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News

06.09.2026 | 21:05:14 (dpa-AFX)
GESAMT-ROUNDUP 2: AfD sieht nach Wahl-Triumph Regierungsauftrag bei sich

MAGDEBURG (dpa-AFX) - Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt nach ihrem starken Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Regierung. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs könnte eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen - wenn sie Unterstützer findet. Für eine Alleinregierung reicht es laut Hochrechnungen von ARD und ZDF nicht. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze fuhr immense Verluste ein.

Die Linke büßt Stimmen ein. Die Grünen gewinnen deutlich hinzu, die SPD hält etwa ihren Stimmenanteil. Damit deutet sich eine komplizierte Regierungsbildung an. Der Einzug des BSW in den Landtag steht auf der Kippe.

Den Hochrechnungen zufolge kann die AfD ihren Stimmenanteil auf 44,2 bis 44,4 Prozent (2021: 20,8 Prozent) mehr als verdoppeln. Es wäre das beste Ergebnis, das eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei Landtagswahlen erreicht hat.

Die CDU halbiert etwa ihren Stimmenanteil und steuert mit 18 bis 18,3 (37,1 Prozent) auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu. Die Linke erhält 9 bis 9,2 Prozent (11 Prozent). Die Grünen liegen bei 8,4 bis 8,6 Prozent (5,9 Prozent), es wäre das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die SPD kommt auf 8,6 bis 9 Prozent (8,4 Prozent). Die FDP fliegt mit 2,3 bis 2,4 Prozent (6,4 Prozent) aus dem Parlament. Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht bei 4,8 bis 5,1 Prozent.

Den Hochrechnungen zufolge erhält die AfD 39 bis 41 Sitze im Landtag (2021: 23), die CDU 16 bis 17 (40). Die Linke kommt auf 8 bis 9 Mandate (12), die SPD auf 8 (9) und die Grünen auf 8 (6). Das BSW erhält laut ARD-Hochrechnung 4 Sitze.

Die Wahlbeteiligung liegt den Zahlen zufolge bei 78 bis 78,1 Prozent (2021: 60,3 Prozent) - ein Rekordwert. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte durften abstimmen.

Schwarz-rot-gelbe Regierungskoalition am Ende

Eine Neuauflage der bisher in Sachsen-Anhalt regierenden Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit ausgeschlossen. Es war das einzige derartige Bündnis auf Landesebene. Die AfD hatte eine Alleinregierung angestrebt - dafür reichen die Stimmen laut Hochrechnungen aber knapp nicht. Gleichwohl wäre es das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl. Stärkste Kraft war sie bei einer Landtagswahl schon einmal: 2024 in Thüringen. Von den übrigen Parteien will in Sachsen-Anhalt keine mit der AfD koalieren.

Um weiterregieren zu können, wäre Spitzenkandidat Schulze von der CDU unter anderem auf Stimmen der Linken angewiesen - ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. In seiner Partei gibt es auch Mitglieder, die sich für wechselnde Mehrheiten aussprechen - also auch unter Einbeziehung der AfD. Das dürfte die Linke aber nicht akzeptieren.

Eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit lehnt die CDU laut Bundesparteitagsbeschluss sowohl mit der Linken als auch der AfD für sich ab. Die Linie wird auch als "Brandmauer" bezeichnet.

Jubel bei der AfD, CDU enttäuscht

AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: "Natürlich ist es ein Regierungsauftrag." "Selbstverständlich" werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren. Seine Regierungsmannschaft stehe schon, und zwar seit Monaten.

Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiert. "Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: "Jetzt ist Schluss, jetzt spiel' ich das hier nicht mehr mit"." Da könne noch viel passieren.

Auch AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem "ganz klaren Regierungsauftrag". Co-Chef Tino Chrupalla sagte: "Ulrich Siegmund wird neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt." Chrupalla brachte im ZDF auch eine Minderheitsregierung ins Spiel.

CDU-Spitzenkandidat Schulze - erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt - gestand das Scheitern seiner Partei ein. "Es ist für uns eine Niederlage", sagte der 47-Jährige. "Ich habe nicht vor, mit der AfD zusammenzuarbeiten", sagte er im MDR. Zuvor hatte Schulze in der ARD eine klare Antwort auf den Fortbestand der "Brandmauer" vermieden. "Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft. Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen."

Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner forderte Schulzes Rücktritt als Landesparteichef. "Wenn ihm dieses Land am Herzen liegt, muss Sven Schulze Konsequenzen ziehen und vom Parteivorsitz zurücktreten. Das geht gar nicht anders", sagte sie dem "Stern".

Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), wertete die Wahl als einschneidendes Ereignis. "Das ist eine Zäsur für unser Land", sagte er. "Wir haben diese Situation noch nie gehabt, dass eine Partei, die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft ist, eine Mehrheit erreicht hat."

