APA ots news: Ölpreisschock unterbricht die Konjunkturerholung - Industrieproduktion steigt entgegen dem Auftragstrend
Wien (APA-ots) - Laut WIFO-Schnellschätzung stagnierte Österreichs
Bruttoinlandsprodukt im II. Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal (
±0,0%). Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölpreisschock unterbrach
somit die seit Anfang 2025 beobachtete verhaltene Konjunkturerholung.
Wichtige Vorlaufindikatoren hellten sich im Juli zwar spürbar auf,
die Nachfragebasis blieb jedoch schmal: Die Industrie weitete ihre
Produktion so kräftig aus wie zuletzt Mitte 2022, allerdings
schrumpften die Auftragseingänge weiter.
"Seit dem jüngsten Anstieg des Rohölpreises sind die
Verkaufspreiserwartungen der Sachgütererzeugung wieder deutlich
erhöht. Dies trübt die Aussicht auf eine Abschwächung des allgemeinen
Preisauftriebs", so der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes
Christian Glocker.
Gemäß der WIFO-Schnellschätzung von Ende Juli stagnierte
Österreichs Bruttoinlandsprodukt im II. Quartal 2026 (±0,0% gegenüber
dem I. Quartal, saison- und kalenderbereinigt), nachdem es in den
beiden Vorquartalen jeweils um 0,2% gewachsen war. Im Vergleich zum
Vorjahresquartal ergab sich nur noch ein Zuwachs von 0,8%. Die seit
Anfang 2025 beobachtete verhaltene Erholung kam damit vorerst zum
Erliegen. Ausschlaggebend war der infolge des Iran-Krieges deutlich
gestiegene Erdölpreis, der die österreichische Wirtschaft über höhere
Energie- und Vorleistungskosten sowie die begleitende Verunsicherung
belastete.
Auf der Angebotsseite trat die Industrie, die im I. Quartal noch
expandiert hatte, auf der Stelle; im Bauwesen setzte sich der
Wertschöpfungsrückgang das fünfte Quartal in Folge fort. In den
Dienstleistungen war das Bild uneinheitlich: Den höchsten Zuwachs
verzeichneten die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, während
die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und die öffentliche
Verwaltung i. w. S. Einbußen hinnehmen mussten. Nachfrageseitig
stagnierten sowohl die privaten als auch die öffentlichen
Konsumausgaben; letztere waren im I. Quartal noch kräftig gewachsen.
Der öffentliche Sektor, der die Konjunktur in den vergangenen zwei
Jahren mehrfach gestützt hatte, fiel damit vorerst als Impulsgeber
aus. Einzig die Bruttoanlageinvestitionen legten leicht zu; vom
Außenhandel kamen kaum Impulse. Auf der Verteilungsseite stiegen
sowohl die Lohneinkommen als auch die Kapitaleinkommen, letztere
jedoch deutlich kräftiger.
Wichtige Vorlaufindikatoren hellten sich zuletzt abermals auf:
Der WIFO-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli gegenüber dem
Vormonat, und der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex
signalisierte den fünften Monat in Folge eine Ausweitung der
Industrieproduktion. Diese Aufhellung ruht allerdings auf einer
schmalen Basis: Der Teilindex zu den Neuaufträgen sank im Juli, jener
zu den Exportaufträgen erreichte sogar den tiefsten Wert seit einem
Jahr. Die rezente Produktionsausweitung speist sich somit aus der
Abarbeitung von Auftragsrückständen und dem vorsorglichen Aufbau der
Materiallager, nicht aus zusätzlicher Nachfrage.
Der Preisauftrieb schwächte sich zuletzt ab, allerdings
überwiegend aufgrund von Einmaleffekten. Gemäß Schnellschätzung von
Statistik Austria notierte der Verbraucherpreisindex im Juli 2026 um
2,7% über dem Vorjahresniveau, nach +3,2% im Juni. Rund die Hälfte
des Rückgangs entfiel auf die Senkung der Mehrwertsteuer auf
Grundnahrungsmittel mit 1. Juli 2026. Die Kerninflation blieb mit 3,1
% hoch, und die Energiepreise zogen sogar etwas kräftiger an als im
Vormonat.
Der Arbeitsmarkt entwickelte sich im Juli weiterhin robust: Die
Arbeitslosenquote (nationale Definition) blieb mit 7,6% nahezu
unverändert, und die unselbständig aktive Beschäftigung legte weiter
zu (beides saisonbereinigt und gegenüber dem Vormonat; vorläufig).
Abbildung 1: Ölpreis und Verkaufspreiserwartungen - auf der WIFO-
Website
Zu den Definitionen siehe " Methodische Hinweise und Kurzglossar
"
Rückfragehinweis:
Rückfragen bitte am Dienstag, dem 11. August 2026, von 10:30 bis
14:00 Uhr, an Mag. Dr. Christian Glocker, MSc, Tel. (1) 798 26 01 -
467, christian.glocker@wifo.ac.at .
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