FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Kevin Warshs hawkische Rede in Jackson Hole drückt den Goldpreis von seinem Drei-Monats-Hoch zurück, doch steigende Staatsschuldensorgen könnten das Edelmetall mittelfristig stützen. Michael Blumenroth ordnet die jüngsten Bewegungen am Goldmarkt ein.
4. September 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Wenngleich der Autor dieser Zeilen sich zuletzt einiger Urlaubstage erfreuen konnte, bleibt doch sowohl aus alter Gewohnheit als auch aus Interesse immer noch ein Auge an den Finanzmärkten hängen. Und natürlich insbesondere auf dem edelsten aller Metalle, dem Gold. Zumal ich einige wenige Tage in einem der größten Goldförderländer der Welt verbringen konnte. Nach einem robusten Anstieg von rund 4.000 auf fast 4.700 US-Dollar je Unze wurden die Goldpreise Ende August jedoch etwas ausgebremst.
Warsh-Rede treibt Zinserwartungen und Renditen
Hierfür "verantwortlich" war der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, der im Rahmen des jährlichen Fed-Symposiums in Jackson Hole eine Rede hielt, in der er wiederholt beteuerte, die Inflation in den USA unter allen Umständen so schnell wie möglich wieder in Richtung der Zielmarke von 2,0 Prozent zu drücken. An den Finanzmärkten wurden seine Aussagen dahingehend interpretiert, dass Warsh sich einer möglichen Leitzinsanhebung deshalb nicht in den Weg stellen würde. Waren Mitte August noch etwa 0,35 Prozentpunkte an Zinserhöhungen der US-Währungshüter eingepreist, sind es nunmehr 0,60 Prozentpunkte bis Mitte 2027. Insbesondere für das nächste Treffen der US-Notenbanker am 16. September wird es an den Zinsterminmärkten nun als wahrscheinlicher angesehen, dass die Fed die Zinsen anheben wird, als dass sie die Füße stillhalten wird.
Dies hatte zur Folge, dass die Renditen insbesondere zweijähriger US-Staatsanleihen spürbar anstiegen. Zudem wurde der Abwärtstrend des US-Dollars gebrochen; dieser erholte sich moderat. Darüber hinaus halten sich die Erdöl- und Erdgaspreise auf einem hohen Niveau, was die Inflationsraten mittelfristig hochhalten und somit weitere Leitzinsanhebungen vieler Notenbanken zur Folge haben könnte. Dass zuletzt rund um den Globus die Renditen langlaufender Staatsanleihen deutlich auf Mehrjahreshochs anstiegen, dürfte hingegen auf mittlere Sicht die Goldpreise eher stützen. Schließlich drücken die hohen Renditen die Bedenken einiger Marktakteure hinsichtlich der kräftig steigenden Staatsschulden aus.
Goldpreisentwicklung im Wochenverlauf
Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vorvergangener Woche bei rund 4.485 US-Dollar, erzielten sie am 25. August mit rund 4.696 ein Drei-Monats-Hoch. Am 28. August grätschte die Rede von Kevin Warsh dann aber dazwischen: Die Goldpreise fielen an besagtem Freitag von rund 4.630 auf 4.450 US-Dollar zurück. Seitdem tut sich das gelbe Metall schwer - gestern sanken die Notierungen bis auf 4.285. Sie erholten sich aber schnell auf 4.440 heute Nacht. Beim Schreiben dieser Zeilen notiert Gold mit 4.425 US$ je Unze etwas niedriger - also nicht dramatisch niedriger als vor zwei Wochen.
Xetra-Gold: Preisrückgang und Ausblick
Der Xetra-Gold-Preis gab dementsprechend ebenfalls moderat nach. Während der üblichen Handelszeiten stieg er zwar zunächst von 123,60 Euro je Gramm am vorvergangenen Donnerstagmorgen bis auf exakt 124,00 Euro am 24. August. Infolge der Rede von Kevin Warsh fiel er jedoch bis auf 123,85 zum Wochenschluss der vorvergangenen Woche bzw. bis auf 119,60 gestern zurück.
Mit Argusaugen werden die Marktakteure auf die demnächst anstehenden Inflationsdaten aus den USA blicken. Zunächst einmal stehen am morgigen Freitag noch die US-Arbeitsmarktdaten an, die ebenfalls marktbewegend sein könnten.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich noch ein paar schöne Spätsommertage.
Von Michael Blumenroth, 3. September 2026 © Deutsche Börse AG
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