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News

08.06.2026 | 06:35:04 (dpa-AFX)
ROUNDUP: Forscher warnen vor Wettrüsten der Atommächte

STOCKHOLM (dpa-AFX) - Kriege, Konflikte und geopolitische Spannungen auf der Welt drohen die neun Atommächte in eine Spirale der Aufrüstung zu treiben. Das geht aus einem neuen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri hervor. "Wir stecken bereits mitten in einem neuen nuklearen Wettrüsten", sagte Sipri-Experte Matt Korda der Deutschen Presse-Agentur. "Jeder Nuklearstaat baut sein Atomwaffenarsenal entweder quantitativ oder qualitativ aus - und manche tun beides."

Gleichzeitig löse die Modernisierung und Verbesserung der Arsenale eine Art Kettenreaktion aus, in der die Maßnahmen, die ein Land ergreife, zu ähnlichen Schritten in anderen Nuklearstaaten führten. "Dieser Kreislauf ist extrem schwer zu durchbrechen", sagte Korda.

Laut dem aktuellen Bericht der Friedensforscher nutzen die Atommächte ihre Arsenale stärker zur Abschreckung. Moskau etwa hat im Angriffskrieg in der Ukraine auf sein Atompotenzial angespielt, um westliche Länder von der Unterstützung für die Ukraine abzuhalten.

Weniger Transparenz ohne Abkommen zwischen USA und Russland

Zudem ist der Rüstungskontrollvertrag New Start zwischen Russland und den USA im Februar ausgelaufen, ohne dass ein Nachfolgeabkommen zustande kam. Deshalb könnten die beiden großen Atommächte theoretisch viele hundert Sprengköpfe auf ihre bestehenden Trägersysteme laden, ohne auch nur einen einzigen neuen Träger bauen zu müssen, meinte Sipri-Forscher Korda. Ohne entsprechende Verträge entschieden sich Atomwaffenstaaten außerdem zunehmend dafür, wichtige Details über ihre nuklearen Fähigkeiten nicht mehr offenzulegen, warnte der Experte.

"Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass die Atomwaffenstaaten ihre Abrüstungsverpflichtungen vernachlässigen oder sogar ganz aufgeben und stattdessen ihre nukleare Stärke zur Schau stellen", sagte Sipri-Forscher Hans Kristensen laut einer Mitteilung. "Indem sie nach nuklearen Lösungen greifen, schaffen Staaten neue Risiken und schüren die Dynamik des Wettrüstens."

In diesem Wettrüsten übernehme Europa eine immer aktivere Rolle, so die Forscher. "Allein im vergangenen Jahr haben wir die Anfänge einer Ausweitung der Partnerschaft zur Lastenteilung im Nuklearbereich beobachtet, an der Frankreich, das Vereinigte Königreich und mehrere andere Länder, darunter Deutschland, beteiligt sind", sagte Sipri-Experte Korda. Ein Grund: Zweifel an der Verlässlichkeit der USA.

Russland und die USA verfügen nach Sipri-Schätzungen zusammen über rund 83 Prozent aller gelagerten Nuklearsprengköpfe (Russland: 5420, USA: 5042). Nach dem Ende des Kalten Krieges hatten die beiden Länder ausgemusterte Sprengköpfe zunächst nach und nach abgebaut. Der weltweite Bestand der Atomwaffen war dadurch schrittweise gesunken.

"Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren umkehren, da sich das Tempo der Abrüstung verlangsamt, während die Stationierung neuer Atomwaffen zunimmt", berichtete das Sipri-Institut. Die Modernisierungsprogramme beider Länder stehen jedoch laut den Forschern vor planerischen und finanziellen Herausforderungen.

China baue sein Atomwaffenarsenal derweil schneller aus als jedes andere Land. Bei seiner Militärparade 2025 präsentierte das Land mehrere neue Nuklearsysteme und verfügt inzwischen nach Sipri-Schätzungen insgesamt über rund 620 Atomsprengköpfe.

Mehr Atomsprengköpfe in höchster Einsatzbereitschaft

Nach Schätzungen der Friedensforscher verfügten die neun Atomwaffen-Mächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel im Januar 2026 über 12.187 Atomsprengköpfe. Etwa 9745 davon befanden sich den Forschern zufolge in militärischen Beständen für den potenziellen Einsatz.

