ZÜRICH (dpa-AFX) - Wechselkurseffekte haben beim weltgrößten Nahrungsmittelkonzern Nestle <CH0038863350> im ersten Quartal für einen Umsatzrückgang gesorgt. Die Erlöse sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,7 Prozent auf 21,3 Milliarden Schweizer Franken (23,2 Mrd Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag in Zürich mitteilte. Das organische Wachstum betrug allerdings 3,5 Prozent und fiel damit besser aus als erwartet, auch wenn es sich im Vergleich zum Vorquartal abschwächte. Konzernchef Philipp Navratil bestätigte die Ziele für das Gesamtjahr. An der Börse kam das gut an.
Die Aktie legte am Mittag mehr als sechs Prozent zu. RBC-Analyst James Edwardes Jones sprach von einem beeindruckenden ersten Quartal. Es sei insbesondere erfreulich zu sehen, dass sich das Kaffeegeschäft nach dem Preisdruck des letzten Jahres wieder erhole. In diesem Bereich legte Nestle zum Jahresauftakt besonders stark zu, ebenfalls wie im Geschäft mit Snacks. Der Schweizer Konzern stellt etwa Nespresso-Kapseln und Kitkat-Schokoriegeln her.
Zugleich belastete im ersten Quartal ein im Januar eingeleiteter weltweiter Rückruf von Säuglingsnahrung, nachdem das Toxin Cereulid festgestellt wurde. Es war die größte Rückrufaktion in Nestles Firmengeschichte. Die Verfügbarkeit der Produkte sei nun wieder normal, hieß es am Donnerstag.
Die Kosten für Kundenrückerstattungen und Lieferengpässe im Zusammenhang mit dem Rückruf bezifferte Nestle im ersten Quartal auf 200 Millionen Franken. Die Hälfte davon aufgrund einer geringeren Kundennachfrage. Bis zum Jahresende erwartet der Konzern eine vollständige Erholung. Ob die Schweizer juristisch gegen den Zulieferer vorgehen wollen, der mutmaßlich für die kontaminierte Säuglingsnahrung verantwortlich ist, ist nach Aussage von Nestle-Chef Navratil noch offen.
Die Analysten vom US-Haus Bernstein Research merkten an: Rechne man die 0,9 Prozentpunkte Minus wegen der Babymilch-Geschichte dazu, hätte gar ein organisches Wachstum von 4,4 Prozent resultiert, was gegenüber den Quartalen davor eine weitere Beschleunigung wäre. "Der Navratil/Isla-Turnaround-Zug scheint an Fahrt zu gewinnen", wird gefolgert.
Navratil war im September an die Spitze von Nestle gerückt, nachdem sein Vorgänger Laurent Freixe nach nur einem Jahr im Amt abgesetzt wurde. Auch Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke trat zurück. Seine Stelle bekam Pablo Isla, der gemeinsam mit Chef Navratil momentan versucht, Nestle wieder auf Kurs zu bringen.
Das Ziel ist es dabei vor allem, sich auf die stärksten Marken zu konzentrieren, die in den vier Kernbereichen Kaffee, Tierfutter, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks zusammengefasst werden. Zudem muss die Wende in Nestles zweitgrößten Markt China gelingen, der zuletzt schrumpfte. Hier rechnet Navratil weiterhin ab der zweiten Jahreshälfte 2026 mit einer Verbesserung. Mit einem umfassenden Umbau soll das Geschäft dort wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren./lew/awp/nas/jha/