Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das
Kreditgeschäft (Bank Lending Survey), zweites Quartal 2026
Wien (APA-ots) - Die Kreditangebotspolitik der Banken und die
Kreditnachfrage der
Unternehmen sind im zweiten Quartal 2026 stabil geblieben. In der
vorangegangenen Umfrage erwartete Verschlechterungen infolge des
Kriegs im Nahen und Mittleren Osten sind ausgeblieben. Allerdings
verstärkt der Krieg den bestehenden Anpassungsbedarf der Unternehmen
an die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen inklusive der
Folgen des Klimawandels. Zuletzt hat daher der Finanzierungsbedarf
der Unternehmen für Restrukturierungsmaßnahmen zugenommen. Unabhängig
von den Entwicklungen im Kreditgeschäft mit Unternehmen ist die
Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten im zweiten Quartal
2026 weiter gestiegen.
Diese Ergebnisse stammen aus der vierteljährlichen Umfrage der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft unter
den führenden heimischen Banken. Die aktuelle Umfrage wurde in der
zweiten Junihälfte 2026 durchgeführt. Hinsichtlich des Kriegs im
Nahen und Mittleren Osten berücksichtigen die Umfrageergebnisse somit
die Absichtserklärung zur Beendigung des Kriegs vom 18. Juni 2026,
nicht jedoch die Ereignisse nach Ende Juni.
Zwtl.: Unternehmenskredite: Auswirkungen des Kriegs im Nahen und
Mittleren Osten geringer als erwartet - Nachfrage und Angebotspolitik
stabil
Die Kreditnachfrage von Unternehmen hat sich im zweiten Quartal
2026 kaum geändert. Auch im dritten Quartal 2026 soll es gemäß den
Einschätzungen der Banken aus heutiger Sicht zu keinen nennenswerten
Nachfrageänderungen kommen. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten
wirkt sich demnach bisher geringer auf das Kreditgeschäft aus als in
der letzten Umfrage vor drei Monaten erwartet.
Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse im Bereich großer
Unternehmen einen erhöhten Finanzierungsbedarf für
Restrukturierungsmaßnahmen. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten
verstärkt den bereits bestehenden Anpassungsbedarf der Unternehmen an
die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen einschließlich der
Folgen des Klimawandels.
Bei einer Betrachtung nach einzelnen Wirtschaftssektoren steht
einer gestiegenen Nachfrage im Wohnimmobiliensektor ein
Nachfragerückgang seitens der KFZ-Herstellung (inklusive
Zulieferindustrie) gegenüber.
Die Angebotspolitik der Banken gegenüber Unternehmen hat sich in
den letzten Quartalen kaum verändert und ist weiterhin streng. Die
Banken haben ihre Kreditrichtlinien und die Kreditbedingungen über
Jahre hinweg verschärft und das vor allem mit einer zunehmend
ungünstigeren Risikoeinschätzung begründet.
Den Umfrageergebnissen sind keine wesentlichen Auswirkungen der
Zinsentscheidung der EZB von Juni 2026 auf die
Finanzierungsbedingungen zu entnehmen.
Zwtl.: Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten weiter gestiegen
Die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten ist im zweiten
Quartal 2026 weiter gestiegen - ein Trend, der seit Anfang 2024 zu
beobachten ist. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die befragten
Banken aber keinen weiteren Anstieg der Nachfrage nach
Wohnbaukrediten.
Das Nachfrageplus im zweiten Quartal 2026 ist gemäß den
Umfrageergebnissen auf verbesserte Aussichten am Wohnimmobilienmarkt
sowie den gestiegenen Optimismus der Haushalte, die eine
Wohnbaufinanzierung anstreben, zurückzuführen. Das Zinsniveau hat im
Gegensatz zu den vergangenen Quartalen beim Nachfrageanstieg im
zweiten Quartal 2026 nur mehr eine untergeordnete Rolle gespielt.
Die aus den Umfrageergebnissen ersichtliche gestiegene Nachfrage
nach privaten Wohnbaukrediten seit Anfang 2024 zeigt sich auch in der
Kreditstatistik. Die Vergabe neuer Wohnbaukredite durch die Banken
ist in den letzten zweieinhalb Jahren deutlich gestiegen - von
monatlich 0,7 Mrd EUR im Jänner 2024 auf jeweils über 1,6 Mrd EUR im
März, April und Mai 2026. Die Umfrageergebnisse signalisieren eine
weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten.
Zwtl.: Folgen des Klimawandels wirken sich zunehmend auf das
Kreditgeschäft aus
Einmal jährlich thematisiert die Umfrage die Auswirkungen des
Klimawandels auf das Kreditgeschäft. Die Ergebnisse zeigen auf der
Nachfrageseite, dass der Finanzierungsbedarf der Unternehmen für
Investitionen und Umstrukturierungen im Zusammenhang mit dem
Klimawandel seit Mitte 2022, dem Beginn des in der Umfrage erfassten
Zeitraums, stetig zugenommen hat und in den nächsten zwölf Monaten
weiter zunehmen wird. Das betrifft sowohl die Transition zu einer
"grüneren" Leistungserstellung als auch Absicherungen gegen physische
Risiken des Klimawandels.
Beim Kreditangebot der Banken haben der Klimawandel und seine
Folgen seit Mitte 2022 vor allem zu fortschreitenden Verschärfungen
für Unternehmen mit hohem CO 2 -Ausstoß geführt. Wesentlicher Grund
sind Kosten für die Unternehmen, die sich im Übergang zu einer
ökologisch nachhaltigeren Wirtschaft ergeben - z. B. durch rechtliche
Rahmenbedingungen wie die CO2-Steuer, oder durch die aufgrund der
Verdrängung bestehender Technologien durch umweltverträglichere neue
Technologien notwendige Anpassung. Die befragten Banken haben weitere
Verschärfungen für Unternehmen mit hohem CO 2 -Ausstoß für die
nächsten zwölf Monate angekündigt und begründen diese zusätzlich mit
physischen Risiken, etwa Extremwetterereignissen oder Umweltschäden,
die den Wert der Unternehmensaktiva beeinflussen können.
Die Zentralbanken des Euroraums - in Österreich die
Oesterreichische Nationalbank (OeNB) - führen gemeinsam mit der
Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine
Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren
Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die
Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten sowie
sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei
werden rund 160 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums
befragt, darunter acht Institute aus Österreich.
Ein ausführlicher Bericht über die Österreich-Ergebnisse wird in
der Publikationsreihe "OeNB Reports" veröffentlicht (
https://www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/reports.html ).
Weitere Informationen und Daten zur Umfrage finden sich auf der
OeNB-Website unter https://www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage
-ueber-das-kreditgeschaeft.html .
Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer
Website publiziert:
https://www.ecb.europa.eu/stats/ecb_surveys/bank_lending_survey/html-
/index.en.html
Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Pressesprecherin
Mag.a Marlies Schroeder, MiM
Telefon: (+43-1) 404 20-6900
E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at
Website: https://www.oenb.at
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