Grüne freuen sich, SPD erleichtert

SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete die Zahlen seiner Partei als "stabiles Ergebnis". Er betonte, die SPD setze sich mit der AfD "nicht an einen Tisch". Die SPD habe immer für demokratische Mehrheiten in dem Land gekämpft. "Wir werden hier der AfD nicht die Hand ausstrecken."

Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte zu den Zuwächsen seiner Partei, viele hätten die Grünen schon abgeschrieben, nun holten sie aller Voraussicht nach das beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt bei einer Landtagswahl. "Das erfüllt mich mit Freude und mit Stolz."

Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner nannte als Ziel, die AfD von der Regierungsmacht fernzuhalten. "Es liegt bei der CDU, zu sagen: Wer übernimmt jetzt die Verantwortung", sagte Schwerdtner mit Blick auf eine mögliche künftige Regierung mit Unterstützung der Linken. Die AfD dürfe nicht an die Schalthebel kommen.

BSW-Chefin Amira Mohamed Ali zeigt sich erfreut, der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki hingegen enttäuscht. "Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben", schrieb Kubicki auf X.

Was die AfD in Regierungsverantwortung durchsetzen will

Die AfD hatte zehn Punkte benannt, die sie sofort angehen will, sollte sie in die Regierung kommen. Dazu gehört die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge, mehr Abschiebungen, eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Sonderklassen für Kinder von Asylbewerbern sowie weniger Geld für parteinahe Stiftungen und Demokratieförderprogramme.

An Schulen sollen Schwarz-Rot-Gold wehen, Regenbogenflaggen sollen verboten werden. Auch plant die AfD freiwillige Bürgerwehren für mehr Sicherheit vor Ort sowie eine "Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht". Grundsätzlich begrenzt allerdings das Bundesrecht die Spielräume in einigen Bereichen, etwa in der Migrationspolitik.

Auswirkungen auf Bund noch unklar

In zwei Wochen - am 20. September - folgen zwei weitere Landtagswahlen in Ostdeutschland: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin. Die drei Abstimmungen könnten die schwarz-rote Koalition im Bund kräftig durchschütteln. Haben Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie die SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil noch genug Rückhalt in den eigenen Reihen? Reicht der Koalitions-Kitt, um im Herbst wie geplant schwierige Reformen zu Rente, Einkommensteuer und Krankschreibungen zu beschließen?

Wie geht es weiter?

Die erste Sitzung des neuen Landtages muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss - aber wenn der erste Wahlgang angesetzt ist und scheitert, greifen Fristen für mögliche weitere Wahlgänge.

Der Landtag hat regulär 83 Sitze, durch Ausgleichs- und Überhangmandate saßen in der abgelaufenen Legislaturperiode aber 97 Abgeordnete im Parlament./shy/DP/zb

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ROUNDUP 2: Munich Re warnt vor wachsenden Schäden durch Hagel und Hitze

(Mehr Hintergrund zum Rückversicherungsmarkt, weitere Aussagen)

MONTE CARLO (dpa-AFX) - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re <DE0008430026> warnt nach einem katastrophenarmen ersten Halbjahr vor hohen Gefahren durch mittelgroße Naturereignisse wie Hagel und Feuer. Inzwischen führten solche Ereignisse insgesamt zu Schadenniveaus, die bislang vor allem mit Großereignissen assoziiert wurden, teilte der Dax-Konzern <DE0008469008> beim traditionellen Branchentreffen am Sonntag in Monte Carlo mit. Auch die zunehmende Hitze werde immer mehr zum Schadentreiber.

"Die Folgen der Hitzewellen forderten in den vergangenen Monaten zunehmend Menschenleben", schrieb die Munich Re. Zudem beeinträchtigten die "außergewöhnlich hohen Temperaturen" ebenso wie Fluten die Infrastruktur und damit auch Lieferketten der Wirtschaft. Hinzu kämen Schäden in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen sowie an Gebäuden und Anlagen. "Somit entwickeln sich solche Naturgefahren zunehmend zu ökonomischen Risiken, wenn auch die Kausalität bei Hitzeschäden nicht immer einfach herzuleiten ist."

Seit diesem Wochenende treffen sich Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re <CH0126881561> und Hannover Rück <DE0008402215> wie jedes Jahr mit Erstversicherern wie Allianz <DE0008404005> und Generali <IT0000062072> sowie Maklern im Fürstentum Monaco, um über die Preise und Konditionen für die Vertragserneuerung zum kommenden Jahreswechsel zu beraten. Nach immensen Prämienerhöhungen vor wenigen Jahren wird Rückversicherungsschutz im Schaden- und Unfallgeschäft für Erstversicherer seit Anfang 2025 wieder schrittweise billiger.

