FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutsche Staatsanleihen haben am Freitag nach einem zunächst verhaltenen Start zugelegt. Der richtungweisende Euro-Bund-Future <DE0009652644> stieg um 0,32 Prozent auf 125,76 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 2,99 Prozent.
Den Renditerückgang am späten Nachmittag begründeten Händler mit neuen Hoffnungen auf weitere Verhandlungen zwischen den USA und Teheran im Iran-Krieg. Irans Außenminister Abbas Araghtschi wird am Abend zu Gesprächen in Pakistan erwartet. Zudem wird US-Präsident Donald Trump laut dem Fernsehsender CNN unter Berufung auf Regierungsvertreter den Sonderbeauftragten Steve Witkoff sowie seinen Schwiegersohn Jared Kushner an diesem Wochenende nach Pakistan entsenden, um dort Gespräche mit Araghtschi zu führen. Dies milderte etwas die zuletzt aufgekommenen Inflationssorgen im Zusammenhang mir den aktuell hohen Ölpreisen.
Insgesamt jedoch findet der Anleihenmarkt bereits seit Ende März keine klare Richtung. Die Lage an der für den globalen Warenverkehr wichtigen Straße von Hormus bleibe verfahren, schrieb Anleihen-Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Sowohl die USA als auch der Iran benutzten die Meerenge als Druckmittel gegen die jeweils andere Seite.
Mit Blick auf die Straße von Hormus stehe in den kommenden Tagen die Frage im Fokus, wie lange die Pattsituation zwischen den USA und Iran andauert, fuhr Völker fort. Diese könnte die Woche der Notenbanken überschatten. Am Dienstag veröffentlicht die japanische Notenbank ihre geldpolitischen Entscheidungen, am Mittwoch folgen die Fed und die kanadische Notenbank, bevor am Donnerstag die Europäische Zentralbank und die Bank of England an der Reihe sind. Viele Notenbanken dürften dem Experten zufolge in einer abwartenden Haltung verharren, bis mehr Informationen zu den Auswirkungen des Iran-Kriegs vorliegen.
Angesichts der geopolitisch unsicheren Lage bewegten Konjunkturdaten am Freitag kaum. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April wegen des Iran-Kriegs weiter deutlich verschlechtert und den tiefsten Stand seit der Corona-Krise erreicht, wie das Münchner Forschungsinstitut Ifo mitteilte. "Der Iran-Krieg macht die deutsche Konjunktur langsam aber sicher kaputt", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank. Je länger er anhalte, umso mehr machten sich Preisüberwälzungen in andere Sektoren als Heizöl und Benzin bemerkbar./la/he