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01.11.2026 | 14:05:28 (dpa-AFX)
ROUNDUP 2: Zehntausende bei Jugend-Demos - dann teils schwere Krawalle

BERLIN/FRANKFURT AM MAIN (dpa-AFX) - Zuerst Zehntausende junge Menschen zumeist friedlich auf den Straßen - danach teils schwere Krawalle, Plünderungen und Festnahmen: Nach Jugend-Demonstrationen in mehreren Städten ist die Lage am Abend und in der Nacht zum Sonntag vor allem in Frankfurt am Main eskaliert. Nach Polizeiangaben flogen Brandflaschen, Randalierer zerstörten Schaufenster. Auch in Köln gab es gewalttätige Szenen.

Die Ausschreitungen wurden parteiübergreifend scharf verurteilt. Zugleich kamen Mahnungen, die Anliegen junger Menschen etwa für bessere Bildung stärker zu beachten.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte vor allem bestimmte Gruppen als Urheber von Krawallen aus. "Gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu haben gestern Abend die friedlichen Demonstrationen vom Nachmittag gekapert", sagte er der "Bild". "Die Randalierer und Plünderer werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Auf diesen Landfriedensbruch müssen harte Strafen folgen." Die Polizei habe "Gewaltexzesse wie in Paris" verhindert. "Das Einsatzkonzept der Polizei mit massiver Präsenz und dezentraler Kräfteaufstellung ist aufgegangen."

Auch die Innenminister von Hessen und Nordrhein-Westfalen, Roman Poseck und Herbert Reul (beide CDU), machten Linksextremisten und gewaltbereite junge Männer verantwortlich, Poseck sprach wie Dobrindt davon, dass sie "überwiegend aus einem migrantischen Milieu" kämen.

Aufruf zu friedlichem Protest

Zu friedlichen Demonstrationen in rund 30 Städten hatte die Initiative "Gen Z regelt" aufgerufen. Die Abkürzung steht für die "Generation Z" der etwa 15- bis 30-Jährigen. Zu den Forderungen gehörten mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten etwa beim Wohnen, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Die Einführung einer Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.

Vor den Eskalationen zog die Initiative ein positives Fazit. Hunderttausend Menschen hätten gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen. Weitere Demos gab es etwa in Mainz, München, Nürnberg, Erfurt, Magdeburg, Dresden und Leipzig, wobei auch unter den friedlichen Teilnehmern viele migrantische Jugendliche waren.

"Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss", sagte ein Sprecher. Die Initiative veröffentlichte am Abend eine Stellungnahme, in der sie sich von "jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen" distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen waren. "Wir stehen für friedlichen Protest."

Einkaufsmeile abgesperrt

In einigen Städten kippte die Stimmung nach den Versammlungen. In Frankfurt sperrte die Polizei die Einkaufsmeile Zeil ab, Spezialeinsatzkräfte (SEK) waren im Einsatz. In der Innenstadt beobachteten dpa-Reporter, wie Personen in Geschäfte eindrangen und Turnschuhe und andere Gegenstände stahlen. Auch ein Waffenfachgeschäft wurde attackiert. Laut Polizei wurden Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen. 54 Personen zwischen 13 und 29 Jahren wurden festgenommen. "Sie haben jedenfalls überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit", sagte Poseck. 17 Geschäfte seien beschädigt und fünf geplündert worden.

In Köln kam es nahe dem Hauptbahnhof zu Angriffen auf Polizisten, es wurden Flaschen und Fahrräder geworfen. Polizeipräsident Johannes Hermanns sagte: "Wir haben Molotowcocktails und Nothämmer bei Vermummten sichergestellt." Aus Berlin wurden Flaschen-, Böller- und Eierwürfen gemeldet, aus Hamburg brennende Barrikaden. In einigen Städten setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

"Schockiert von Gewaltexzessen"

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden." CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte der dpa, es stimme traurig, dass friedlicher Protest teilweise kaum mehr möglich sei. "Ein wirklich inhaltliches Ziel der Demonstrationen blieb bis zuletzt fraglich - für einige war das der perfekte Deckmantel für Gewalt und Ausschreitungen, die sicher die Mehrheit der Teilnehmer ablehnten."

