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28.08.2026 | 13:12:47 (dpa-AFX)
Deutsche Börse-News: "Goldpreis profitiert von Sorgen über Staatsschulden"

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Der Goldpreis steigt in kurzer Zeit von 4.000 US-Dollar auf über 4.600 US-Dollar - für viele ein Warnzeichen angesichts extrem hoher Staatsverschuldungen. Der Ölpreis hängt weiter an der Lage in Nahost.

27. August 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die starken Bewegungen der Rohstoffpreise halten auch im Sommer an. Zuletzt wieder kräftig gestiegen ist der Preis für Gold. "Gold profitiert von den Sorgen über die steigenden Staatsschulden, wegen denen das Edelmetall als sichere Anlage verstärkt nachgefragt wird", erklärt Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht. Auch wichtig: die Ankündigung des US-Finanzministeriums von Anleiherückkäufen, die den US-Dollar geschwächt habe.

Der Goldpreis war nach dem neuen Allzeithoch von 5.570 US-Dollar im Januar bis unter 4.000 US-Dollar im Juli gefallen und dann auf 4.670 US-Dollar gestiegen. Am Donnerstagmorgen sind es 4.603 US-Dollar - immer noch der höchste Stand seit Mai.

Gold auf Dreimonatshoch

Gold-ETCs kommen wieder richtig gut an, wie Emittent WisdomTree berichtet. "Schwache US-Arbeitsmarktdaten und ein rückläufiges Bruttoinlandsprodukt haben die Erwartungen hinsichtlich höherer Zinsen zurückgedrängt", erklärt Mobeen Tahir. Die US-Dollarschwäche erwähnt er ebenfalls. "Zusätzlich hält die geopolitische Ungewissheit die Nachfrage nach sicheren Anlagen aufrecht", ergänzt er. Auch andere Edelmetalle profitierten, vor allem Silber.

Händler berichten von einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach Gold-ETCs und Goldminen-ETFs. Bei der ICF Bank "massiv gekauft" wird der VanEck Gold Miners-ETF (IE00BQQP9F84), wie Ivo Orlemann feststellt. Sehr gefragt seien außerdem Goldpreis-ETCs mit Währungsabsicherung (XS2183935274) und ohne (IE00B579F325). Auch laut Janis Völker von Lang & Schwarz sind Gold-ETCs wieder beliebt, etwa Xetra-Gold (DE000A0S9GB0) und iShares Physical Gold (IE00B4ND3602). Der Goldbestand von Xetra-Gold bewegt sich seitwärts auf hohem Niveau. Aktuell sind es 174 nach knapp 173 Tonnen per Jahresende 2025.

Weiter Gold statt Silber

Während Gold-ETCs am europäischen ETC-Markt in den ersten sieben Monaten des Jahres deutliche Nettozuflüsse von 2,5 Milliarden Euro verzeichneten, flossen aus Silber-ETCs knapp 2 Milliarden Euro ab, wie das ETF-Analyse- und Handelshaus Crossflow berichtet. Zuflüsse gab es auch bei gemischten Rohstoff-ETCs (2,4 Milliarden Euro), auf niedrigerem Niveau auch bei Industriemetall-ETCs (634 Millionen Euro). Energie-ETCs wurden hingegen unter dem Strich abgestoßen (minus 250 Millionen Euro).

Mehr dazu: crossflow.de

Ölpreis: "2026 weiter starke Schwankungen"

Noch größer sind die Ausschläge bei Öl. Das Barrel der Nordseesorte Brent wurde dieses Jahr im Tief zu 62 US-Dollar gehandelt, im Hoch zu 119 US-Dollar. Am Donnerstagmorgen sind es 86 US-Dollar. "Die Lage im Energiesektor ist in vielerlei Hinsicht fragil", stellt Tahir von WisdomTree fest mit Blick auf den ungewöhnlich niedrigen Stand europäischer Gasspeicher und die anhaltenden Spannungen um die Straße von Hormus.

Nach Einschätzung von Rohstoffanalystin Dora Borbély von der DekaBank ist eine stabile Verhandlungslösung mit einem störungsfreien Schiffsverkehr in der Straße von Hormus eher unwahrscheinlich. "Der Status Quo von vor dem Krieg dürfte vorerst nicht erreicht werden", meint sie. Allerdings werde das Ölangebot zunehmend auch über alternative Routen den Weltmarkt erreichen und auf diese Weise mittelfristig zu einer Entspannung der Versorgungslage beitragen. "Für den weiteren Jahresverlauf 2026 erwarten wir starke Schwankungen bei den Ölnotierungen", erklärt sie. Erst ab 2027 würden die Ölpreise in der Tendenz wieder nennenswert fallen - allerdings weiterhin oberhalb des Niveaus von vor dem Nahost-Krieg von rund 65 US-Dollar verharren.

Aus Energie-ETCs flossen den Zahlen von WisdomTree zufolge zuletzt Mittel ab. Hohe Umsätze weisen aktuell der WisdomTree Brent Crude Oil (JE00B78CGV99) und das Pendant auf WTI (GB00B15KXV33) auf, aber auch Produkte mit Hebel wie der WisdomTree WTI Crude Oil 3x Daily Leveraged (IE00BMTM6B32).

Industriemetalle: Tendenziell aufwärts

Aufwärts geht es dieses Jahr für die Preise vieler Industriemetalle wie Kupfer oder Aluminium. Industriemetall-ETCs verzeichneten in den vergangenen Wochen laut WisdomTree allerdings Abflüsse. "Die Grundtendenz ist eine Verknappung des Angebots", bemerkt Tahir. Der Kupferpreis erreiche immer wieder neue Hochs, da die chinesische Produktion nachlasse und Händler sich auf mögliche US-Zölle einstellten. Bei Aluminium ließen die Sorgen um das Angebot aus der Golfregion zwar nach, die Lagerbestände erreichen aber weiterhin neue Tiefststände. Umsatzstark ist der WisdomTree Copper (GB00B15KXQ89).

Von Anna-Maria Borse, 27. August 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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