WIEN (dpa-AFX) - Die Wiener Börse hat sich am Donnerstag deutlich höher aus dem Handelstag verabschiedet. Der ATX <AT0000999982> gewann 2,44 Prozent auf 6.454,79 Punkte. An den europäischen Leitbörsen ging es mehrheitlich in den Plusbereich und an der Wall Street etablierte sich im Verlauf eine klar positive Tendenz. Deutlich zulegen konnten an den US-Börsen vor allem die Technologiewerte nach stark aufgenommenen Microsoft <US5949181045>-Zahlen.
In der auf Hochtouren laufenden Berichtssaison rückten Andritz <AT0000730007>, AMAG, Erste Group <AT0000652011> und Verbund mit Quartalszahlen in den Fokus. Die auffälligste Kursreaktion gab es bei Andritz mit einem Plus von mehr als neun Prozent. Der Anlagenbauer hatte im ersten Halbjahr 2026 einen Rekord beim Auftragsbestand verzeichnet.
"Der Auftragseingang übertrifft die Erwartungen nach dem Rekordwert von 3,5 Milliarden Euro im vergangenen Quartal deutlich. Der starke Auftragsbestand schlägt sich nun schneller als erwartet in Umsätzen nieder und trägt so zur Profitabilität bei", schrieben die Analysten von Erste Group in einer ersten Einschätzung. Die Prognosen für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 wurden von Andritz bestätigt, wobei die Vorhersage für 2026 laut Einschätzung der Erste-Experten konservativ erscheint.
Die Ergebnisse von Erste Group sind dank des neuen Polen-Geschäfts, das in diesem Jahr erstmals in die Bilanz einfließt, deutlich gewachsen. Die Bank erzielte einen Nettogewinn von knapp 2,0 Milliarden Euro, das waren18,6 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Den Ausblick hob die Bank an. Die Erste-Aktie legte um 0,8 Prozent zu.
Die anhaltende Trockenheit sowie niedrigere Strompreise belasten Österreichs größten Stromerzeuger, den teilstaatlichen Verbund. Der Gewinn war im ersten Halbjahr 2026 um mehr als ein Drittel auf 518 Millionen Euro eingebrochen. Der Umsatz sank um 11 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen Gewinn von rund 1 bis 1,2 Milliarden Euro, wovon die Hälfte an die Aktionäre ausgeschüttet werden soll. Erste Group bewertete die Ergebnisse für das abgelaufene Jahresviertel als wie erwartet schwach. Die Verbund-Anteilscheine verloren 2,6 Prozent.
Die Analysten von Barclays bestätigten ihre Einstufung "Equal Weight" für die Aktien von Verbund in Reaktion auf die gemeldeten Halbjahreszahlen. Auch das Kursziel von 64,0 Euro für die Titel des Stromversorgers wurde unverändert belassen.
Der Aluminiumkonzern AMAG (Austria Metall AG) steigerte im ersten Halbjahr trotz Iran-Krieg und US-Zöllen die Erlöse und den Gewinn deutlich. Das Ergebnis nach Ertragssteuern kletterte im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 74 Prozent auf 40,7 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 8 Prozent auf 850,7 Millionen Euro. Die AMAG-Papiere zogen um mehr als fünf Prozent an.
Die Raiffeisenbank International (RBI) hat am Donnerstag beim Landesgericht für Zivilrechtssachen (LGZ) Wien eine Milliardenklage gegen den russischen Strabag <AT000000STR1>-Kernaktionär Rasperia Trading Limited eingebracht. Auf Grundlage einer österreichischen Gerichtsentscheidung will RBI in Österreich 3,15 Milliarden Euro und somit jenen Schaden kompensieren, der ihrer Tochter in Russland durch Rasperia-Klagen entstanden ist. Die RBI-Titel gewannen 3,1 Prozent.
Ohne Zahlenvorlage zeigte die AT&S-Aktie <AT0000969985> in einer sehr starken Branchenstimmung mit einem Kurssprung um fast 13 Prozent eine auffällige Kursveränderung. Lenzing-Papiere gewannen weitere 6,4 Prozent.
Bawag <AT0000BAWAG2> ist der Übernahme der irischen Bank PTSB einen großen Schritt näher gerückt. Deren Aktionäre stimmten auf der Hauptversammlung mit 91 Prozent für das Geschäft und machten damit den Weg für den Kauf frei. Die Übernahme soll im vierten Quartal 2026 oder im ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Die Genehmigungen vom irischen High Court und der Regulatoren stehen noch aus. Die Bank legt für die Komplettübernahme der Iren 1,6 Milliarden Euro auf den Tisch. BAWAG-Titel gingen mit plus 4,1 Prozent aus dem Handelstag.
Ins Blickfeld rückte auch eine Konjunkturprognose für Österreich. Die Wirtschaftsleistung stagnierte im zweiten Quartal. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Schnellschätzung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo). Der durch den Iran-Krieg deutlich gestiegene Erdölpreis habe die österreichische Wirtschaft im zweiten Quartal belastet und dadurch die konjunkturelle Erholung unterbrochen. Die Konjunkturprognose für 2026 bleibt laut den Wirtschaftsforschern aber bestehen./ste/sto/APA/he