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08.07.2026 | 07:05:34 (dpa-AFX)
GESAMT-ROUNDUP 2: Angriffe und Sanktionen stellen Iran-Abkommen auf die Probe

(Neu: weitere Details)

WASHINGTON/TEHERAN (dpa-AFX) - Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wird erneut auf eine harte Probe gestellt: In Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus hat das US-Militär Dutzende Ziele im Iran angegriffen. Zudem setzen die USA Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Irans Militär kündigte Medienberichten zufolge eine Reaktion auf die US-Angriffe an. Kurz darauf meldete die Armee des mit Washington verbündeten Golfstaats Kuwait feindlichen Beschuss. Auch in Bahrain heulten am frühen Morgen die Sirenen.

Das US-Militär bombardierte nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran, unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus. Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Meerenge sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des regierungstreuen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.

Irans Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht der Islamischen Republik, teilten daraufhin nach Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna mit, ihrerseits 85 Ziele in US-Militäreinrichtungen attackiert zu haben, darunter im Bereich der fünften US-Flotte vor Bahrain sowie auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in Kuwait. Auch eine feindliche Drohne habe man abgeschossen.

Bahrain und Kuwait waren wie auch andere Golfstaaten schon mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärbasen, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden.

Angriffe während Irans Trauerfeiern für Chamenei

US-Präsident Donald Trump habe den Plan für einen Schlag gegen den Iran während seiner Teilnahme am laufenden Nato-Gipfel in der Türkei genehmigt, berichtete der gut vernetzte Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten. Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Heute sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Chamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll.

Die Streitkräfte der Islamischen Republik hatten ihre Feinde kurz vor Beginn der Trauerfeierlichkeiten vor Angriffen gewarnt. "Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden", hieß es in einer Erklärung der iranischen Revolutionsgarden. Zudem hatte Teheran in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur eine vom Iran vorgegebene Route durch die Straße von Hormus sei sicher. Nun gerieten mehrere Tanker in der strategisch wichtigen Meerenge erneut unter Beschuss.

USA setzen Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft

Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker "Al-Rekayyat" gemeldet, der nach Angaben der Schiffsbesatzung von einem "unbekannten Geschoss" getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung. Ein US-Beamter bezeichnete die darauf erfolgten Angriffe des US-Militärs gegenüber dem Sender CNN als "Bestrafung". Sie würden noch eine Weile andauern.

Zudem setzten die USA die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung werde wieder zurückgenommen, teilte das US-Finanzministerium mit. Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit wieder untersagt. Der Iran profitiere nur dann von wirtschaftlichen Erleichterungen, wenn er seinen Verpflichtungen nachkomme, erklärte ein Beamter. Irans Verhalten in der Straße von Hormus sei "völlig inakzeptabel".

Ölpreise ziehen wieder an

In der Folge zogen die Ölpreise wieder an. Es wächst die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war erst im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für intensive Verhandlungen über ein Ende des Krieges schaffen sollte. Diese Gespräche stocken derzeit.

Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden "den Job zu Ende bringen". Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte daraufhin, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen anhielten.

Iran pocht auf Kontrolle in der Straße von Hormus

Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb am frühen Morgen auf X: "Die Ära der Schikane und Erpressung ist vorbei. Sie führt zu nichts. Wir lassen uns nicht unterkriegen." Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi schrieb, sein Land werde "entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine nationalen Interessen und seine Sicherheit zu wahren."

Irans Militär werde "unter keinen Umständen eine Einmischung" in die Angelegenheiten bezüglich der Straße von Hormus oder deren Verwaltung zulassen, zitierten die Nachrichtenagentur Irna und Press TV das iranische Hauptquartier Khatam al-Anbiya. Es wies erneut darauf hin, dass die einzige sichere Route für die Durchfahrt von Handelsschiffen und Öltankern in der Straße von Hormus die von Teheran festgelegte Route sei.

Die gegenseitigen Angriffe stellten die bislang schwerwiegendste Eskalation dar, seit die USA und der Iran Mitte Juni ein Rahmenabkommen zur Wiederöffnung der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Meerenge und zur Beendigung des Krieges schlossen, schrieb das "Wall Street Journal". Die US-Angriffe seien vier oder fünf Mal heftiger als Attacken vor anderthalb Wochen, zitierte das US-Portal "Axios" einen US-Beamten.

Experte rechnet nicht mit Neubeginn des Krieges

Nach Einschätzung von Thomas Juneau, Professor an der kanadischen Universität Ottawa, wollen jedoch sowohl der Iran als auch die USA derzeit eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden. Die Auflagen für die Waffenruhe seien äußerst vage, beide Seiten interpretierten sie offensichtlich unterschiedlich und seien nicht kompromissbereit, erklärte der Experte auf X. Ihre vielen Differenzen blieben ungelöst. Verstöße gegen die Waffenruhe seien daher unvermeidbar./ln/DP/zb

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