NEW YORK (dpa-AFX) - Nach der Erholung am Vortag sind US-Technologiewerte zum Wochenschluss wieder unter Druck geraten. Marktbeobachter verwiesen am Freitag auf zunehmende Zweifel der Anleger, ob die Konsumenten die anstehenden Preisanhebungsrunden bei den Technologiekonzernen noch in der Masse mittragen werden. Börsianer sprachen zudem von einer gewissen Rotation weg von Chipherstellern hin zu einer breiteren Kategorie von Unternehmen, deren Wachstumsaussichten sich derzeit verbesserten. Standardwerte gaben denn auch nur geringfügig nach.
Der Nasdaq 100 <US6311011026> fiel um 1,09 Prozent auf 29.118,24 Punkte. Anleger machten bei solchen Aktien Kasse, deren Kurse zuvor im Zuge der Hoffnung auf hohe Gewinne mit Künstlicher Intelligenz (KI) in die Höhe geschnellt waren. Für den technologielastigen Index ergibt sich auf Wochensicht ein Verlust von 4,24 Prozent.
Der marktbreite S&P 500 <US78378X1072> gab am Freitag um 0,05 Prozent auf 7.354,02 Punkte nach. Der Dow Jones Industrial <US2605661048> fiel um 0,09 Prozent auf 51.876,11 Punkte. Hier steht auf Wochensicht ein Gewinn in Höhe von 0,60 Prozent zu Buche. Erst am Donnerstag hatte der Leitindex ein Rekordhoch erreicht.
"Die Anlegerstimmung hat sich angesichts des Technologie-Ausverkaufs zunehmend eingetrübt, doch der breitere Markt zeichnet ein anderes Bild", sagte Marktstratege Mark Hackett von der Nationwide Investment Management Group. Statt des Beginns eines größeren Abschwungs sehe es eher nach einer Konsolidierungsphase im Verborgenen aus.
Aus Hacketts Sicht sind die fundamentalen Rahmenbedingungen weiterhin günstig: Die Verbraucher konsumierten nach wie vor, Unternehmen investierten, und die Gewinnerwartungen stiegen weiter.
Halbleiteraktien gaben auf breiter Front nach, da die Anleger angesichts angekündigter Preiserhöhungen bei Apple-Produkten <US0378331005> und jenen anderer Elektronikunternehmen zunehmend die Nachhaltigkeit der Chip-Nachfrage anzweifeln. Eine mögliche Verzögerung des Börsengangs des KI-Highflyers und ChatGPT-Erfinders OpenAI, über die die "New York Times" berichtete, dämpfe zudem die Risikobereitschaft, hieß es.
Die Bedenken angesichts hoher Bewertungen rund um Künstliche Intelligenz seien zurück, schrieb Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Hinzu komme die Sorge wegen einer möglichen Knappheit an Speicherchips. "Die Stimmung ist gerade dabei, sich zu drehen. Anlegerinnen und Anleger werden generell vorsichtiger. Die Risikoaversion nimmt zu."
So fielen die Papiere von Micron <US5951121038> um 6,7 Prozent, nachdem sie am Donnerstag um gut 16 Prozent auf ein Rekordhoch geklettert waren. Für die Anteilsscheine der KI-Chipwerte AMD <US0079031078> und Marvell Technology <US5738741041> ging es um 2,1 und 5,2 Prozent nach unten.
Die Aktien von On Semiconductor <US6821891057> sackten um fast ein Viertel ab, nachdem der Chiphersteller die Übernahme von Synaptics <US87157D1090> im Zuge eines reinen Aktientauschs avisiert hatte. Analysten befürchten, dass die Übernahme eines Unternehmens, das im Bereich Smart Devices tätig ist, das Kerngeschäft mit Halbleitern für KI-Rechenzentren beeinträchtigen könnte. Die Anteilsscheine von Synaptics verloren nach deutlichen Schwankungen am Ende 3,7 Prozent.
Für die Papiere des Raumfahrtunternehmens Rocket Lab <US7731221062> ging es um fast fünf Prozent nach oben. Der Anbieter von Trägerraketen hatte bekanntgegeben, dass die US-Weltraumbehörde Nasa ihn ausgewählt hat, ab Anfang 2027 drei Starts für die beiden Missionen PolSIR und TSIS-2 durchzuführen./la/stw
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---