Bei den Vertragserneuerungen seit Anfang 2026 mussten die drei Weltmarktführer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück im Schnitt Preisrückgänge von rund fünf Prozent hinnehmen, wenn man Inflation und veränderte Risiken berücksichtigt. Nach Einschätzung von Ratingagenturen dürften die Preise weiter sinken. "Wir glauben, dass wir 2027 eine ähnliche Entwicklung haben werden wie 2026 auf weitere Preisrückgänge hinstellen", sagt Branchenexperte Johannes Bender von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P).

Laut einer Umfrage der Ratingagentur Moody's erwarten 86 Prozent der befragten Erstversicherer weiter sinkende Preise. In der Schadenversicherung etwa für Wohngebäude, Industrieanlagen und Autos rechnen die meisten sogar mit Abschlägen von mehr als 7,5 Prozent. Besonders starke Rückgänge erwarten sie in den USA und der Karibik, wo Hurrikans und andere Wirbelstürme immer wieder Milliardenschäden anrichten. Zuletzt war die Region glimpflich davongekommen.

Die Rückversicherungsbranche hatte bei ihren Kunden in den Jahren nach der Corona-Pandemie kräftige Prämienerhöhungen durchgesetzt. Hatten die Preise für Rückversicherungsschutz 2017 noch einen langjährigen Tiefpunkt erreicht, stiegen sie danach zunächst in kleinen Schritten und sprangen 2023 kräftig in die Höhe, wie aus Zahlen des Maklers Guy Carpenter zur Katastrophen-Rückversicherung hervorgeht. Ab 2025 setzte schließlich wieder ein Preisrückgang ein, der sich 2026 verstärkte.

Dank der zuletzt vergleichsweise geringen Schäden saß die Rückversicherungsbranche laut Daten des Maklers Aon Ende März auf einem Kapital von fast 650 Milliarden Dollar. Zusammen mit dem Geld, das Anleger der Branche über Katastrophenanleihen und andere Vehikel als alternatives Kapital zur Verfügung gestellt hatten, summierte sich das gesamte Rückversicherungskapital auf den Rekordwert von 790 Milliarden Dollar.

Dieses Kapital ringt um Geschäft - und das hohe Angebot spielt den Erstversicherern bei den Verhandlungen in die Karten. Schließlich rechnen Munich Re und Hannover Rück in diesem Jahr mit Rekordgewinnen.

Unterdessen warnt der Münchner Konzern vor kleineren Naturgefahren, die in den vergangenen Jahren immer höhere Schäden verursacht hatten. Nach einem jahrelang zunehmenden Schadentrend hätten solche Ereignisse unterhalb von Großereignissen wie Hurrikans und Erdbeben die Versicherungsbranche 2025 rund 104 Milliarden US-Dollar (knapp 90 Mrd Euro) gekostet.

So richteten die verheerenden Waldbrände in Kalifornien Anfang 2025 volkswirtschaftliche Schäden von insgesamt etwa 54 Milliarden Dollar an - laut Munich Re der größte volkswirtschaftliche Schaden jemals in dieser Kategorie. Davon musste die Versicherungsbranche rund 40 Milliarden Dollar tragen.

Auch in Europa nahmen große Waldbrände zu. Zuletzt brachen Feuer nahe Bordeaux, Marseille und Madrid aus, und auch Sizilien war betroffen. Dass sich die Versicherungsschäden im überschaubaren Rahmen hielten, erklärte der Munich-Re-Vorstand in Monte Carlo damit, dass die Feuer nur ländliche Regionen getroffen hätten - und keine größeren Wohn- oder Industriegebiete.

Zunehmende Risiken sieht die Munich Re rund um Hackerangriffe und andere Schäden rund um Computer und Daten. Laut Studien des Rückversicherers sehen sich 89 Prozent der Unternehmen nicht ausreichend gegen Cyberkriminalität geschützt. Entsprechend wittert der Vorstand weiterhin große Geschäftschancen. So lägen die ökonomischen Schäden durch Cyberrisiken im Billionen-Dollar-Bereich. Versichert seien bisher jedoch nur 16 bis 17 Milliarden Dollar.

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Hacker Daten aus der Berliner Verwaltung, die sie bei einem Cyberangriff erbeutet hatten. Dabei geht es um 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte. Die kriminelle Hackergruppe Rhysida hatte die Daten Mitte August unbemerkt abgezogen und ein Lösegeld von 30 Bitcoin - umgerechnet rund zwei Millionen Euro - gefordert. Der Berliner Senat zahlte das Lösegeld nicht. Die Ermittlungen laufen./stw/zb

06.09.2026 | 14:36:06 (dpa-AFX)
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06.09.2026 | 14:32:13 (dpa-AFX)
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06.09.2026 | 13:44:28 (dpa-AFX)
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04.09.2026 | 20:55:27 (dpa-AFX)
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04.09.2026 | 18:30:35 (dpa-AFX)
EQS-Stimmrechte: JOST Werke SE (deutsch)