BERLIN (dpa-AFX) - Der Essenslieferdienst Delivery Hero <DE000A2E4K43> wird nach einem Umsatz- und Ergebnisplus in den ersten sechs Monaten des Jahres optimistischer. "Wir haben ein starkes erstes Halbjahr hinter uns, mit einer weiteren Beschleunigung im GMV-Wachstum und bereinigtem Ebitda über den Erwartungen", sagte Finanzchefin Marie-Anne Popp laut Mitteilung vom Donnerstag. "Diese Leistung gibt uns die Zuversicht, unsere Prognose für das Gesamtjahr in allen Kennzahlen anzuheben." An der Börse war die Aktie am Vormittag wenig bewegt.
Für die Papiere des im MDax <DE0008467416> notierte Unternehmens ging es zuletzt moderat nach unten auf 37,06 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie aber fast zwei Drittel an Wert gewonnen. Nach oben gehievt wurde sie von der Erwartung eines Übernahmeangebots durch den US-Konzern Uber, dass Mitte Juli dann auch erfolgte. Der Fahrdienstvermittler und Lieferdienst aus den USA bietet 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie. Die Offerte bewertet Delivery Hero insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro.
Analyst Giles Thorne vom Investmenthaus Jefferies attestierte Delivery Hero solide Quartalszahlen. Das Unternehmen habe mit jeder Kennziffer die Erwartungen übertroffen, und das Wachstum des Bruttowarenwerts beschleunige sich. Konsequenterweise seien nun die geschäftlichen Ziele nach oben geschraubt worden.
Auch für Annick Maas vom US-Analysehaus Bernstein hat der Essenslieferant besser abgeschnitten als erwartet. Allerdings werde die geplante Übernahme durch Uber den Aktienkurs von Delivery Hero weiter bestimmen.
Für den Bruttowarenwert (GMV) erwartet Delivery Hero nun für 2026 einen Zuwachs um neun bis elf Prozent, zuvor waren noch plus acht bis zehn Prozent angepeilt. Der Umsatz soll statt um 14 bis 16 jetzt um 17 bis 19 Prozent zulegen. Beide Ziele sind gerechnet zu konstanten Wechselkursen und auf vergleichbarer Basis (Like-for-Like.
Im ersten Halbjahr hatte Delivery Hero seine Erlöse im Vorjahresvergleich um 17,8 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro steigern können. Rückenwind kam dabei vom Ausbau des Quick-Commerce-Geschäfts, bei dem die Kunden ihre Bestellungen in kurzer Zeit bekommen. Zudem trugen das Abonnement-Geschäft und die Erweiterung der eigenen Lieferlogistik zum Ergebnis bei. Der Bruttowarenwert erhöhte sich währungsbereinigt und auf vergleichbarer Basis um rund zehn Prozent auf 25,7 Milliarden Euro. Analysten hatten hier laut einem vom Unternehmen bereitgestellten Konsens weniger auf dem Zettel.
Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg um rund vier Prozent auf 426,7 Millionen. Branchenexperte hatten hier weniger erwartet.
Diese Kennziffer erwartet das Management um Konzernchef und Mitgründer Niklas Östberg nun für das Gesamtjahr in einer Spanne von 960 Millionen bis 1 Milliarde Euro, gegenüber den bisher avisierten 910 bis 960 Millionen.
Im Zuge der angestrebten Übernahme durch Uber will sich Delivery Hero von seinem Geschäft in 14 Ländern trennen, in denen der Konzern bisher mit dem Lieferdienst Uber Eats konkurriert. Betroffen sind Österreich, Chile, Zypern, die Tschechische Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei.
Käufer ist den Angaben zufolge die Beteiligungsgesellschaft SSW Partners aus New York. Sie bezahle dafür 1,4 Milliarden Euro, hieß es im Juli. Voraussetzung sei, dass die Übernahme von Delivery Hero durch Uber gelingt.
Uber hielt zuletzt knapp 25 Prozent an dem Berliner Konzern, hinzu kommen Finanzinstrumente über knapp 12 Prozent. Zudem gibt der Delivery-Hero-Großaktionär Prosus <NL0013654783> seinen Anteil von knapp 17 Prozent an Uber ab. Den Vollzug der Übernahme erwarten Uber und Delivery Hero für die zweite Jahreshälfte 2027. Bis dahin operieren beide Unternehmen weiter unabhängige voneinander.
Delivery Hero hatte jahrelang unter dem Strich fast durchweg rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss fuhr der Konzern nur im Jahr 2019 ein. Da hatte er sein Deutschlandgeschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) verkauft und damit einen hohen Sondergewinn eingestrichen. Just Eat Takeaway ist hierzulande vor allem mit der Marke Lieferando vertreten und konkurriert hier auch mit Uber Eats./err/tav/mis