MARANELLO (dpa-AFX) - Der Luxussportwagenbauer Ferrari <NL0011585146> hat im Schlussquartal deutlich mehr Gewinn erwirtschaftet als gedacht. Im neuen Jahr will Chef Benedetto Vigna das Unternehmen ähnlich profitabel abschneiden lassen wie zuletzt, wie es am Dienstag am Firmensitz in Maranello hieß. Die Italiener profitierten dabei auch von höheren Sponsoreneinnahmen ihres Formel-1-Rennsportteams und einer besseren Platzierung im Rennzirkus. Im neuen Jahr sieht Vigna etwas weniger Verkaufsanteil in den USA, im zuletzt schwächeren China dürfte sich die Lage auf Sicht aber etwas bessern. Anleger waren von der Ertragskraft positiv überrascht, die Aktie stieg deutlich.
Das Papier schnellte am Nachmittag in Mailand um zehn Prozent auf 310 Euro in die Höhe und machte damit bisherige Kursverluste in diesem Jahr nahezu wett. Seit geraumer Zeit steht die einst so gut gelaufene Aktie unter Druck, vor knapp einem Jahr war sie noch an die 500 Euro teuer gewesen. Dann zogen die US-Zölle und schwache Quartalszahlen, aber auch enttäuschende Mittelfristziele das Papier nach unten.
Der Ausblick sei im Ganzen besser als teilweise von Investoren und ihm selbst befürchtet, schrieb Analyst James Grzinic von der US-Investmentbank Jefferies. Sowohl das vierte Quartal als auch der Ausblick hätten die Erwartungen übertroffen, schrieb Tom Narayan von der kanadischen Bank RBC.
Mit einem Börsenwert von gut 55 Milliarden Euro ist Ferrari trotz der Kursschwäche der vergangenen Monate immer noch etwas mehr wert als BMW <DE0005190003>, Mercedes <DE0007100000> oder Volkswagen <DE0007664039>. Die Porsche AG <DE000PAG9113> nach ihrem Absturz haben die Italiener deutlich hinter sich gelassen.
Dabei baut Ferrari nur einen Bruchteil der Autos der deutschen Konzerne. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 13.640 ausgelieferte Wagen, 112 weniger als ein Jahr zuvor. Allerdings ist die Profitabilität von Ferrari in der Branche weit überdurchschnittlich - von 100 Euro Umsatz bleiben vor Zinsen und Steuern fast 30 Euro Gewinn. Zum Vergleich: Alle deutschen Konzerne liegen aktuell im einstelligen Prozentbereich oder kratzen wie der kriselnde Porsche-Konzern derzeit sogar an der Gewinnschwelle. Ferrari wird von Investoren ohnehin eher als Wette auf Luxusgüter eingestuft als ein Autobauer.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg im vierten Quartal um 9 Prozent auf 700 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt nur mit 662 Millionen gerechnet. Auch im laufenden Jahr dürfte der Schwung anhalten. Dann sollen es im Gesamtjahr mindestens 2,93 Milliarden operatives Ergebnis sein. Das wäre ein Plus von fast sechs Prozent und auch etwas mehr als die durchschnittliche Schätzung von Fachleuten. Die entsprechende Marge soll im Vergleich zum auf 38,8 Prozent gestiegenen Vorjahreswert noch etwas zulegen und mindestens 39 Prozent erreichen.
Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, obwohl Ferrari wegen Rückgängen in Amerika und China mit 3.152 Autos 173 Fahrzeuge weniger auslieferte als ein Jahr zuvor. Zwar nahm der Konzern auch mit den verkauften Autos mehr ein, vor allem aber gaben höhere Sponsoreneinnahmen und ein besseres Abschneiden des Formel-1-Rennsportteams Schub. Unter dem Strich lag der Gewinn allerdings mit 381 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahr wegen höherer Steuern und eines verschlechterten Finanzergebnisses.
Neue Modelle würden in diesem Jahr wohl dafür sorgen, dass der Anteil der Verkäufe in den USA noch etwas sinke, sagte Vigna in einer Videokonferenz mit Journalisten. Bei neuen Modellen tendiere der Autobauer dazu, zunächst viele Wagen näher an der Heimat auszuliefern. Im vergangenen Jahr stand die Region Amerika für rund 29 Prozent des Absatzes. Europa ist mit fast der Hälfte die mit Abstand wichtigste Region.
In China sieht Vigna Besserung. In den vergangenen Jahren habe der Konzern vor allem sehr teure 12-Zylinder im Programm gehabt. Nun kämen Autos heraus, die eher dem chinesischen Bedarf entsprächen. Auf dem chinesischen Festland, in Hongkong und Taiwan verkaufte Ferrari vergangenes Jahr nur rund 7 Prozent seiner Fahrzeuge./men/err/he