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FRANKFURT/PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die großen Kursverlierer des Kriegs im Nahen Osten sind mit der vereinbarten Waffenruhe am Mittwoch die größten Gewinner. An die Spitze des Sektortableaus setzten sich die Aktien der Reise- und Freizeitbranche <CH0019112744> mit einem Plus von 7,3 Prozent. Sie hatten seit Beginn des Kriegs Ende Februar 10 Prozent eingebüßt. Am deutschen Aktienmarkt gewannen Lufthansa <DE0008232125> fast 11 Prozent und Tui <DE000TUAG505> knapp 12 Prozent.
Auch Papiere von Herstellern von Industriegütern <EU0009658905> wie Siemens <DE0007236101> und der Bausektor <EU0009658889> waren überdurchschnittlich gefragt. Beide Sektoren hatten prozentual zweistellig verloren seit Kriegsbeginn und damit mehr als der Stoxx 600 Index <EU0009658202> als Gradmesser für den europäischen Gesamtmarkt. Siemens Energy <DE000ENER6Y0> schnellten um über 10 Prozent nach oben und Siemens um 9,4 Prozent.
Im Bausektor erholten sich Heidelberg Materials <DE0006047004> um 9,5 Prozent. Auch Bilfinger <DE0005909006> und Hochtief <DE0006070006> legten kräftig zu. Vor allem die Sorgen um das weltweite Wachstum in der Folge des Kriegs hatten den Industriegüter- und den Bausektor schwer belastet. Beide Branchen gelten als besonders konjunktursensibel.
Das trifft auch auf den Technologiesektor <EU0009658921> zu, der am Mittwoch ebenfalls zu den Top-Gewinnern zählte mit einem Plus von 6,6 Prozent. Hier war zuvor die Unterbrechung von globalen Lieferketten erschwerend hinzugekommen, unter denen vor allem die Hersteller von Halbleitern leiden. Die Erleichterung über die nun ausgehandelte Waffenruhe verhalf Infineon <DE0006231004>-Aktien zu einem Aufschlag von fast 11 Prozent.
Hoch in der Gunst der Anleger standen ferner die Banken <EU0009658806>, die im europäischen Mittel über 6 Prozent gewannen. Commerzbank <DE000CBK1001> verteuerten sich um 10 Prozent und Deutsche Bank <DE0005140008> um 7 Prozent. Eine kriegsbedingt schwache Konjunktur würde die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Verbrauchern schmälern. Hinzu kommen inflationsbedingt höhere Kapitalmarktzinsen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen war nach Kriegsbeginn von 2,65 auf 3,08 Prozent stark gestiegen. Kursverluste im Anleihengeschäft und Kreditausfälle drohten.
Großer und neben den Versorgern <EU0009658962> einziger Verlierer war der Öl- und Gassektor <EU0009658780>, der 3,5 Prozent einbüßte - seit Kriegsbeginn aber über 14 Prozent gewonnen hatte, mit immer weiteren Rekordmarken. Die Energieproduzenten waren der große Profiteur des Nahost-Konflikts mit Ölpreisen von über 100 US-Dollar. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete in der Spitze sogar fast 120 Dollar./bek/ag/men