Von Alu bis Öl: Nahost-Konflikt löst globalen Rohstoffschock aus
Mainz (ots) - Vier Wochen nach Beginn der amerikanisch-israelischen Offensive
gegen den Iran sorgen anhaltende Störungen der Rohstoffversorgung über die
Straße von Hormus weiterhin für massive Preisschwankungen. Besonders stark unter
Druck stehen derzeit die Märkte für Öl und Gas, Düngemittel, petrochemische
Derivate sowie Aluminium.
Die Angriffe auf den Industriekomplex Ras Laffan in Katar haben die
Energiemärkte erneut in Aufruhr versetzt. Brent-Öl erreichte vergangene Woche
einen Höchststand von 119 US-Dollar und verteuerte sich damit innerhalb eines
Monats um 50 Prozent. Die Preisentwicklung verläuft jedoch sehr unterschiedlich:
Rohöl aus dem Oman überschritt die Marke von 160 US-Dollar pro Barrel, während
die US-Sorte WTI bei rund 100 US-Dollar pro Barrel verharrte.
"Mit zunehmender Dauer des Konflikts weiten sich die Preissteigerungen entlang
der gesamten Wertschöpfungskette aus", sagt Simon Lacoume. So erreichten die
Preise für reguläres Benzin in den USA ein historisches Hoch von 3,96 US-Dollar
pro Gallone, ein Anstieg um 35 Prozent innerhalb eines Monats. In Asien haben
sich die Dieselpreise in Singapur seit Beginn des Konflikts nahezu verdreifacht
und liegen bei 256 US-Dollar pro Barrel, während sich die globalen Kerosinpreise
laut International Air Transport Association (IATA) verdoppelt haben.
Globale Gaskrise verschärft sich
Auch die Erdgaspreise steigen: In Europa kletterten die Preise für Gas-Futures
am niederländischen TTF-Gasmarkt binnen eines Monats um 85 Prozent auf 55 Euro
pro Megawattstunde. Der asiatische LNG-Preisindex Japan/Korea Marker (JKM) hat
sich im gleichen Zeitraum ebenfalls verdoppelt und verdeutlicht die anhaltende
Verwundbarkeit importabhängiger Märkte. Im Vergleich dazu erscheint der US-Markt
zwar weniger anfällig für Versorgungsunterbrechungen - doch auch dort stehen die
Preise unter erheblichem Druck. Der Henry Hub Index, maßgeblicher Referenzpreis
für US-Erdgas, legte um 36 Prozent im Monatsvergleich zu.
Naphtha +60%: Petrochemie mit kritischen Engpässen
Die Petrochemie ist ein zentraler Baustein der Weltwirtschaft, von Kunststoffen
über Textilien bis hin zu Hightech-Materialien. Die Golfstaaten sind Asiens
wichtigster Lieferant für petrochemische Produkte. Eine Tonne Naphtha kostet in
Singapur inzwischen 1.000 US-Dollar, was einem Anstieg von mehr als 60 Prozent
seit Beginn des Konflikts entspricht. Die Kombination aus der angespannten Lage
in der Straße von Hormus und historisch niedrigen asiatischen Lagerbeständen von
nur zwei bis drei Wochen hat die Preise für Polymere wie Polypropylen,
Polyethylen, Polystyrol und PVC deutlich nach oben getrieben.
Auch der Markt für Schwefel, zentraler Rohstoff für die Aufbereitung von Kupfer-
und Nickelerzen, ist betroffen. Ein Preisanstieg von 25 Prozent innerhalb eines
Monats setzt große, stark abhängige Produzenten wie Chile, die Demokratische
Republik Kongo und Indonesien unter erheblichen Druck.
Trotz "günstigem" Agrarkalender: Auch Dünger wird teurer
Dank niedriger Energiepreise spielen die Golfstaaten eine Schlüsselrolle im
globalen Düngemittelmarkt. Sie stehen für rund 19 Prozent der weltweiten Exporte
von Stickstoffdüngern und für 36 Prozent des globalen Harnstoffvolumens.
Saudi-Arabien zählt außerdem zu den größten Phosphatexporteuren. Da Erdgas bis
zu 80 Prozent der Produktionskosten von Stickstoffdüngern ausmacht, führt der
sprunghafte Gaspreisanstieg automatisch zu höheren Düngemittelpreisen. Der Preis
für eine Tonne granulierten Harnstoff, produziert im Nahen Osten, stieg seit
Beginn des Konflikts um 37 Prozent auf 665 US-Dollar.
"Die Auswirkungen bleiben bislang vor allem wegen des günstigen Zeitpunkts im
Agrarkalender begrenzt. Momentan scheinen lediglich US-Getreideproduzenten
betroffen zu sein. Sollten die Störungen jedoch anhalten, wären zu einem
späteren Zeitpunkt auch Brasilien, Indien und sogar Europa deutlich stärker
gefährdet", erklärt Simon Lacoume.
Aluminiumpreise steigen weltweit
Durch die Hormus-Blockade können die Golfstaaten, die acht Prozent der
weltweiten Aluminiumproduktion ausmachen, weder ihr Aluminium exportieren noch
die für ihre Schmelzen benötigten Rohstoffe wie Bauxit und Tonerde importieren.
Am 16. März kündigte Aluminium Bahrain, das ein Viertel der regionalen
Aluminiumproduktion verantwortet, die Stilllegung von 19 Prozent seiner
Produktionskapazität an. Dies entspricht fünf Prozent der gesamten
Aluminiumproduktion der Region.
Der Schock greift inzwischen weit über die Region hinaus: In Mosambik stellte
der Mozal-Konzern seine Aktivitäten ein und verwies dabei auf untragbar hohe
Energiekosten. Vor diesem Hintergrund steigen die Aluminiumpreise weiter an. Im
Monatsvergleich erhöhten sie sich um 11,5 Prozent und erreichten am 12. März
einen Spitzenwert von 3.500 US-Dollar pro Tonne - ein Anstieg von fast 25
Prozent im Jahresverlauf.
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