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01.07.2026 | 10:35:01 (dpa-AFX)
ROUNDUP: Lyten bekennt sich zur Übernahme der Northvolt-Baustelle

KIEL (dpa-AFX) - Nach der Pleite des schwedischen Batterieherstellers Northvolt kommt die Übernahme der deutschen Baustelle bei Heide in Schleswig-Holstein durch das US-Unternehmen Lyten voran. Der Batteriehersteller übernimmt nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit der Förderbank KfW, der Northvolt Drei Project GmbH und deren Gesellschafterin LG Batterie GmbH die Kosten für den Erhalt und die Sicherung der Vermögenswerte, einschließlich der Personalkosten bei der deutschen Northvolt-Tochter, wie das Unternehmen mitteilte.

Im Gegenzug für die Übernahme der laufenden Kosten unterzeichneten das Land Schleswig-Holstein und Lyten eine Exklusivitätsvereinbarung. Ziel sei der Abschluss eines finalen Kaufvertrags im dritten Quartal.

Im Gegensatz zur Muttergesellschaft ging die deutsche Tochter Northvolt Drei nicht pleite, sondern wurde von Bund und Land am Leben gehalten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll Lyten für das Areal bei Heide rund 60 Millionen Euro zahlen. Das gut 100 Hektar große Gelände mit Baurecht war nach der Northvolt-Insolvenz von Wirtschaftsprüfern auf mindestens elf Millionen Euro taxiert worden.

Reaktionen

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) erklärte: "Damit gehen monatelange Verhandlungen über die deutsche Northvolt-Tochter und ihr Gelände bei Heide in die Zielgerade." Über Einzelheiten sei mit Lyten Stillschweigen vereinbart worden.

Lyten-Chef und Mitgründer Dan Cook kündigte an: "Wir planen, Drei als deutschen Hub für saubere Batterieproduktion und industrielle Fertigung zu entwickeln, auf dem auch KI Infrastruktur angesiedelt werden soll." Der Standort in Schleswig-Holstein zeichne sich durch hohe Verfügbarkeit erneuerbarer Energien sowie außergewöhnlich qualifizierte regionale Talente aus. "Für Lyten ist dies eine langfristig angelegte Investition mit einer Perspektive über mehrere Jahrzehnte."

Der Chef der deutschen Northvolt-Tochter, Nicolas Steinbacher, betonte, mit der Absichtserklärung sei eine wichtige Basis für eine Übernahme und eine neue Zukunft des Projekts geschaffen. "Die Erklärung zeigt, dass der Standort weiterhin attraktiv ist und dass das Team gemeinsam mit unseren Partnern und der Region wesentliche Grundlagen geschaffen hat, auf die Lyten mit seinen Plänen aufbauen kann."

Ziel der rechtlich noch unverbindlichen Absichtserklärung ist nach Angaben von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU), die Konditionen des Vermögenserwerbs festzuhalten. "Das Land ist zwar keine Vertragspartei bei der Absichtserklärung und den nachfolgenden Kaufverträgen, aber zusammen mit dem Bund wirtschaftlich begünstigt."

Der Kaufpreis soll im Fall eines Abschlusses jeweils zur Hälfte an Bund und Land gehen. Für den Bau der Fabrik hatte Northvolt von der staatlichen Förderbank KfW eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro erhalten. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte. Nach der Pleite konnten Bund und Land davon nur noch 153 Millionen Euro sichern. Der finanzielle Schaden für Schleswig-Holsteins liegt damit rund 200 Millionen Euro.

Amerikanische Pläne

Lyten will zunächst deutlich kleiner bauen als dies Northvolt mit dem Bau einer Batteriefabrik mit 3.000 Jobs vorhatte. Im März hatte Cook nach einem Besuch der Landesregierung in Kiel erste Details seiner Pläne angekündigt. Seinen damaligen Angaben zufolge sollen auf dem Gelände zunächst rund 1.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Geplant ist aber kein Geschäft, das ausschließlich von Batterien für Elektrofahrzeuge abhängt, sondern die Produktion von Batterien für ein breites Anwendungsspektrum, darunter Verteidigung, stationäre Energiespeicherung, Mobilität und Elektrofahrzeuge.

Ende Februar hatte Lyten die Übernahme des insolventen schwedischen Teils von Northvolt abgeschlossen - die Stammfabrik in Skellefteå und das Entwicklungszentrum in Västerås.

Auf der Northvolt-Baustelle zwischen Norderwöhrden und Lohe Rickelshof bei Heide waren vor der Insolvenz von Northvolt AB Anfang vergangenen Jahres bereits umfangreiche Erdarbeiten sowie die Installation von Strom- und Versorgungsinfrastruktur abgeschlossen worden.

Opposition

Gleich zweimal binnen kurzer Zeit hat die Landesregierung für ihren Umgang mit Northvolt Klatschen kassiert. Erst bemängelte der Rechnungshof, dass diese bei der Förderung gegen die Haushaltsordnung verstieß. Dann entschied das Verfassungsgericht auf Klagen von FDP und SPD, dass die Regierung den Landtag nicht ausreichend über Risiken des Projekts informiert hatte.

Am Dienstag hatte sich bereits ein Landtagsausschuss mit dem Thema befasst. Anschließend kritisierte die Opposition erneut einen transparenteren Umgang der Landesregierung mit den Plänen.

"Die Entscheidungsgrundlage ist auch in diesem Fall nicht belastbar, sodass die Landesregierung dem Verkauf eigentlich nicht zustimmen kann. Tut sie es doch, tut sie es - wie schon bei der Wandelanleihe - blind", sagte Ex-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Der SPD-Wirtschaftspolitiker Kianusch Stender verlangte eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Daran bestünden jedoch erhebliche Zweifel. Seine SSW-Kollegin Sybilla Nitsch betonte, nach Northvolt wäre Offenheit das Gebot der Stunde gewesen./akl/DP/stk

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