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06.09.2026 | 15:57:19 (dpa-AFX)
KORREKTUR: Hackerangriff könnte größere Folgen haben als bisher gedacht

(In einer früheren Version des Artikels hieß es, von Notz werde der Bundesregierung "massive Versäumnisse" vor. Das Zitat ist nicht im "Handelsblatt"-Artikel zu finden. Es wurde aus dem vierten Absatz gelöscht. Zudem wurde ein Wort im sechsten Absatz ergänzt.)

BERLIN (dpa-AFX) - Es ist von einem "echten Daten-Super-GAU", von einem Datenabfluss "von gravierendem Ausmaß" die Rede: Der Hackerangriff auf Teile der Berliner Verwaltung könnte viel weitreichendere Folgen haben als zunächst bekannt, weit über die Hauptstadt hinaus. Seit Freitag sind rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte im Darknet veröffentlicht. Ein Terabyte entspricht rund 1.000 Gigabyte.

Zunächst schienen nur personenbezogene Daten betroffen zu sein: gescannte Reisepässe, Arbeitsverträge, Bewerbungsunterlagen, Krankmeldungen. Laut mehreren Medienberichten und der Einschätzung von IT-Experten könnten allerdings auch hochsensible Daten geleakt worden sein, die für den Schutz kritischer Infrastruktur und die Sicherheit von Bund und Ländern relevant sind. Dabei geht es etwa um den Zivilschutz oder Rüstungsunternehmen.

Von einem "echten Daten-Super-GAU" sprach der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz im "Handelsblatt". "Sollte sich herausstellen, dass Schutzmechanismen bewusst nicht eingehalten wurden und der dringend notwendige Geheimschutz nicht gewährleistet war, wären auch personelle Konsequenzen unausweichlich", sagte der Grünen-Politiker der Zeitung.

"Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld."

Seiner Einschätzung nach könnte es sich um den schwersten bislang bekanntgewordenen IT-Sicherheitsfall auf Landesebene handeln - mit möglicherweise erheblichen finanziellen Folgen, so von Notz: "Der jüngste Fall in Berlin wird die Steuerzahler Millionen kosten. Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld."

CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Dieser Datenabfluss ist von gravierendem Ausmaß und gefährdet unsere nationale Sicherheit."

Hacker forderten umgerechnet rund zwei Millionen Euro

Die Hacker hatten sich vom 7. bis zum 12. August unbemerkt Zugang zu Teilen des Berliner Landesnetzes verschafft und Daten abgeschöpft. Betroffen waren die Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr. Die Verwaltung bemerkte den Angriff am 14. August und machte ihn drei Tage später öffentlich. Die Hacker-Gruppe Rhysida forderte 30 Bitcoin, was umgerechnet rund zwei Millionen Euro entspricht. Der Senat zahlte nicht und die Täter veröffentlichten die Daten nach Ablauf ihres Ultimatums. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, die Gruppierung gelte als kriminell und handle aus finanziellen Gründen.

Ein vollständiger Überblick über die geleakten Daten ist wegen der gewaltigen Menge bislang kaum möglich. Außerdem könne man nicht einfach per STRG+F nach bestimmten Begriffen suchen, erklärte Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs. Seinen Recherchen zufolge sind unter den Dateien neben personenbezogenen Daten auch sensible Informationen über die Berliner Wasserversorgung zu finden. Dem "Tagesspiegel" zufolge sollen sich darunter zudem Daten zu Heizkraftwerken, Tanklagern, Notstromanlagen, Umspannwerken, Gefängnissen, Wasserwerken sowie Rüstungsunternehmen und der Bundeswehr befinden.

IT-Experte wirft Berlin grobe Fahrlässigkeit vor

Für Betroffene besteht die Gefahr von Identitätsdiebstahl und gezielten Phishing-Angriffen, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) informiert. Sicherheitsrelevante Informationen könnten zudem von fremden Mächten oder Terroristen missbraucht werden. Das BSI warnt, dass Angaben zu kritischen Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen je nach Sensibilität die Bedrohungslage erhöhen könnten.

Der IT-Experte Manuel Atug wirft dem Land Berlin schwere Versäumnisse vor. "Das Land Berlin hat grob fahrlässig gehandelt und vorsätzlich die Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin darüber wirklich schockiert und sprachlos." Atug sagte, er sei 2023 und 2025 als Sachverständiger in den Berliner Innenausschuss geladen worden und habe damals schon auf eklatante Sicherheitslücken hingewiesen.

Betroffene sollen per Brief oder E-Mail kontaktiert werden

In Berlin koordiniert inzwischen eine zusätzliche Steuerungseinheit die Sichtung und Bewertung der Daten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) an der Aufarbeitung beteiligt. Im Gemeinsamen Cyberabwehrzentrum würden alle Erkenntnisse zusammengetragen und geteilt.

Betroffene Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte und Unternehmen sollen nach Angaben der Senatskanzlei risikobasiert per Brief oder E-Mail kontaktiert und beraten werden.

