LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben zum Wochenstart trotz einer erneuten Eskalation der Lage im Nahen Osten kaum zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der weltweiten Referenzsorte Sorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im August kostete im frühen Handel am Montag 72,50 Dollar und damit rund 0,7 Prozent mehr als Ende vergangener Woche. In den ersten Handelsminuten der Woche war der Preis noch um fast zwei Prozent gestiegen. Doch die Gewinne verpufften bis zum Morgen wieder weitestgehend.
Am Freitag war der Ölpreis zeitweise bis auf fast 71 Dollar gefallen. Das war das niedrigste Niveau seit Beginn des Iran-Kriegs. In den ersten Wochen und Monaten des Konflikts war der Ölpreis deutlich gestiegen. Ein Barrel der Referenzsorte Brent hatte zeitweise etwas mehr als 126 Dollar gekostet. Seit diesem Zwischenhoch Ende April ging es peu à peu nach unten. Grund für den Rückgang seit dem Hoch Ende April ist die Hoffnung auf eine Lösung im Iran-Krieg.
Am Wochenende hatte es jedoch erneut Angriffe des US-Militärs im Iran nach Attacken auf Schiffe in der Meerenge gegeben, die Washington Teheran zugeschrieben hatte. Irans Revolutionsgarden wiederum attackierten Ziele in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain. Auslöser waren unterschiedliche Auslegungen des vor rund zwei Wochen unterzeichneten Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges - insbesondere hinsichtlich der Bestimmungen zu der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus.
Beide Parteien setzen aber offenbar auf Deeskalation. "Beide Seiten werden vorerst von weiteren Maßnahmen absehen", erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus informierten Kreisen in Washington. Schiffe könnten frei verkehren, während die technischen Gespräche zur Umsetzung des Rahmenabkommens fortgesetzt werden sollen. Sie seien für die kommenden Tage geplant, sagte ein ranghoher Beamter. Zudem seien die Kanäle zur Konfliktvermeidung eingerichtet und funktionsfähig.
Nach Informationen des US-Portals "Axios" wollen sich beide Seiten diesen Dienstag in Katars Hauptstadt Doha treffen, um ihren Streit um die Straße von Hormus beizulegen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. US-Außenminister Marco Rubio hatte kürzlich technische Gespräche für diesen Montag oder Dienstag in Aussicht gestellt, die erneut in der Schweiz stattfinden sollten. Erwartet wurde, dass es dabei um Irans Atomprogramm geht.
Wegen der jüngsten Eskalation seien die Gespräche jedoch verlegt und der Schwerpunkt auf die Straße von Hormus gelegt worden, meldete "Axios". Der Iran beansprucht die Kontrolle des Schiffsverkehrs für sich. "Die Straße von Hormus wird innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt", sagte Außenminister Abbas Araghtschi am Sonntag in Iraks Hauptstadt Bagdad. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran.
Die für den Welthandel mit Öl und Dünger wichtige Meerenge hat sich für die Islamische Republik im Krieg als mächtiger Hebel entpuppt./zb/stk