Grünen-Chefin Franziska Brantner verurteilte die Ausschreitungen. "Gewalt schadet dem berechtigten Anliegen der vielen, die friedlich protestiert haben", sagte sie der "Rheinischen Post". Die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner sagte der Zeitung: "Weder die Bezahlbarkeitskrise noch der Sozialabbau noch der breit getragene Wille zu friedlichem Protest verschwindet, weil kleine Gruppen frustrierter Menschen danach randaliert haben."

Forderung nach Bildungsgipfel

Die SPD im Bundestag forderte einen nationalen Bildungsgipfel mit Ländern und Kommunen, wofür Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Initiative ergreifen sollte. "Das Recht auf eine gute Bildung und Ausbildung ist ein Schwerpunkt der Proteste und ein Bereich, in dem wir die Pflicht haben, jetzt auch schnell zu handeln", sagte SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt noch vor den abendlichen Krawallen und betonte. "Gute Bildung muss für alle bezahlbar sein."

Die Initiative "Gen Z regelt" kündigte am Sonntag auf ihrer Homepage an: "Am 14. November gehen wir deutschlandweit wieder auf die Straße." Zuvor war auch die Rede von einer Beteiligung an europaweiten Protesten am 20. November gewesen. Für diesen Tag ruft bereits auch ein Bündnis zur Teilnahme an einem "Internationalen Jugendstreiktag" auf. Darunter ist die Bundesschülerkonferenz, die sich von Aktionen von "Gen Z regelt" distanziert hatte - mit der Begründung, dass deren Organisationsstrukturen unklar seien.

Jugend-Proteste gibt es seit einigen Wochen auch im Ausland - unter anderem in Frankreich. Am Samstag nahmen im Nachbarland 320.000 Menschen an Demonstrationen teil. Am Abend kam es zu Auseinandersetzungen. In Paris und Lyon setzte die Polizei Tränengas ein, wie in Live-Streams zu sehen war./sam/DP/zb

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ROUNDUP 4: Kein Ende der Eiszeit mit Russland bei G20-Außenministern

ATLANTA (dpa-AFX) - Sechs Wochen vor dem G20-Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer in Miami bleibt Russland auf Konfrontationskurs. Laut Außenminister Sergej Lawrow gibt es weder im Ukraine-Krieg noch bei anderen Krisen Anzeichen für Entspannung. "In der Praxis sind bislang keine wirklichen Fortschritte in den Beziehungen zu den USA zu erkennen", kritisierte er am Rande des G20-Außenministertreffens in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

Die Beratungen galten als Art Generalprobe für den Gipfel der G20-Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami, zu dem US-Präsident Donald Trump auch Wladimir Putin eingeladen hat. Ob der Kremlchef kommt, ist unklar. Auch Kanzler Friedrich Merz und Chinas Staatschef Xi Jinping werden erwartet. Russland ist zwar offiziell noch G20-Mitglied, Putin nahm aber zuletzt 2019 physisch an einem Gipfel teil. Der Gruppe gehören 19 Staaten sowie die EU und die Afrikanische Union an.

Lawrow machte mit Blick auf die USA klar, man solle sich "keine Illusionen hinsichtlich des Diesel-Deals machen", was eine Verbesserung der Beziehungen zu Washington betreffe. Anfang Oktober hatten Trump und Putin Diesellieferungen in die USA vereinbart. Washington setzte dafür Sanktionen gegen Moskau vorübergehend aus. Die Abmachung löste Kritik aus - von der EU, der Ukraine, der Bundesregierung und aus Teilen des US-Kongresses.