Mehr als im Vorjahr - schätzungsweise 4012 Stück - waren den Angaben zufolge auf Raketen und Flugzeugen platziert. Zwischen 2100 und 2200 wurden demnach auf ballistischen Raketen in höchster Einsatzbereitschaft gehalten - fast alle dieser Sprengköpfe befanden sich im Besitz von Russland oder den USA und in geringerem Maße von Großbritannien und Frankreich. In der EU ist Frankreich nach dem Austritt Großbritanniens inzwischen die einzige Atommacht./DP/zb

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08.06.2026 | 06:19:56 (dpa-AFX)
Gesucht: Geldgeber für Start-Ups

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die kleine Szene der Risikoinvestoren in Deutschland umwirbt mit Rückendeckung der Bundesregierung die großen Platzhirsche auf dem Finanzmarkt: Mit fünfzehn Milliarden Euro jährlichen Risikokapitals für hoffnungsvolle Start-Ups könnte das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach jahrelanger Stagnation wieder in Schwung kommen, argumentieren die 24 Fonds und Investoren in einem Strategiepapier, das am heutigen Montag im Beisein von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin vorgestellt werden soll. Hauptadressaten sind große Vermögensverwalter und Kapitalanleger.

Die 24 Fonds haben sich als "German Venture and Growth Forum" (Deutsches Wagnis- und Wachstumsforum) zusammengeschlossen und verweisen auf das Beispiel der USA, deren Wirtschaftswachstum das in der EU in den vergangenen 25 Jahren weit hinter sich gelassen hat. Etliche der heute immens hoch bewerteten und profitablen US-Techkonzerne sind aus Start-ups hervorgegangen, die in ihren Anfangsjahren von Risikokapitalgebern profitierten. Hauptargument: Ohne Risikokapital kein Wachstum

"Die wachsende Wirtschaftslücke zwischen den USA und Europa geht zu einem großen Teil auf den Mangel an Wachstumskapital zurück", argumentiert Tech-Investor Alexander Kudlich. Die 24 Fonds verweisen auf Schätzungen, denen zufolge Start-ups in Europa Millionen Arbeitsplätze schaffen und eine Kapitalisierung von über drei Billionen Dollar erreichen könnten, sofern ausreichend Kapital bereitstände.

... denn ohne Geld wird aus einem Start-up keine große Firma

Die Initiative zielt auf ein seit Jahren bekanntes, aber bislang ungelöstes Problem: In Deutschland stehen für Start-ups in der Gründungsphase häufig staatliche Fördermittel zur Verfügung. Doch dauert es auch bei vielversprechenden Jungunternehmen mit innovativer Technologie oft viele Jahre, bis sie Gewinne erwirtschaften. In der Zwischenzeit sind die Firmen auf externe Investoren angewiesen, die die Verlustphase überbrücken.

An diesem Typ von Geldgebern fehlt es in Deutschland nach wie vor, lediglich Rüstungs-Start-ups finden derzeit mühelos Investoren. Banken kommen als Kreditgeber üblicherweise nicht in Frage, weil die Institute Geld nur an gesunde Unternehmen verleihen und keine übermäßigen Risiken eingehen dürfen. "In allen Wachstumsphasen schnell skalierender Tech-Firmen mangelt es an Finanzmitteln", schreibt Martin Blessing, der frühere Commerzbank-Chef und heutige Investitionsbeauftragte von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in dem Papier.

Die Zielgruppe hat genügend Kapital

Das zielt auf die großen Vermögensverwalter in Europa, von denen etliche Bankkonzernen und Versicherungen gehören. Anders als Banken vergeben Vermögensverwalter keine Darlehen, sondern legen die Gelder ihrer Kunden in Anleihen aller Art, Aktien und sonstigen Papieren an. Eine - in dem Papier nicht genannte - europäische Großmacht auf diesem Feld ist die Allianz, deren zwei Investmentgesellschaften Ende des ersten Quartals über zwei Billionen Euro Kundengelder betreuten. Das Hindernis: Vermögensverwalter sind vorsichtig in der Geldanlage, Risikokapital zählt daher bislang nicht zu den Kerngeschäften./DP/zb

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