BERLIN (dpa-AFX) - Bei den Dürre-Schäden in der deutschen Landwirtschaft handelt es sich nach Einschätzung von Bundesagrarminister Alois Rainer um eine Krise von nationaler Tragweite. Deshalb will der CSU-Politiker den Agrarbetrieben im Umfang von einer Milliarde Euro finanziell unter die Arme greifen. Im Zentrum der Hilfen stehen zwei Liquiditätsprogramme, bei denen Landwirte ohne bürokratischen Aufwand Darlehen zu niedrigen Zinsen erhalten sollen. Der Deutsche Bauernverband hält das allerdings für nicht ausreichend.
Ein formales "Schadensereignis von nationalem Ausmaß" wie bei der Dürre 2018 oder dem Hochwasser 2021 rief Rainer nicht aus. Nur dann leistet der Bund nämlich parallel zu den Ländern finanzielle Hilfe zum Schadensausgleich.
Aber auf eine Unterstützung der Landwirtschaft will Rainer trotzdem nicht verzichten. "Wenn die Substanz unserer Betriebe dauerhaft gefährdet ist, dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", erläuterte der Minister in Berlin. Die Landwirte müssten handlungsfähig bleiben, um die Ernährungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.
Neben den Liquiditätsprogrammen soll es unter anderem steuerliche Erleichterungen sowie gezielte Düngemittelhilfen geben. Außerdem kündigte Rainer an, die Direktzahlungen an die deutsche Landwirtschaft im kommenden Jahr einmalig auf 700 Millionen Euro zu erhöhen.
Bauernverband fordert zusätzliche Maßnahmen
Der Bauernverband reagierte enttäuscht. Die angekündigten Liquiditätsprogramme zeigten Handlungswillen, seien aber nicht ausreichend, sagte Generalsekretärin Stefanie Sabet. "Die Betriebe brauchen kurzfristig liquide Mittel im Herbst, um die nächste Ernte zu finanzieren."
Darüber hinaus forderte sie, die Düngemittelhilfen von 60 Millionen auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Überdies müssten 80 Prozent der zugesagten Direktzahlungen schon vorzeitig im Oktober fließen.
Der Verbraucherorganisation Foodwatch gehen hingegen schon die jetzigen Hilfen zu weit. "Die Antwort der Bundesregierung auf die Krise der Landwirte darf nicht sein, Millionen an Steuergeld ohne Bedingungen in den Sektor zu pumpen", betonte Foodwatch-Expertin Annemarie Botzki. Wer öffentliche Hilfe bekommt, müsse auch mehr Verantwortung für Wasser- und Klimaschutz übernehmen - etwa durch weniger Nutztierhaltung und weniger Pestizide.
"Verheerende Spuren" in der Erntebilanz 2026
Hintergrund der Maßnahmen ist die Erntebilanz, die wegen des Dürre-Sommers vielerorts enttäuschend ausgefallen ist. In einigen Regionen hätten Trockenheit und Hitze teils "verheerende Spuren" hinterlassen, sagte Rainer.
Die Erntemenge beim Getreide sank demnach mit rund 37,4 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent; in Bayern lag das Minus bei 8,6 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern - dem größten Rapsanbauland - gingen die Hektarerträge sogar um rund 25 Prozent zurück.
Dazu kommen steigende Produktionskosten - vor allem bedingt durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten - bei gleichzeitig sinkenden Erzeugerpreisen. Die Landwirtschaft stehe deshalb vor "multifaktoriellen Herausforderungen", sagte Rainer: "Es geht um die wirtschaftliche Existenz unserer Betriebe."/ax/DP/jha