TUNIS (dpa-AFX) - Außenminister Johann Wadephul drängt dazu, Ursachen der Migrationskrise in den afrikanischen Staaten stärker zu bekämpfen. "Die instabile Lage im Sahel trägt immer wieder dazu bei, dass Menschen sich auf den Weg machen in Richtung Norden, in Richtung Europa", sagte der CDU-Politiker nach einem Treffen mit Tunesiens Außenminister Mohamed Nafti in Tunis. "Die Ursachen müssen wir gemeinsam miteinander bekämpfen und schauen, dass die wirtschaftliche Situation in diesen Ländern sich wirklich verbessert", sagte Wadephul.
Zudem müsse "unverantwortlichen Schleuserbanden", die Migranten auf die Reise schickten, das Handwerk gelegt werden. Sie seien mit ein Grund dafür, dass auf dem Weg durch Tunesien, Algerien, Libyen oder andere Länder viele Menschen sterben.
Viele Migranten seien Opfer von Schmugglernetzwerken und würden von "kriminellen Gangs" ausgebeutet, sagte Nafti. "Wir alle sollten daran arbeiten, Lösungen für dieses Problem zu finden." Nafti nannte Migration ein "wichtiges und gefährliches Thema".
Wadephul war in Tunis auch von Staatspräsident Kais Saied empfangen worden - was für einen Außenminister als außergewöhnliche diplomatische Ehre gilt. Der Minister hatte zuvor Vertreterinnen und Vertreter deutscher Unternehmen in Tunesien getroffen. In einem Digitalzentrum kam er unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern von Start-ups zusammen.
Treffen mit einer Stipendiatin, die in Deutschland studieren will
Dort sprach er auch mit einer jungen Tunesierin, die ein Stipendium für Deutschland bekommen hat, nachdem sie in diesem Jahr das beste Abitur im ganzen Land abgelegt hatte. Yasmine Yaakoubi (18) will demnächst zunächst in Heidelberg Deutsch lernen und anschließend in München einen Ingenieurs-Studiengang belegen. Später wolle sie wieder in ihr Heimatland zurückkehren, um ihre Fähigkeiten dort einzubringen und ihrem Heimatland etwas zurückzugeben, sagte sie.
Ausbau von Wirtschaftsbeziehungen im Mittelpunkt
Gerade bei der Energiezusammenarbeit könne man sich gegenseitig viel anbieten, um gemeinsam mehr Wachstum und Wohlstand zu schaffen, sagte Wadephul. "Gemeinsam können wir das Mittelmeer zu einem Raum der Stärke zwischen unseren Kontinenten machen", fügte er hinzu.
Tunesien und Deutschland begehen in diesem Jahr den 70. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Deutschland ist für das Land laut Wadephul drittwichtigster Exportmarkt. Vor allem für die deutsche Autoindustrie seien widerstandsfähige Lieferbeziehungen zentral. Rund 7.500 junge Tunesierinnen und Tunesier studierten in Deutschland, tunesische Fachkräfte leisteten einen wertvollen Beitrag im deutschen Gesundheitssystem.
In Algerien Treffen mit Kollegen und Wirtschaftsvertretern
Am frühen Abend kam Wadephul in Algerien, der zweiten Station seiner Nordafrikareise, mit dem dortigen Außenminister Ahmed Attaf zusammen. Morgen sollte der Minister auch von Präsident Abdelmadjid Tebboune empfangen werden. Geplant war dann auch ein Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern deutscher Unternehmen in Algerien.
Algerien ist nach den Worten Wadephuls einer der wichtigsten Gaslieferanten für die EU. Als künftiger Lieferant mit riesigem Potenzial für die Produktion von grünem Wasserstoff werde die Bedeutung des Landes nochmals zunehmen, hatte der Minister bereits zum Auftakt seiner Reise gesagt. Erst im Juli hatten Deutschland und Algerien vereinbart, die Partnerschaft für die Energieversorgung nochmals deutlich zu vertiefen./bk/jot/DP/he