Wadephul prangert Moskau wegen Getreidelieferungen an

US-Außenminister Marco Rubio dämpfte Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch bei den unterbrochenen Getreidelieferungen über das Schwarze Meer: Die USA prüften Vorschläge für eine Lösung. Diese würde den Krieg zwar nicht beenden, könne aber Folgen für die Ernährungssicherheit dämpfen.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte nach den Beratungen, es gebe ein deutlich gestiegenes Interesse an einer Lösung für die Getreidelieferungen. Alle seien es leid, dass Moskaus geopolitische Machtspiele nicht nur Wachstum und Wohlstand weltweit gefährdeten, sondern auch eine Hungerkrise im Globalen Süden provozierten und dabei teils die Ärmsten der Armen treffen würden. Die Wochen bis zum G20-Gipfel seien entscheidend.

Aktuell versenken oder beschädigen Russland und die Ukraine Schiffe der Gegenseite. Das Schwarze Meer ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Agrargüter weltweit. Beide Länder zählen zu den größten Weizenexporteuren.

Lawrow spottet über "Familienfoto-Diplomatie"

Der russische Außenminister kritisierte angesichts der wohl Mitte November in den Vereinten Arabischen Emiraten geplanten Beratungen der Ukraine, der USA und Russlands zu einer Fortsetzung der unterbrochenen Gespräche über eine mögliche Friedenslösung im Ukraine-Krieg die Europäer: "Sie versuchen, sich in den Friedensverhandlungsprozess in der Ukraine einzumischen."

Zugleich warf Lawrow Wadephul spöttisch "Familienfoto-Diplomatie" vor. Rubio hatte das sonst oft übliche "Familienfoto" aller Teilnehmer abgesagt, nachdem es offenbar vor allem von europäischen Mitgliedsländern Kritik daran gegeben hatte. "Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto aussehen und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles", rügte Lawrow.

Gruppenbild mit Lawrow abgesagt

Wadephul hatte bereits kurz vor dem Start der Beratungen gesagt: "Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind." Der Begriff erwecke das Gefühl von Eintracht, dass man zueinander gehören würde, sagte er später im ZDF. "Eine solche Familie sind wir nun mit Russland zum jetzigen Zeitpunkt wirklich nicht."

Abendempfang im Georgia Aquarium gemeinsam mit Lawrow

Doch beim von Rubio organisierten Empfang für die G20-Teilnehmer am Georgia Aquarium am Freitagabend zeigte sich, dass Lawrow wie bei früheren Treffen keineswegs völlig isoliert ist. Im mehr als 2000 Quadratmeter großen Saal mit raumhohen Fenstern, durch die man Meerestiere wie Walhaie oder Belugawale beobachten kann, wird Lawrow beispielsweise von seinem brasilianischen Kollegen Mauro Vieira begrüßt. Auf einem Video ist auf X zu sehen, wie sich die beiden für einen Drink an einen Tisch setzen.

Eine andere Szene zeigt, wie Lawrow an einem Stehtisch einem gestikulierenden Rubio zuhört. Auch Wadephul und der Türke Hakan Fidan stehen dabei, wie auf einem Foto zu sehen ist. Schon im September hatte der deutsche Außenminister Lawrow bei der UN-Generalversammlung in New York zum bilateralen Gespräch getroffen.

Wadephul sagte zu dem Aufeinandertreffen mit Lawrow bei dem Empfang, dieser sei zu einem schon länger andauernden Gespräch mit Rubio hinzugekommen. Dabei sei es weniger um das abgesagte "Familienfoto" als um die Regeln beim American Football gegangen. Lawrow habe "eine Zeit lang zugehört, aber wir haben nicht direkt miteinander gesprochen".

Mit Rubio zum American Football

Rubio hatte seine G20-Kolleginnen und -Kollegen zum Abschluss des Treffens zu einem Footballspiel der Universitätsmannschaft Florida Gators gegen die Georgia Bulldogs eingeladen. Hintergrund: Rubios Sohn Anthony spielt bei den Gators auf der Position des "Running Backs" - dieses Mal war er aber wegen Verletzungspech nicht dabei. Der "Running Back" wird als Offensivspieler neben oder hinter dem Quarterback aufgestellt, der wichtigsten Angriffsposition. Die Florida Gators aus Gainesville spielen in der Southeastern Conference, einer der prestigeträchtigsten College-Sport-Ligen der USA. Lawrow war am Ende nicht dabei./bk/DP/zb

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