Konkrete Angaben dazu, welche Daten genau veröffentlicht wurden, machte die Senatskanzlei zunächst nicht. Die forensischen Untersuchungen und Ermittlungen dauern an. Die Bundeswehr kündigte an, nach der Analyse möglicher Sicherheitsrisiken Maßnahmen zum Schutz der militärischen Sicherheit einzuleiten.

Auch die Berliner Landesregierung hat die Sicherheitsmaßnahmen nach eigenen Angaben erhöht. In zwei Wochen wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Die Wahlumgebung sei nach derzeitigem Stand nicht betroffen, sagte Landeswahlleiter Stephan Bröchler./bum/DP/stw

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Überraschend robuste Jobdaten aus den USA haben die jüngste Aufwärtsbewegung im Dax <DE0008469008> am Freitag nicht gestoppt. Der deutsche Leitindex ging trotz schwacher US-Börsen letztlich 0,17 Prozent höher mit 26.046,40 Punkten aus dem Handel. Damit setzte er die am Vortag eingeleitete Erholung zurück oberhalb der 26.000-Punkte-Marke fort.

Dabei halfen dem Dax auch die auf hohem Niveau stabilisierten Ölpreise, nachdem diese zuvor wegen des Iran-Kriegs erneut stark gestiegen waren. Auf Wochensicht steht angesichts der vorangegangenen Korrektur vom am Freitag vergangener Woche erreichten Rekordhoch bei 26.618 Zählern aber ein Minus von rund zwei Prozent zu Buche. Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Unternehmen gewann vor dem Wochenende 0,30 Prozent auf 32.355,32 Punkte.

Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem "ganz starken" US-Arbeitsmarktbericht. Inklusive der positiven Revisionen der beiden Vormonate seien im August viermal so viele Stellen geschaffen worden wie erwartet. Positiv sei, dass sich das Lohnwachstum nicht beschleunigt habe und somit keinen neuen Druck auf die US-Notenbank Fed ausübe. "Von daher muss dieser unerwartet starke Bericht nicht zwangsläufig zu einer Zinserhöhung führen", ergänzte Altmann.

Außerdem spiele für die Börse eine brummende Konjunktur eine wesentlich größere Rolle als die Zinssorgen, betonte Marktstratege Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets: "Viele Beschäftigte helfen der US-Wirtschaft mehr, als ihr eine Zinserhöhung schadet, so die Argumentation."

Ohnehin hätten die kommende Woche anstehenden US-Inflationsdaten etwas mehr Bedeutung als der Jobbericht, schrieb Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl. Mehrere Fed-Gouverneure hätten zuletzt darauf verwiesen, "diese abwarten zu wollen, um zu entscheiden, ob sie sich für einen Zinsschritt im September aussprechen werden oder nicht". Sie machten zudem Anzeichen einer nachlassenden Inflation aus.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> kletterte am Freitag um 0,16 Prozent auf 6.392,93 Punkte nach oben. Außerhalb der Eurozone schlossen der FTSE 100 <GB0001383545> in London und der SMI <CH0009980894> in Zürich wenig bewegt. In New York gab der Dow Jones Industrial <US2605661048> zum europäischen Handelsschluss rund 0,6 Prozent nach, der technologielastige Nasdaq 100 <US6311011026> kam hingegen kaum von der Stelle.

Am deutschen Aktienmarkt stach vor dem Wochenende Dax-Spitzenreiter Volkswagen <DE0007664039> mit einer weiteren Kurserholung um 6,5 Prozent heraus. Der Aufsichtsrat des krisengeplagten Autobauers billigte am Donnerstagabend nach wochenlangen Auseinandersetzungen überraschend einstimmig weite Teile eines Sanierungskonzepts des Vorstands. Neben den VW-Titeln waren auch die Aktien des Großaktionärs Porsche SE <DE000PAH0038> mit plus 3,6 Prozent gefragt.

Ebenfalls auf Kaufinteresse stießen Halbleiterwerte: Im Dax legten die Aktien von Infineon <DE0006231004> um 2,4 Prozent zu und im MDax gewannen Suss Microtec <DE000A1K0235>, Siltronic <DE000WAF3001> und Elmos <DE0005677108> bis zu 6 Prozent. Sie folgten damit der positiven Entwicklung der Tech-Branche in Asien. Bei Suss sieht Warburg-Analyst Malte Schaumann angesichts der günstigen Bewertung sowie dicker Auftragsbücher zudem eine gute Kaufgelegenheit.

Als Kurstreiber erwiesen sich außerdem Analysteneinschätzungen. So ließ eine Hochstufung der Investmentbank Oddo BHF die Titel von Continental <DE0005439004> um 1,9 Prozent steigen. Continental sei nun keine Umbaustory mehr, sondern ein purer Reifenkonzern mit einer Profitabilität, die zu den besten der Branche zähle, begründete Experte Michael Foundoukidis seine Neubewertung.

Für die Aktien von Puma <DE0006969603> ging es dagegen um 1,8 Prozent abwärts, während Adidas <DE000A1EWWW0> letztlich um 0,3 Prozent stiegen. Der Kurseinbruch von Lululemon <US5500211090> nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung des US-Sportartikelherstellers war auch bei den deutschen Branchentiteln ein Thema./niw/zb

--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---

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