FRANKFURT (dpa-AFX) - Wegen der erneuten Eskalation in Nahost hat der Dax <DE0008469008> am Montag einen Teil seiner kräftigen Freitagsgewinne wieder abgegeben. Die Situation in der Straße von Hormus ist weiterhin unübersichtlich und stark angespannt. Nachdem der Iran am Freitag die Öffnung der Meerenge bis zur restlichen Dauer der Waffenruhe am Mittwoch angekündigt hatte, wurde dies nach nur einem Tag wieder zurückgenommen.
Als Grund nannte die Armeeführung die fortdauernde Blockade iranischer Häfen durch die USA. Zudem lehnt die iranische Führung laut einem Bericht der Staatsagentur Irna ein zweites Treffen mit US-Vertretern ab und verwies neben der Blockade auf übertriebene Forderungen und einen ständigen Kurswechsel der USA. Die Ölpreise stiegen wieder deutlich und die Anleger am Aktienmarkt meiden erneut Risiken.
Im frühen Handel büßte der Leitindex 1,5 Prozent auf 24.341 Punkte ein, hielt sich damit aber weiter über der viel beachteten 200-Tage-Durchschnittslinie. Diese gleitende Linie ist für charttechnisch interessierte Anleger ein wichtiger Indikator für den längerfristigen Trend. Der MDax <DE0008467416> mit den mittelgroßen Werten verlor 1,6 Prozent auf 31.430 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx <EU0009658145> ging um 1,4 Prozent abwärts.
"Die wiederholten Störungen einer der wichtigsten Energiehandelsrouten unterstreichen die Fragilität der Lage und dämpfen die Hoffnung auf ein zeitnahes, tragfähiges Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien", sagte Marktexperte Timo Emden unter Verweis auf die Lage in der Straße von Hormus. "Das wiederkehrende Wechselspiel aus Öffnung und Eskalation nimmt Züge eines geopolitischen Katz-und-Maus-Spiels an." Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC-Partners verwies angesichts des Ölpreisanstiegs auf erneute Inflationssorgen, die an den Börsen mit steigenden Zinsen assoziiert werden.
Größter Verlierer war wieder einmal der Reise- und Freizeitsektor, gefolgt von der Autobranche. Tui <DE000TUAG505> und Lufthansa <DE0008232125> gaben im MDax jeweils um 3,8 Prozent nach.
Beim Autobauer VW <DE0007664039>, dessen Papiere im Dax 2,7 Prozent verloren, kam zum allgemeinen Druck noch eine für den Konzern negative Nachricht hinzu. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat sich dafür ausgesprochen, den Bau von chinesischen Autos in den deutschen VW-Werken zu prüfen, da der Wolfsburger Autohersteller weiterhin mit Entlassungen und Überkapazitäten an seinen Standorten zu kämpfen hat. "Eine Art Offenbarungseid" nannte dies ein Händler.
Die Aktie von Wacker Chemie <DE000WCH8881> legte nach angehobenen Jahresumsatzzielen im MDax um 1,0 Prozent zu. Infolge des Iran-Kriegs verdiente der Chemiekonzern im ersten Quartal vorläufigen Zahlen zufolge operativ mehr als erwartet. Kunden hätten Bestellungen wegen des Kriegs vorgezogen, hieß es. Lanxess <DE0005470405> als Spitzenwert stiegen um 3,1 Prozent. Für diese Aktie hob Barclays<GB0031348658>-Analyst Anil Shenoy seine Schätzungen wegen der Probleme der asiatischen Konkurrenz durch den Nahost-Krieg an und sprach von einem nachlassenden hohen Importdruck.
Gewinne verbuchten zudem Aktien aus der Energiebranche. So erholten sich etwa Verbio <DE000A0JL9W6>, die bislang stark vom Iran-Krieg profitiert und am Freitag dann einen Rückschlag erlitten hatten, an der Spitze des Kleinwerte-Index SDax <DE0009653386> um 3,0 Prozent. Seit Beginn des Iran-Kriegs hatte die Aktie des Herstellers von Biokraftstoffen in der Spitze um mehr als 70 Prozent zugelegt. Im Dax gewannen RWE <DE0007037129> als Favorit 2,1 Prozent und Eon <DE000ENAG999> legten um 0,9 Prozent zu./ck/stk