(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, DZ Bank, Kurs)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Teils höhere Preise und das laufende Sparprogramm haben Wacker Chemie <DE000WCH8881> im Sommerquartal angetrieben. Viele europäische Chemiefirmen profitieren von höheren Preisen, da die Konkurrenz aus Asien viel stärker unter den Folgen des Iran-Kriegs leidet. Denn Lieferungen von Öl und Erdgas als Rohstoffe der Branche nach Asien sind gestört. Die Jahresziele für Umsatz und operativen Gewinn bestätigte Wacker Chemie, wobei beim Gewinn nun die obere Hälfte der Spanne in Aussicht gestellt wird. Die Nettoverschuldung soll indes niedriger ausfallen als bisher gedacht, auch wegen der Einnahmen aus dem Verkauf von Aktien der Beteiligung Siltronic <DE000WAF3001>.
Bei einem Umsatzwachstum von gut 9 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro verdoppelte Wacker den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im dritten Quartal im Jahresvergleich nahezu auf rund 217 Millionen Euro. Damit übertraf der im MDax <DE0008467416> notierte Konzern die durchschnittliche Schätzung von Analysten etwas. Unter dem Strich blieben 87 Millionen Euro hängen, nachdem vor einem Jahr noch ein Verlust von 82 Millionen aufgelaufen war.
Das starke Wachstum des operativen Gewinns sei in erster Linie auf das Effizienzprogramm zurückzuführen, das seit rund einem Jahr läuft und ab 2028 eine Jahresersparnis von über 300 Millionen Euro bringen soll. Hinzu kam ein Sondereffekt aus einer Vertragsauflösung im Geschäftsbereich Polysilicon.
Die Ergebnisse des dritten Quartals entsprechen latu Analyst Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan im Großen und Ganzen den Erwartungen hinsichtlich des operativen Gewinns, wobei der freie Finanzmittelzufluss deutlich stärker ausfalle als von ihm gedacht. Das sei aber teilweise auf einen einmaligen Vorteil aufgrund einer technischen Änderung des Rechnungslegungsansatzes zurückzuführen. Der unveränderte Unternehmensausblick für 2026 entspreche weitgehend den Erwartungen, so Udeshi weiter.
Für 2026 stellt Wacker-Chemie-Chef Christian Hartel weiter ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich sowie einen operativen Gewinn von 625 bis 750 Millionen Euro in Aussicht, wobei die obere Hälfte der Bandbreite erreicht werden dürfte. Analysten hatten zuvor bereits mit etwa 720 Millionen gerechnet. Wie das Wacker-Management in einer Telefonkonferenz mit Analysten betonte, müssten wegen der verbesserten Geschäftsentwicklung auch Bonusrückstellungen für die Angestellten gebildet werden. Auch daher werde von der oberen Hälfte der Zielspanne gesprochen und nicht vom oberen Ende.
Branchenexperte Peter Spengler von der DZ Bank hob den fairen Wert für die Aktien von Wacker Chemie von 89 auf 100 Euro und stufte die Papiere wegen des dadurch implizierten Kurspotenzial von "Halten" auf "Kaufen" hoch. Er verweist auf das lange Zeit schwächelnde Geschäft mit dem Solar- und Chipindustriegrundstoff Polysilizium, dem insbesondere bei Solarsilizium Konkurrenz aus Asien zu schaffen macht.
Die USA hatten im Sommer Maßnahmen ergriffen, um US-Polysilizium-Hersteller zu schützen. Präsident Donald Trump hatte ein Dekret erlassen, das neben Mindesteinfuhrpreise für Polysilizium und entsprechende Folgeprodukte auch einen pauschalen Zoll in Höhe von 15 Prozent für verarbeitete Produkte vorsieht. Mit diesen Maßnahmenm, die Anfang Dezember in Kraft treten, soll auch Wacker Chemie geschützt werden, das neben Standorten in Deutschland auch in Charleston im US-Bundesstaat Tennessee Polysilizium produziert.
In der Präsentation zu den Quartalszahlen betont Wacker Chemie aber, dass die Maßnahmen den US-Polysiliziumsektor nicht "wiederbelebten". Es brauche echte Anreize für Firmen außerhalb der USA, Polysilizium in den USA zu kaufen und die damit produzierten Solarzellen, -module dann in die USA einzuführen, sagte Hartel.
DZ-Bank-Analyst Spengler geht davon aus, dass sich der Konzern die Entwicklungen noch bis Ende 2026 anschauen wird. Bei negativem Ausgang oder weiterer Verzögerung erwarte er die Stilllegung von einem der drei Produktionsstandorte, nicht jedoch den im Stammwerk Burghausen. "Dies dürfte die Profitabilität mittelfristig erhöhen."
An der Börse griffen Anleger zu: Der Aktienkurs von Wacker Chemie stieg bis zum Nachmittag um rund vier Prozent auf 86,40 Euro. Mit einem Jahresplus von rund 25 Prozent geht die seit Montag laufende Erholung also weiter. Bis zum Jahreshoch von fast 106 Euro Anfang Juni fehlt aber noch ein gutes Stück. Der seither laufende Abwärtstrend hat Bestand./mis/lew/stk/jha/