarf für neue Medikamente, hieß es. Das Wachstum stütze sich zu sehr auf ein bereits in die Jahre gekommenes Medikament.
Im Ölsektor kam kein Rückenwind mehr vom Ölpreis, aber auch nicht vom Schwergewicht Shell <GB00BP6MXD84>, dessen Aktie in London nach ihrem zuletzt guten Lauf knapp im Minus schloss. Im zweiten Quartal hatte der britische Energiekonzern trotz Produktionsausfällen im Nahen Osten einen bereinigten Gewinn erzielt, der die Erwartungen übertroffen hatte./tih/he