FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Der jüngste DAX-Rekord bleibt in Reichweite, getrieben von guten Unternehmenszahlen und der Hoffnung auf ausbleibende Zinserhöhungen. Der immer noch hohe Ölpreis wird aktuell ignoriert.
17. August 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Börsen sind weiter in Rekordlaune. "Die Sommerpause an den Aktienmärkten fällt in diesem Jahr offenbar aus", kommentiert Robert Halver von der Baader Bank. Zwar halte der Iran-Konflikt an, eine absehbare Lösung sei nicht in Sicht. Doch sorgten eine wachsende Weltkonjunktur, inflationsentspannende Tendenzen und zinspolitische Zurückhaltung der US-Notenbank für eine "sonnige Börsenstimmung".
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Der DAX (DE0008469008) steht am Montagmorgen bei 26.470 Punkten nach 26.459 am Freitag zu Handelsschluss und 26.562 im jüngsten Allzeithoch. Auch der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) bewegt sich in Rekordnähe, ebenso S&P 500 (US78378X1072) und Dow Jones (US2605661048). Und der Tech-Index Nasdaq 100 (US6311011026) nähert sich nach deutlichen Rückgängen im Juli jetzt wieder seinen Hochs. Etwas an Schwung verloren hat die jüngste Goldpreisrally, die den Preis für die Feinunze in kurzer Zeit von rund 4.000 auf über 4.410 US-Dollar gehievt hat. Aktuell sind es knapp 4.400 US-Dollar.
"Deutliche Kurskorrekturen unwahrscheinlich"
"Die Liste negativer Einflussfaktoren ist lang: Kriege, Strukturwandel, Klimakapriolen", bemerkt Helaba-Analyst Markus Reinwand. Dennoch hätten Aktien weltweit dieses Jahr bereits um rund 14 Prozent zugelegt - doppelt so viel wie im langfristigen historischen Durchschnitt. Er sieht neben den negativen auch einige positiven Entwicklungen. "Die Konjunktur in den großen Volkswirtschaften überrascht mehrheitlich positiv. Und der globale Industriezyklus scheint anzuspringen, wovon gerade deutsche Unternehmen profitieren würden", erklärt er. Ein großer Teil der erwarteten Gewinnsteigerungen spiegle sich zwar bereits in den hohen Bewertungen wider. Auch seien die meisten Indizes alles andere als günstig und damit das Kurspotenzial kurzfristig weitgehend ausgereizt. "Für drohende deutliche Kurskorrekturen oder gar einen stürmischen Herbst gibt es - jenseits möglicher geopolitischer Störfeuer - gegenwärtig allerdings keine Hinweise."
"FOMO, aber keine blinde Euphorie"
Halver sieht das ähnlich. Zwar beobachtet er nach den jüngsten Allzeithochs wachsende Angst, nicht dabei zu sein (FOMO = fear of missing out). Er verweist aber auf eine Stimmungsumfrage der American Association of Individual Investors: Das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten lasse nicht auf blinde Anlegereuphorie schließen. Korrekturen seien möglich, würden sich aber in Grenzen halten. Beruhigend wirke auch die aktuell verhaltene Volatilität. "Schnäppchenjäger werden bei zwischenzeitlichen Rücksetzern zuschlagen und die Aktienmärkte nach unten absichern."
DZ-Risikoszenario: DAX minus 15 Prozent
Nach einer Lösung im Nahostkonflikt sieht es unterdessen nicht aus. Der Ölpreis bleibt mit aktuell 88 US-Dollar für das Barrel Brent zwar deutlich unter den Hochs über 114 US-Dollar vom Mai, aber auch weit über den 60 US-Dollar vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Die DZ Bank geht in ihrem Hauptszenario von einer Einigung und einem sinkenden Ölpreis aus, hat aber auch untersucht, was ein anhaltend hoher Ölpreis für die Börsen bedeuten würde.
Europa und Deutschland würden dann besonders hart getroffen, erklärt DZ-Analystin Sonja Marten. "Für Deutschland rechnen wir im Risikoszenario 2027 mit einem leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts, während die Inflation im Euroraum im Jahresdurchschnitt auf fast 4 Prozent stiege", heißt es. Aktien würden in den "Zangengriff von Ölpreisen, Rezessionsrisiken und restriktiver Geldpolitik" geraten. "Bis Ende 2026 erwarten wir im Eskalationsszenario Rückgänge von rund 15 Prozent im DAX, 12 Prozent im Euro Stoxx 50 und 10 Prozent im S&P 500", bemerkt sie.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 17. August
4.00 Uhr. China: Einzelhandelsumsätze/Industrieproduktion Juli.
Dienstag, 18. August
11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen August. Nach der erfreulichen Sentix-Umfrage steht einer besseren Einschätzung der Konjunkturlage und -erwartungen in der ZEW-Umfrage nichts entgegen, meint die DekaBank. Märkte und Konjunkturindikatoren liefen gut, und der neuerliche Rohölpreisanstieg habe bei den Marktteilnehmern bislang kaum Beachtung gefunden.
15.15 Uhr. USA: Industrieproduktion Juli. Die DekaBank rechnet mit einem Plus von 0,3 Prozent im Monatsvergleich und 1 Prozent zum Vorjahr.
Mittwoch, 19. August
20.00 Uhr. USA: Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung.
Freitag, 20. August
10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex August. Der Einkaufsmanagerindex kann nach Einschätzung der Commerzbank wieder über das Niveau vor dem Iran-Konflikt klettern.
Von Anna-Maria Borse, 17. August 2026, © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)